22. Juli 2018, 22:12 Uhr

Ruhe vor dem Sturm

22. Juli 2018, 22:12 Uhr
Geraint Thomas im Gelben Trikot und sein Team Sky haben trotz Ausreißergruppen am Wochenende alles in der Hand. (Foto: dpa)

Mit einem Doppelsieg durch den langjährigen Skandal-Rennstall Astana und einem souveränen Auftritt des Teams Sky mit dem Gesamtführenden Geraint Thomas geht die Tour de France in ihren zweiten Ruhetag vor dem Showdown in den Pyrenäen. Die dominierende Equipe der Briten um Thomas und Titelverteidiger Chris Froome wehrte auf den zwei kniffligen Teilstücken am Wochenende die wenigen Attacken ab und gönnte Ausreißergruppen die Tagessiege.

Dabei durfte das kasachische Astana-Team, einst bekannt für etliche Dopingvergehen, den Erfolg des dänischen Tour-Debütanten Magnus Cort Nielsen bejubeln, einen Tag nach dem Sieg durch Omar Fraile aus Spanien. Die Deutschen Simon Geschke und Nikias Arndt versuchten es jeweils in Spitzengruppen, waren im Finish aber nicht stark genug. Nach dem sechsten Rang von Geschke wurde Arndt tags darauf Neunter.

Die Spitzenfahrer rollten auf der 15. Etappe am Sonntag nach 181,5 Kilometern von Millau nach Carcassonne gemeinsam ins Ziel. Für die verbliebenen Anwärter auf das begehrte Maillot Jaune in Paris geht es nach einem Ruhetag in den Pyrenäen um alles. Drei schwere Bergetappen und ein Zeitfahren am Samstag stehen an, bei denen Thomas seinen aktuellen Vorsprung von 1:39 Minuten auf Froome und 1:50 Minuten auf den Niederländer Tom Dumoulin verteidigen will.

Am rennfreien Montag steht für die Teams noch einmal Erholung an. »Ich erwarte einen großen Kampf in den Pyrenäen«, sagte Thomas und betonte: »Jeder Tag wird eine Herausforderung.«

Spannend wird, wie sich Sky in der Kapitänsfrage positioniert. Ist der nominelle Edelhelfer Thomas inzwischen der erste Anwärter auf den Tour-Coup? Der 32-Jährige zeigte bislang in den Bergen keine Schwäche und ist auch im Kampf gegen die Uhr stark. Er gewann etwa im Vorjahr das Auftakt-Zeitfahren der Tour in Düsseldorf. Oder bleibt Froome Plan A der Briten? Im Gegensatz zu Thomas weiß der viermalige Tour-Champion, wie man sich Gelb in einer dritten Woche sichert.

»Sky hat jetzt den Luxus, zwischen beiden zu wählen«, sagte Rolf Aldag, Sportlicher Leiter von Dimension Data. Arndt vermutet: »Die Positionen auf dem Podium von heute werden bis Paris bestehen.«

Sky vor Luxusproblem

Wie schon am Samstag bestimmte auch am Sonntag eine Ausreißergruppe das Renngeschehen. Zu den 29 Fahrern, die sich früh vom Hauptfeld absetzten und schnell einen entscheidenden Vorsprung herausfuhren, gehörte auch der Buchholzer Arndt vom Sunweb-Team. »Ich wollte Revanche für 2017, als ich nur Zweiter wurde«, erzählte er. »Aber der letzte Berg mit 12,6 Kilometern Länge war ein bisschen hart.« Cort Nielsen gewann aus einer Dreiergruppe den Sprint um den Sieg gegen Jon Izaguirre aus Spanien und den Niederländer Bauke Mollema.

Aus dem Feld der Mitfavoriten wagte Daniel Martin als Zehnter der Gesamtwertung einen Verzweiflungsangriff am Anstieg zum Pic de Nore und kämpfte sich zwischenzeitlich knapp eine Minute Vorsprung heraus. Aber der Ire hatte in der Abfahrt gegen das Peloton keine Chance. »Das hat nicht viel Sinn gemacht«, sagte Spitzenreiter Thomas dazu. Am Vortag hatte sich der Spanier Fraile aus einer größeren Ausreißergruppe heraus den Tagessieg geholt. Er setzte auf dem kurzen, aber schweren kurzen Anstieg hinauf zum Flugplatz von Mende die entscheidende Attacke und holte seinen ersten Tour-Etappensieg.

Simon Geschke war Teil des Gruppe, konnte auf der drei Kilometer langen und mehr als zehn Prozent steilen Rampe den Angriff aber nicht mitgehen. Als Sechster verpasste der Berliner den zweiten Tour-Erfolg nach 2015. »Der Traum war heute in greifbarer Nähe, aber leider waren ein paar Leute stärker als ich«, sagte der 32-Jährige, der sich einen Tag danach in den Dienst von Sunweb-Kapitän Dumoulin stellte.

»Wir haben einen Plan für die ersten Pyrenäen-Etappe«, kündigte Thomas im Ausblick auf Dienstag an. »Wir müssen als Team gewinnen. Wenn Dumoulin in Paris vorne wäre, würde das bescheuert aussehen.« Die Frage, wer der wirkliche Chef im Sky-Team ist, wird immer spannender. »Wir warten ab, wie sich das Rennen entwickelt. Wir treffen die Entscheidungen dann, wenn wir müssen«, sagte Servais Knaven, Ex-Profi und Sportlicher Leiter im britischen Superteam.

Thomas beeilt sich nach jeder Etappe zu sagen: »Froome ist unser Leader.« Aber der Seriensieger muss jetzt wohl auf eine Schwäche seines Teamkollegen hoffen, um den fünften Toursieg nach 2013, 2015, 2016 und 2017 zu realisieren. Froome sagte bisher zur Hierarchie in seinem in Frankreich ungeliebten und oft ausgebuhten Teams nichts. Auch am Samstag gab es gegen den Briten und Sky beim Anstieg zum Flugplatz in Mende gellende Pfiffe und abfällige Gesten vom Straßenrand. (dpa)

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