18. Oktober 2017, 21:12 Uhr

Sorgen vor kniffligen Aufgaben

18. Oktober 2017, 21:12 Uhr
Kölns Trainer Peter Stöger bereitet seine Mannschaft auf das Spiel bei Bate Borissow vor, hat aber auch schon das kommende Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen im Blick. (Foto: dpa)

An einen unbeschwerten internationalen Abend ist für die deutschen Europa-League-Starter nicht zu denken. Hoffenheim steht nach zwei Niederlagen schon unter Siegzwang, Herthas Reise in die Ukraine wird von der Kritik an der vielbeachteten Kniefall-Geste gestört – und Köln wäre am liebsten gar nicht nach Minsk geflogen. Die Vorzeichen für den dritten Spieltag könnten deutlich besser sein, zumal sich das Trio am Wochenende in der Fußball-Bundesliga alles andere als ideal eingestimmt hat auf die Europa-Aufgaben.

1899 Hoffenheim spielt gegen Istanbul Basaksehir am Donnerstag (21.05 Uhr/Sky und Sport1) womöglich schon gegen das vorzeitige Aus in der Gruppenphase. Nach zwei Niederlagen wurde Sportchef Alexander Rosen deutlich: »Wenn wir die Vorrunde überstehen wollen, dann müssten wir jetzt anfangen zu punkten, im besten Fall zu siegen.« Coach Julian Nagelsmann hofft, aufgrund der Situation der Türken – die erst einen Punkt geholt haben – nicht gegen ein Defensivbollwerk spielen zu müssen. »Auch Istanbul muss gewinnen, von daher hoffe ich, dass sie ein bisschen mitspielen«, sagte er.

Club von Erdogan protegiert

Auch wenn Basaksehir weniger Renommee hat als Galatasaray, Besiktas oder Fenerbahce, so gehen die Kraichgauer doch gewarnt in die Partie gegen den von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan protegierten Club. »Das ist eine sehr gute Mannschaft mit vielen Altstars, die extrem viel Erfahrung haben und abgezockte Typen sind«, sagte Nagelsmann zur Truppe um Profis wie Emmanuel Adebayor, Gael Clichy, Eljero Elia oder Kapitän Emre Belözoglu. Von dem 37-Jährigen, einer »absolute Legende in der Türkei«, will 1899-Spielmacher Kerem Demirbay das Trikot.

An Souvenirs denkt man bei Hertha BSC nicht – die Hauptstädter haben sich mit Gedanken abseits des Spiels schon genug Trubel eingehandelt. Der international beachtete Kniefall-Protest vor dem Liga-Spiel gegen Schalke war auch vor dem Flug zu Sorja Luhansk nach Lwiw ein Thema. In sozialen Netzwerken und Kommentaren war die Aktion als PR-Gag und Effekthascherei kritisiert worden. »Die Leute, die das sagen, haben nicht so viel Ahnung von dem Thema«, entgegnete Neuzugang Valentino Lazaro. Stürmer Salomon Kalou sagte: »Für mich ist es wie Terrorismus. Entweder bist du dagegen oder dafür. Wenn du nichts dagegen tust, kritisiere nicht die Menschen, die etwas unternehmen.«

Bremen-Spiel für Köln wichtiger

Sportlich ist das Duell mit dem Tabellensiebten der ukrainischen Premier Liga am Donnerstag (19.00 Uhr/Sky) richtungsweisend. »Es gibt keine Gefahr, sie zu unterschätzen«, sagte Lazaro. »Der Name eines Teams sagt nichts aus. Es ist ein sehr, sehr ernstzunehmender Gegner.« Mit nur einem Punkt aus zwei Partien droht Hertha das Aus.

Die Europapokal-Sorgen sind für den 1. FC Köln indes zweitrangig, für die Domstädter hat der Abstiegskampf in der Bundesliga Priorität. »Zum ersten Mal würde ich sagen, dass ein Spiel ungelegen kommt«, meinte Kapitän Matthias Lehmann zur Auswärtsaufgabe bei Bate Borissow (19.00 Uhr/Sky). »Denn die Partie am Sonntag gegen Bremen ist doch deutlich wichtiger.« Nach der Rückkehr aus Weißrussland wollen die Kölner als Liga-Schlusslicht gegen den Vorletzten Werder siegen.

Trainer Peter Stöger bemüht sich um eine gute Stimmung nach dem schlechtesten Start, den je ein Team in der Bundesliga-Historie produzierte. »Das wird keine Trauerreise«, sagte er. »Da habe ich keinen Bock drauf.« Der Österreicher kämpft gegen die negativen Strömungen. »In Zeiten wie diesen ist es ziemlich einfach, alles schlechtzureden. Dann mag man in der Frühe nicht aufstehen, dann mag man nicht zum Training fahren, dann mag man nicht reisen und schon gar nicht spielen vor lauter Angst, man könnte ein Spiel verlieren.« Auch wenn Köln nach zwei Gruppenspielen noch ohne Punkt ist, freue er sich auf die Borissow-Aufgabe. »Und daran wird sich nichts ändern.«

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