20. Juli 2018, 22:36 Uhr

Vettel mit Luft nach oben

20. Juli 2018, 22:36 Uhr
Sebastian Vettel (r.) aus Deutschland vom Team Scuderia Ferrari während des freien Trainings auf dem Hockenheimring vor Lewis Hamilton aus Großbritannien vom Team Mercedes AMG Petronas. (Foto: dpa)

Sebastian Vettel muss sich im Kampf um seinen ersten Formel-1-Sieg auf dem Hockenheimring beim vorerst letzten Heim-Grand-Prix auf große Gegenwehr gefasst machen. Der gebürtige Heppenheimer fuhr am Freitag im hochsommerlichen Hockenheim nur die viertschnellste Runde in seinem Ferrari und muss wie befürchtet auch mit dem Niederländer Max Verstappen im Red Bull rechnen. »Wir können uns noch steigern. Hier und da war es noch nicht so gut«, sagte Vettel, ohne aber unzufrieden zu sein.

Trainings-Kurzarbeiter Verstappen sicherte sich mit einem knappen Vorsprung von 26 Tausendstelsekunden auf den WM-Zweiten Lewis Hamilton von Mercedes die Tagesbestzeit. Hinter dem viermaligen Weltmeister und Titelverteidiger im Mercedes schob sich dessen Teamkollege Valtteri Bottas wenige Stunden nach der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung mit den Silberpfeilen auch noch vor Vettel. »Ich glaube, es wird eng. Red Bull ist überraschend stark. Wir müssen mit ihnen rechnen«, betonte Vettel.

Der Rückstand des 31 Jahre alten deutschen Vierfach-Weltmeisters auf Verstappen betrug 0,225 Sekunden. Erst nach Vettels finnischem Teamkollegen Kimi Räikkönen auf Rang fünf (+0,342) wurden die Rückstände der Piloten bei ihren schnellsten Runden auf der schnellsten Reifenmischung (ultrasoft) größer.

Vettels Landsmann Nico Hülkenberg landete in der zweiten Einheit auf dem neunten Platz mit 1,411 Sekunden Rückstand auf Verstappen, für den die Qualifikation an diesem Samstag (15 Uhr/RTL) und das elfte Saisonrennen am Sonntag (15.10 Uhr/RTL) ebenfalls zu einer gefühlten Heimveranstaltung werden dürften. Zig Tausende niederländische Fans in orange wollen den 20-Jährigen zum zweiten Sieg nach dem Erfolg beim Red-Bull-Heimspiel im österreichischen Spielberg treiben.

Warum Verstappen in der zweiten Einheit nur 14 Runden drehte, blieb zunächst unklar. Während die Konkurrenz noch fleißig Daten sammelte, kühlte sich Verstappen bei über 30 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein erst mal ab.

Wie gut der Red Bull auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs mit dem berühmten Motodrom funktioniert, bewies in der ersten Trainingseinheit auch schon Teamkollege Daniel Ricciardo, als der 29 Jahre alte Australier auf Platz eins fuhr und Hamilton um – allerdings nur – vier Tausendstelsekunden auf den zweiten Platz verwies. Ricciardo, der im zweiten Training als 13. wiederum überraschend schwächelte, ist im Rennen aber erst mal keine Gefahr: Der zweimalige Saisonsieger muss wegen des Einbaus neuer Antriebsteile in seinem Wagen in der Startaufstellung nach ganz hinten.

Ganz vorne will Vettel starten und ankommen. 2013 feierte er auf dem Nürburgring seinen bisher einzigen Formel-1-Heimsieg. Beim 77. Rennen der Motorsport-Königsklasse in Deutschland will er endlich den Hockenheim-Fluch vertreiben und im packenden WM-Duell mit Hamilton den aktuellen Acht-Punkte-Vorsprung vergrößern, bevor bereits eine Woche später in Ungarn das letzte Rennen vor der Sommerpause ansteht. Auch wenn es in Hockenheim erst recht keine Sieggarantie ist, steuert Vettel dafür am Samstag die Pole an. 2010 holte er sie sich zwar auf dem Hockenheimring, wurde im Rennen aber letztlich nur Dritter.

Was macht Ricciardo?

In nicht mal 24 Stunden hat Mercedes seine Cockpit-Fragen öffentlich geklärt und die Top-Optionen auf dem Fahrermarkt weiter eingeschränkt. Der deutsche Werksrennstall vertraut auch im kommenden Jahr Bottas als Helfer von Vierfach-Champion Hamilton. Offen bleibt somit unter den drei Top-Teams nur noch, wer den zweiten Platz neben Vettel bei Ferrari bekommt und was Red Bulls Australier Ricciardo macht.

Vermutlich wird er seinen Kontrakt bei dem Team des österreichischen Milliardärs Dietrich Mateschitz verlängern. Ein Wechsel zu Ferrari wäre die einzige sinnvolle Alternative für den 29-Jährigen aus Perth. Dazu müsste aber zunächst auch die Zeit von Räikkönen ablaufen. Der Finne wird im Oktober zwar 39 Jahre alt, Vettel versteht sich aber bestens mit Räikkönen, der in der Schweiz eine Weile auch mal sein Nachbar war. Räikkönen kehrte 2014 zu Ferrari zurück und ist noch immer der letzte Weltmeister im weltberühmten Rot (2007).

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