04. August 2019, 21:18 Uhr

Fußball

Sane muss früh verletzt vom Platz

Paris Saint-Germain gewinnt den französischen Supercup auf chinesischem Boden gegen Stade Rennes. Kevin Trapp gewinnt einen weiteren Titel, steht aber nicht zwischen den Pfosten. Denn er soll zurückkehren an den Main nach Frankfurt.
04. August 2019, 21:18 Uhr
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Von DPA
Manchesters Leroy Sane muss verletzt den Platz beim Community Shield verlassen, Liverpools Trainer Jürgen Klopp wünscht dem deutschen Nationalspieler gute Besserung. (Foto: dpa)

Eine Knieverletzung von Nationalspieler Leroy Sane hat den sechsten Triumph von Manchester City im englischen Community Shield überschattet. Beim 5:3 (1:1, 1:0)-Erfolg im Elfmeterschießen gegen Champions-League-Sieger FC Liverpool musste der heftig vom deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München umworbene Flügelspieler bereits in der 13. Minute verletzt ausgewechselt werden. Eine genaue Diagnose steht noch aus, vor dem Elfmeterschießen befand sich Sane allerdings bereits wieder bei der Mannschaft.

Der deutsche Teammanager Jürgen Klopp verpasste mit den Reds erneut seinen ersten nationalen Titel auf der Insel, insgesamt wartet der LFC bereits seit sieben Jahren auf eine nationale Trophäe. Sein Gegenüber Pep Guardiola sicherte sich im ausverkauften Wembley-Stadion mit Manchester zum zweiten Mal in Folge den ersten möglichen Titel der Saison und setzte eine Woche vor dem Ligastart ein erstes Ausrufezeichen. Im Pendant zum deutschen Supercup trifft normalerweise der Meister auf den Ligapokalsieger, aufgrund des Doubles der Skyblues rückte Liverpool allerdings als Vizemeister nach.

Holger Badstuber war frustriert und wütend. »Wir haben es verschenkt, haben den Gegner eingeladen. Das ist nervig. So geht es nicht«, schimpfte der Ex-Nationalspieler des VfB Stuttgart. Beim 2:2 (0:0) in Heidenheim verspielte der Topfavorit einen sicher geglaubten Sieg und damit den möglichen Sprung an die Tabellenspitze der 2. Fußball-Bundesliga - die eroberte überraschend der Karlsruher SC.

Selbst eine 2:0-Führung durch den Doppelschlag von Neuzugang Hamadi Al Ghaddioui (52.) und Badstuber (57.) gab keine Sicherheit. Die Gegentreffer von Robert Leipertz (78.) und VfB-Kapitän Marc Oliver Kempf per Eigentor (84.) rissen die Schwaben aus allen Träumen vom zweiten Erfolg im zweiten Spiel nach dem 2:1 gegen Mitaufsteiger Hannover 96. »Ich glaube, ich habe wieder zwei Gesichter meiner Mannschaft gesehen. Die Tore, die wir kassieren, dürfen so nicht passieren«, bilanzierte VfB-Trainer Tim Walter.

Bei Stuttgarts Mitabsteiger aus Niedersachsen ist die Ernüchterung aktuell sogar noch größer. Vor heimischer Kulisse kam das Team von Trainer Mirko Slomka nach einem Patzer von Torwart Ron-Robert Zieler nicht über ein 1:1 (0:0) gegen Jahn Regensburg hinaus und muss deshalb weiter auf den ersten Sieg in der neuen Spielklasse warten. »Wir hatten sehr viel Dominanz. Die Mannschaft hat alles gegeben, aber ein Punkt zu Hause ist zu wenig«, klagte Slomka.

Auch der FC St. Pauli bleibt hinter den Erwartungen. Der Kiezclub ist wie Hannover bislang ohne Sieg und ließ am Freitag beim 1:3 (1:2) daheim gegen Greuther Fürth Effektivität vermissen. Dagegen ist dem Karlsruher SC ein perfekter Start geglückt. Wie schon beim 2:1 zum Liga-Auftakt in Wehen überzeugte der Aufsteiger beim 4:2 (1:1) gegen Dynamo Dresden vor allem in kämpferischer Hinsicht. »Zwei Siege sind überragend, wir haben den Schwung von letzter Woche mitgenommen«, sagte Angreifer Philipp Hofman.

Direkt hinter dem Überraschungs-Spitzenreiter folgt nahezu ebenso überraschend Erzgebirge Aue, das beim 3:2 (2:1) gegen Wehen ebenfalls den zweiten Sieg feierte. Der dritte Absteiger 1. FC Nürnberg müsste den einstigen Bundesliga-Dino Hamburger SV im Schlagerspiel am Montag (20.30 Uhr/Sky) schon mit drei Toren Unterschied besiegen, um den KSC und Aue zum Abschluss des Spieltags noch zu überholen.

Dem SV Darmstadt 98 ist der Saisonstart geglückt. Die Hessen kamen zu einem ungefährdeten 2:0 (1:0) über Holstein Kiel und schoben sich mit vier Punkten auf Rang fünf der Tabelle. Vor 13 065 Zuschauern am Böllenfallor trafen Tim Skarke (11. Minute) und Serdar Dursun (64./Foulelfmeter) für die Gastgeber. Allerdings müssen die Lilien mehrere Wochen auf Stammtorwart Marcel Schuhen verzichten. Der 26-Jährige, der im Sommer als neue Nummer 1 vom Ligarivalen SV Sandhausen verpflichtet worden war, brach sich am Freitag im Training den Arm. Dies teilten die Hessen am Sonntag kurz vor dem Heimspiel gegen Kiel, in dem Florian Stritzel das Tor hütete, mit.

Die Wucht seiner Worte holt Clemens Tönnies immer wieder ein. Gesagt ist gesagt, das ist dem Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden seit seiner rassistischen Entgleisung am Donnerstag unweigerlich bewusst geworden. Das Internet brodelt unaufhörlich, zahlreiche S04-Anhänger fordern den Rücktritt des Klubchefs.

»So etwas rutscht einem bei einer offiziellen Rede nicht einfach heraus, da steckt eine hochproblematische Einstellung dahinter«, sagte Sylvia Schenk von Transparency International der »Welt am Sonntag«. Aus Sicht der 67 Jahre alten Juristin sei »tätige Reue mit deutlichen Signalen in Richtung Afrikanern nötig, um wirklich einen Geisteswandel unter Beweis zu stellen.«

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, fordert von Tönnies Taten statt weiterer Worte. »Dass so etwas von jemandem artikuliert wird, der eine herausgehobene Position im Sport innehat, macht die Sache umso schlimmer.« Die Klarstellung »durch Herrn Tönnies kann den gesellschaftspolitischen Schaden sicher nicht wettmachen«, betonte die SPD-Politikerin. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) warf im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe Tönnies »dumpfen Rassismus« vor.

Fleischfabrikant Tönnies hatte am Donnerstag bei der Festveranstaltung zum »Tag des Handwerks« in Paderborn eine Rede zum Thema »Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung« gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte laut der Zeitung »Neue Westfälische«: »Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.«

»Ich bin über mich selbst bestürzt, dass mir so etwas passieren konnte. Da hilft kein drumherum reden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht«, sagte Tönnies am Samstag der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung«.

Und er hat schon wieder einen Titel gewonnen, den 15. seiner Profikarriere, einen großen Silberpokal diesmal, aus dem sich eine Menge Flüssiges schlürfen ließe, wenn man es denn darauf anlegen würde. Machte er natürlich nicht, da ist er ein asketischer Sportler durch und durch. Stattdessen grinste er lieber vergnügt in die diversen blitzenden Kameras, die Haare dabei perfekt nach oben frisiert, das Zahnpastalächeln stets aufgesetzt, so wie das ein echter Profi nun mal macht.

Am Samstag hat Kevin Trapp mit Paris Saint-Germain gegen Stade Rennes den französischen Supercup gewonnen - mit 2:1 setzte sich der Meister gegen den Pokalsieger des Landes beim ziemlich unbedeutenden Marketingkick auf chinesischem Boden in Shenzhen durch. Nach einem Pausenrückstand erzielte der große Superstar Kylian Mbappé den Ausgleich für PSG, der etwas kleinere Superstar Angel Di Maria anschließend per direktem Freistoß den Siegtreffer. Und Trapp durfte dem Ensemble von Trainer Thomas Tuchel von der Bank aus zuschauen.

Der deutsche Nationaltorhüter, der sich in der bisherigen Vorbereitung noch regelmäßig mit dem französischen Nationalkeeper Alphonse Areola zwischen den Pfosten abgewechselt hatte, blieb beim ersten Pflichtspiel der Saison wenig überraschend außen vor - wie bei so vielen anderen seiner restlichen Titel in der französischen Meisterschaft, dem Pokal, dem Ligapokal, dem Supercup oder auch beim Confed-Cup-Erfolg 2017 mit der deutschen Nationalmannschaft.

Nun sei klargestellt, dass die beachtliche Trophäensammlung des 29-Jährigen keinesfalls herabgewürdigt werden soll, viele, viele Profikicker und wohl noch mehr Amateure würden liebend gerne mit Trapp tauschen. So richtig zufriedenstellen kann die Rolle als Ersatzmann dem Ehrgeizling aber auch nicht. Schließlich hatte Trapp in der vergangenen Saison eindrucksvoll erlebt, dass der Fußball vor allem dann einen Heidenspaß macht, wenn man ihn auf dem Rasen selbst beeinflusst. Wenn man nicht nur in einem Testspiel gegen Dynamo Dresden, wie vor zwei Wochen im PSG-Dress geschehen, sondern plötzlich in einem Europa-League-Halbfinale gegen den FC Chelsea die Bälle pariert.

Bei Eintracht Frankfurt war der gebürtige Saarländer in der Vorsaison absolute Stammkraft, dazu eine echte Führungsfigur auf und abseits des Platzes. Obwohl er die Kapitänsbinde bei den Hessen offiziell nicht trug, war er dennoch der inoffizielle Chef der aufstrebenden Mannschaft aus dem Hessenland. Alsbald nach der Saison, für die die Frankfurter Trapp von PSG ja nur ausgeliehen hatten, bekundeten beide Seiten ihre grundsätzliche Bereitschaft, künftig wieder gerne zusammenzuarbeiten.

»Beide Vereine wissen, was ich will und was meine Ziele sind und das sollten wir intern lassen«, sagte Trapp Mitte Juli, wohlwissend, dass er noch bis kommenden Sommer einen Vertrag in Paris besitzt. Also kehrte er nach einem erholsamen Urlaub in Griechenland pflichtgemäß und voll motiviert nach Paris zurück, brachte sich in Form, bekam aber wieder nur einen Bankplatz zugewiesen. Vorerst zumindest.

Denn wahrscheinlich ist, dass Trapp bald zur Eintracht zurückkehren wird, wie schon die anderen Leihspieler Sebastian Rode und Martin Hinteregger. Seit Wochen arbeiten die Frankfurter Verantwortlichen, allen voran natürlich Sportvorstand Fredi Bobic, an einer Verpflichtung des Torhüters. Als zwischenzeitlich Gerüchte um ein Interesse vom FC Porto an Trapp aufkamen, nahmen sie das am Main relativ gelassen hin. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt die einigermaßen feste Zusage des Schlussmannes - so fest eine Zusage im turbulenten Profigeschäft eben sein kann - vorliegen, dass er sich, wenn er in Paris keine Chance mehr auf einen Stammplatz sehe und der Klub von der Seine auf ihn verzichten könne, gerne wieder der Eintracht anschließen würde. Da soll selbst ein Champions-League-Teilnehmer wie Porto für Trapp keine echte Alternative gewesen sein.

Nun ist der Deal zwischen PSG und der Eintracht noch immer nicht perfekt, da PSG erst einmal selbst einen Nachfolger für Trapp dingfest machen würde, er nähert sich aber in großen Schritten an. »Ich hoffe, dass es bald vorbei und er dann zurück ist«, sagte Bobic vor einigen Tagen. Gestern ist der französischer Serienmeister aus China zurückgekehrt, bald soll es zur abschließenden Verhandlung kommen. Der Keeper würde bei einem erfolgreichen Verlauf einen langfristigen Vertrag in Frankfurt unterzeichnen, die Ablöse soll bei rund zehn Millionen Euro liegen. Wenngleich Trapp bei einer Rückkehr nach Frankfurt wohl auf den einen oder anderen Titel für seine Sammlung verzichten müsste, er könnte wenigstens selbst darum kämpfen - auf dem Rasen, zwischen den Pfosten.



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