10. August 2018, 22:45 Uhr

Speerwurf-Gold kein Selbstläufer

Die deutschen Speerwerfer steuern seit zwei Jahren auf Erfolgskurs. Der Olympiasieger, der Weltmeister und nun auch der Europameister – alle kommen aus einem Land. Die nächste Generation schaut motiviert auf ihre Vorbilder, doch ein Selbstläufer sind Siege nicht.
10. August 2018, 22:45 Uhr
Thomas Röhler nimmt nach Speerwurf-Gold bei der EM in Berlin ein Bad im Wassergraben der Hindernisläufer. (Foto: dpa)

Europameister Thomas Röhler beschwor schon die nächste deutsche Speerwurf-Generation, Kollege Andreas Hofmann freute sich auch am Morgen danach noch wie ein Schulbub über Silber. »Das war hammerfettbombenkrass«, sagte der glückliche Zweite der Berliner Leichtathletik-EM am Freitag auf der Pressekonferenz im deutschen EM-Club. Bis in die Nacht hinein waren die beiden Kumpels noch da, dann fielen sie todmüde ins Bett. Doch zur morgendlichen Fragerunde tauchten sie pünktlich und fit wieder auf – wie im EM-Finale.

»Die Konkurrenz weiß seit drei Jahren, dass mit uns immer zu rechnen ist«, sagte Röhler, der zwei Jahre nach seinem Olympiasieg nun auch Europameister ist. Und im nächsten Jahr, bei der Wüsten-WM in Katars Hauptstadt Doha, vielleicht zum ersten Mal Weltmeister. Die größte Konkurrenz hat der 26-Jährige aus Jena im eigenen Team.

»Wir sind eine Generation, die schon an morgen denkt. Wir wollen etwas für die Sportart tun, nicht nur für das Speerwerfen – auch für die Leichtathletik«, betonte der Athletensprecher im Weltverband IAAF. »Wir haben in Deutschland aktuell eine extrem motivierte U20 und U18«, sagte Röhler. »Und auch wir als aktive Athleten stärken diese Jungs ein bisschen mit.«

Ein Selbstläufer sind die deutschen Speerwurf-Asse und Siegesserien in den kommenden Jahren aber keinesfalls, warnte Röhler. »Das kann man nicht sagen. Große Glaskugel! Übermorgen kann Schluss sein, wenn ich mich verletze. Das ist immer noch eine Risiko-Sportart.«

Das gilt auch für Hofmann, den deutschen Meister aus Mannheim. Der 26-Jährige freute sich riesig über seine erste internationale Medaille. »Leistung gebracht, Silber gewonnen – top!« Markanter kann man seinen Part im Speerwurf-Finale einer Europameisterschaft wohl kaum in Worte fassen. Mit 87,60 Metern und Platz zwei war Hofmann mehr als zufrieden. An Röhlers goldene 89,47 Meter kam er diesmal nicht heran, Hofmann sagte aber: »Die Silbermedaille ist für mich Gold wert.«

Auch Röhler ist ein Vollprofi, er arbeitet sogar an der Entwicklung der Speere mit. Etwa 30 dieser 800 Gramm schweren Arbeitsgeräte hat er für Wettkampf und Training parat. Zwischen 1000 und 1400 Euro kostet so ein High-Tech-Teil.

Ob er manchmal mit seinem Speer spricht? Großes Gelächter im Raum, doch Röhler ist um eine Antwort nicht verlegen: »Ich habe ein sehr rationales Verhältnis zu meinem Speer. Wenn man weiß, was die kosten und wie oft die kaputtgehen, dann sollte man keine allzu enge Beziehung zu seinem Speer aufbauen.« Sein Kumpel Hofmann grinst und nickt: »Ich streichle meinen auch nicht.«

Olympiasieger und Europameister Röhler, Weltmeister Johannes Vetter, der EM-Zweite Hofmann: Außerhalb des Wettkampfes sind sie Freunde, im Stadion Konkurrenten. »So kann man das sicher am besten beschreiben«, sagt Hofmann und guckt zu Hobbyangler Röhler rüber. »Zusammen angeln waren wir noch nicht«, erzählt Hofmann, »aber man unterhält sich über Gott und die Welt.« Röhler studiert in Jena Wirtschaft und Sport, Hofmann Sportwissenschaften: »Wir haben nicht nur Speerwurf im Kopf.«

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