25. Juni 2017, 21:42 Uhr

Leichtathletik Golf in Eichenried

Viel Frauenpower in Lille US-Boy Kendricks im Sechs-Meter-Klub 333 330 Euro für Argentinier Romero Carolin Schäfer trumpft auf

In Europa steht es bestens um die deutsche Leichtathletik, zumal die Russen außen vor sind. Bei der WM in London aber warten selbst auf Routiniers wie Robert Harting und David Storl andere Kaliber.
25. Juni 2017, 21:42 Uhr
Von vorne weg: Gesa-Felicitas Krause auf ihrem Weg zum Sieg über 3000 Meter Hindernis bei der Team-EM in Lille. (Foto: dpa)

Mit viel Frauenpower und einem nervenstarken Robert Harting haben die deutschen Leichtathleten zum dritten Mal die Team-EM gewonnen. Sechs Wochen vor den Weltmeisterschaften in London taugte die Talenteschau von Lille allerdings nicht als internationaler Maßstab. Fünf Einzelsiegen der DLV-Sportlerinnen standen am Wochenende die Erfolge von Dreispringer Max Heß und Diskus-Routinier Robert Harting gegenüber. Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler hatte bei der Windlotterie Pech und musste sich ebenso geschlagen geben wie der zweifache Kugelstoß-Weltmeister David Storl.

»Das war ganz cool«, sagte Harting nach seinen 66,30 Metern. Damit bezwang er am Sonntag im letzten Durchgang noch den Polen Robert Urbanek (66,25). »Schön war der Wurf nicht, eher grob. Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass ich meine wahre Stärke noch nicht zeigen kann«, bilanzierte der 32 Jahre alte Berliner. Der Olympiasieger von 2012 war nominiert worden, weil sein jüngerer Bruder Christoph, der Goldmedaillengewinner von Rio 2016, noch nicht in Form ist. Robert Hartiung wusste den Achtungserfolg richtig einzuordnen: »Bis zur WM sind ja noch sechs Wochen, da kann vieles passieren.« Der Chemnitzer Heß überzeugte mit der Saisonbestweite von 17,02 Metern im Dreisprung.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband sammelte bei sieben Einzelsiegen insgesamt 321,5 Punkte und setzte sich klar vor Polen (295) und Frankreich (270) durch – der dritte Gesamtsieg nach 2009 und 2014. Die Russen, die den Wettbewerb seit der Premiere im Jahr 2009 viermal dominiert hatten, fehlten wegen des internationalen Banns nach dem Dopingskandal.

Röhler kam in der nordfranzösischen Stadt mit 84,22 Metern hinter dem Tschechen Jakub Vadlejch (87,95) und dem Griechen Ioannis Kiriazis (86,33) nur auf Rang drei. »Ich habe drei Würfe mitten in eine Böe hineingeschossen. Da kann man nichts machen«, meinte der 25-Jährige aus Jena. »Für das Team ist das Mist. Aber der Rest hat ja gut zugeschlagen.« Der Wind sei eine Art Zufallsgenerator gewesen: »Aber zum Glück hat London ja ein komplett geschlossenes Stadion.«

Für erste Plätze sorgten dafür am Samstag die 4 x100-Meter-Staffel mit Lara Matheis (TSG Gießen-Wieseck), Gina Lückenkemper, Alexandra Burghardt und Rebekka Haase (42,47 Sekunden) sowie Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause. Am Sonntag gewann die Wattenscheiderin Pamela Dutkiewicz die 100 Meter Hürden in 12,75 Sekunden und Konstanze Klosterhalfen mit großem Abstand die 1500 Meter in 4:09,57 Minuten.

»Ich habe mich am Anfang zurückgehalten. Es hat mich sehr gefreut, dass diese Taktik aufgegangen ist, sagte das 20 Jahre alte Lauftalent aus Leverkusen. Zudem freute sich Siebenkampf-Spezialistin Claudia Salman-Rath über ihren erfolgreichen Ausflug zum Weitsprung: An die 6,66 Meter der Frankfurterin kam keine heran.

Über 3000 Meter Hindernis rannte Europameisterin Krause gleich vom Start weg vorneweg und kam nach 9:27,02 Minuten weit vor der Konkurrenz ins Ziel. »Das ist schon ein Privileg. Ich hatte mir das aber vorgenommen: Es ist immer einfacher, wenn man freie Sicht hat«, sagte die 24-Jährige aus Ehringshausen.

Für zweite Plätze beim Elf-Nationen-Wettbewerb sorgten unter anderen das Sprint-Duo Lückenkemper (11,35 Sekunden/Dortmund) und Julian Reus (10,27/Wattenscheid) über 100 Meter und Storl. Storl, der Olympia-Zweite von 2012, zeigte sich mit seinen 21,23 Metern im Kugelstoßring hinter dem Tschechen Tomas Stanek (21,63) sichtlich unzufrieden. »Das war nicht so mein Wettkampf«, räumte der Leipziger ein. »Da hat ein bisschen der Ansporn gefehlt.«

US-Stabhochspringer Sam Kendricks hat erstmals die sechs Meter gemeistert und sich damit zum Gold-Kandidaten für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London aufgeschwungen. Der 24-Jährige katapultierte sich am Samstag (Ortszeit) bei den nationalen Meisterschaften in Sacramento als 21. Springer in den Sechs-Meter-Klub. Der Olympia-Dritte von Rio übersprang die Sieghöhe von 6,00 Metern im zweiten Versuch. »Jeder große Springer hat mindestens einen Sechs-Meter-Sprung gemacht. Wenn ich das bei den Weltmeisterschaften wiederholen kann, dann habe ich eine Chance auf den Titel«, sagte der Amerikaner. »Mein Ziel ist Gold in London.«

Auch der Zweitplatzierte Andrew Irwin und Chris Nilsen buchten bei den Trials in Kalifornien mit jeweils 5,75 Metern die WM-Tickets. »Jeder ist heute hoch gesprungen und hat den anderen Hoffnung gemacht«, meinte Kendricks, der nun auch die Jahresweltbestenliste vor dem jungen Schweden Armand Duplantis (5,90 Meter) anführt.

Auch Raphael Holzdeppe kommt langsam, aber sicher in WM-Form. Mit 5,80 Metern erfüllte der 27-Jährige vom LAZ Zweibrücken am Samstag beim Meeting in Hof erstmals die WM-Norm. Er teilte sich den Sieg mit den höhengleichen Michal Balner aus Tschechien und Pawel Wojciechowski aus Polen. »Yess!!! Endlich!! 5,80m und WM Norm!! Der Knoten ist geplatzt!!«, twitterte der Weltmeister von 2013 und WM-Zweite von 2015 nach seinem Erfolg. Holzdeppe ist nach Torben Laidig (Schwäbisch Hall) der zweite deutsche Stabhochspringer, der die DLV-Vorgabe für London von 5,70 Meter erfüllt hat.

Am Vortag trumpfte in Sacramento auch Sprint-Oldie Justin Gatlin mächtig auf. Der 35-Jährige hielt die jungen US-Asse in Schach und holte sich als nationaler 100-Meter-Meister das WM-Ticket. Der Olympiasieger von 2004 gewann in 9,95 Sekunden knapp vor dem aufstrebenden Christian Coleman. Der 21-Jährige kam als Zweiter mit drei Hunderstel-Sekunden Rückstand auf Gatlin ins Ziel. Auch der 23 Jahre alte Christopher Belcher qualifizierte sich in 10,06 Sekunden für die WM vom 4. bis 13. August in der britischen Metropole.

»Diese Jungs starten gerade ihre Karriere, und ich muss einfach aufpassen, dass ich hungrig bleibe«, meinte Gatlin.

Martin Kaymer war längst außen vor, als Überraschungssieger Andrés Romero bei Deutschlands prestigeträchtigstem Golfturnier vor den Toren Münchens die Faust ballen konnte. In einem hochklassigen Finale setzte sich der 36 Jahre alte Argentinier beim Europa-Tour-Event auf dem Kurs in Moosinning-Eichenried am Sonntag durch und sicherte sich eine stattliche Prämie von 333 330 Euro. Mit 271 Schlägen und damit nur einem Versuch Vorsprung auf ein Verfolgertrio holte der Südamerikaner den zweiten Europa-Tour-Erfolg seiner langen Karriere.

»Das ist ein Moment, der mein Leben verändert«, befand Romero stolz. Als aktuell 837. der Golf-Weltrangliste hatte er im Vorfeld keineswegs zum Favoritenkreis gezählt. Platz zwei teilten sich der spanische Masters-Gewinner Sergio Garcia, der Belgier Thomas Detry und der Engländer Richard Bland.

Bester Deutscher bei dem mit zwei Millionen Euro dotierten Event wurde ein Nobody. Der 24-jährige Nicolai von Dellingshausen, sonst auf der unterklassigen Pro Golf Tour beheimatet, beendete seine erste Europa-Tour-Veranstaltung gleich auf dem geteilten 26. Rang. Der Lohn waren jede Menge Anerkennung und ein Preisgeld von 20 200 Euro.

Mit einer starken letzten Runde von fünf Schlägen unter dem Platzstandard verbesserte sich von Dellingshausen am Sonntag noch mal deutlich. Insgesamt kam er auf 281 Schläge – also nur zehn mehr als Romero. »Es war wahrscheinlich für mich die lehrreichste Woche in diesem Jahr. Die Erfahrungen und Eindrücke, die ich hier gesammelt habe, kann mir keiner mehr nehmen«, bekannte er. Zweitbester Deutscher wurde Florian Fritsch als geteilter 51. mit 285 Schlägen. Einen Versuch mehr benötigte der 19-jährige Amateur Max Schmitt als 59.

Für die etatmäßigen deutschen Golf-Asse dagegen lief bei den International Open wenig bis gar nichts zusammen. Der Auftritt von Martin Kaymer, dem zweimaligen Majorsieger und Hoffnungsträger, geriet zu einer Enttäuschung. Der einstige Weltranglistenerste verpasste nach zwei schwachen Runden gar die Qualifikation für die entscheidenden beiden Tage am Wochenende. Marcel Siem, dem zwischen 2004 und 2014 vier Turniersiege auf der Europa-Tour gelangen, schnitt noch schlechter ab.

Deutschlands Sieben- und Zehnkämpfer haben glänzende Medaillenaussichten bei den Weltmeisterschaften im August in London. Bei der letzten WM-Qualifikation in Ratingen bewies vor allem Carolin Schäfer bei ihrem Sieg am Sonntag mit 6667 Punkten, dass sie eine Titelkandidaten für die WM an der Themse ist. »Als Favoritin fühle ich mich nicht, aber bei der Medaillenvergabe möchte ich auf jeden Fall zugreifen«, sagte die 25-jährige Athletin von der LG Eintracht Frankfurt. Den bis dato letzten WM-Triumph feierte vor 20 Jahren Sabine Braun.

Die Leverkusenerin Mareike Arndt verfehlte als Dritte mit 6106 Punkten knapp die WM-Norm. Da Schäfers Vereinskollegin Claudia Salman Rath bei der ersten Ausscheidung 6580 Punkte geholt hatte und nicht in Ratingen startete, wird sie mit zur WM fahren.

Auch die Zehnkämpfer weckten die Hoffnung auf WM-Edelmetall. Einen Höhenflug erlebte Rico Freimuth (SV Halle), der bei seinem Sieg mit 8663 Punkten die persönliche Bestleistung um 102 Zähler übertraf und nun als Weltranglistenerster nach London fährt. »Ich bin mega-zufrieden«, sagte der 29-jährige WM-Dritte von 2015, der schon in Götzis 8365 Punkte geholt hatte.

In Ratingen verschob Freimuth seine Leistungsgrenze gleich in vier Disziplinen: Im Weitsprung erreichte er 7,60 Meter, knackte mit 2,01 Metern im Hochsprung erstmals die Zwei-Meter-Marke, katapultierte sich mit dem Stab auf zuvor unerreichte 4,90 Meter und schleuderte den Diskus mit 51,56 Metern gleich 1,26 Meter weiter als je zuvor.

Der Olympia-Vierte Kai Kazmirek zeigte ebenfalls eine starke Gesamtleistung und sicherte sich als Dritter mit 8478 Punkten eine WM-Fahrkarte. »Ich bin sehr zufrieden, da ich vor zehn Tagen noch mit einer Bänderdehnung zu tun hatte«, sagte der 26-Jährige von der LG Rhein-Wied, der vor allem seine Stärken im Hochsprung (2,07 Meter) und Stabhochsprung (5,20 Meter) ausspielte.

Ihren Rücktritt hat die zweimalige WM-Zweite Jennifer Oeser erklärt.

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