23. März 2017, 22:28 Uhr

Nach Spaß kommt Ernst

Die Podolski-Ära in der Nationalmannschaft ist Fußball-Geschichte. Bundestrainer Löw stellt sich längst den neuen Aufgaben. Die nächste steht in Aserbaidschan an. In Baku soll die perfekte WM- Qualifikation fortgesetzt werden. Einen Spannungs- abfall darf es nicht geben.
23. März 2017, 22:28 Uhr
»Ich bin absolut überzeugt, dass wir am Sonntag unsere Siegesserie fortsetzen«, sagt Bundestrainer Joachim Löw vor dem WM-Qualifikationsspiel in Baku. (Foto: dpa)

Mitten in der kitschig-schönen Abschiedsparty für Lukas Podolski richtete Joachim Löw den Blick auf die nun anstehende Prüfung ohne seinen Fußball-Lieblingsschüler. »Ich bin absolut überzeugt, dass wir am Sonntag unsere Siegesserie fortsetzen und unsere weiße Weste behalten. Das ist unser Ziel, und das gehen wir die nächsten zwei, drei Tage an«, versprach der Bundestrainer vor dem Fünf-Stunden-Flug an diesem Freitag ans Kaspische Meer. In Aserbaidschan beginnt am Sonntag (18 Uhr/MESZ/RTL) in der deutschen Nationalmannschaft endgültig die Zeitrechnung ohne DFB-Darling Podolski. Der Ur-Kölner verabschiedete sich nach seinem von fast zehn Millionen TV-Zuschauern verfolgten Märchenabschluss mit Knaller-Siegtor zum 1:0 gegen England vergnügt als Ex-Nationalspieler mit der Familie in seine geliebte Heimat.

Podolski selbst war es, der noch glückselig in Dortmund das Signal zum Aufbruch gab. »Man muss es dann mal gut sein lassen. Die bereiten sich jetzt auf das Spiel in Aserbaidschan vor. Es geht auch weiter«, sagte er nach dem emotionalen Schlusspunkt unter 13 »geile Jahre« mit der Nationalmannschaft. Für mehr Nostalgie oder gar Wehmut hatte Löw gar keine Zeit. Nach dem Traumstart mit vier Siegen in vier Spielen und 16:0 Toren ist Aserbaidschan nämlich ein stärkerer Gegner als einst angenommen.

»Das Spiel ist kein Selbstläufer. Aserbaidschan hat in der Qualifikation so gut gespielt, wie in keiner zuvor«, warnte Löw vor dem Überraschungsdritten der vom DFB-Team souverän angeführten Gruppe C. Erstmals seit der Ausscheidungsrunde für Mexiko 1986 unter Franz Beckenbauer kann die DFB-Elf wieder mit fünf Siegen in eine WM-Qualifikation starten. Ohne Gegentor gelang dies noch nie.

»Es ist eine lange Anreise, ein Zeitunterschied, das sind widrige Bedingungen, aber das darf für uns keine Rolle spielen«, sagte Löw. So schnell wie möglich will der 57-Jährige das Ticket für Russland in der Tasche haben – das ist das erklärte Jahresziel.

Gute Nachrichten hatte der Bundestrainer parat: Die Personallage entspannt sich merklich, trotz des Muskelfaserrisses von Debütant Timo Werner. Mesut Özil (Oberschenkel) und Mario Gomez (Adduktoren) wurden am Tag vor der Abreise gen Osten im Training in der Sportschule Kaiserau in Kamen zurückerwartet. Für Julian Draxler (Oberschenkel) und Sami Khedira (Knöchel) soll es ebenfalls bis Sonntag zur vollen Fitness reichen.

Erfahrene Akteure wurden gegen die taktisch erstaunlich flexiblen Engländer vermisst. »Alle haben sich wacker geschlagen. Jeder hat seine Qualitäten gezeigt«, lobte Teammanager Oliver Bierhoff dennoch die Generation für die Nach-Podolski-Zeitrechnung. Auch Debütant Werner wurde nach einer engagierten, aber glücklosen Premiere als Zukunftsoption gepriesen. »Ich glaube, dass wir noch viel Freude an ihm haben werden. Er ist ein sehr guter Stürmer und nach dem ersten Eindruck ein guter Typ«, sagte Bayern-Verteidiger Mats Hummels über den ersten deutschen Nationalspieler von RB Leipzig.

Der 21 Jahre alte Stürmer zog sich allerdings einen Muskelfaserriss zu und kann nicht mit nach Baku fliegen. »Es war ein tolles erstes Spiel und hat mir großen Spaß gemacht«, sagte er dennoch. »Hoffentlich darf ich noch oft wiederkommen«, sagte er vor der Heimfahrt nach Leipzig. »Timo Werner ist wahnsinnig viel gelaufen. Man merkt, dass er in der Defensive schon gut geschult ist, im Anlaufen. Er hat lange Wege gemacht«, lobte Löw seinen 87. DFB-Debütanten.

Der Härtetest gegen England gefiel dem Bundestrainer. Und das nicht nur wegen des ersten Heimsieges gegen die Three Lions seit 30 Jahren und der DFB-Rekordmarke von 648 Minuten ohne Gegentor. »Manche Gegner haben uns nicht alles abverlangt im letzten halben Jahr. Von daher sind solche Gegner eine gute Herausforderung für uns, Richtung Turnier, Richtung K.-o.-Spiele. Es war eine gute Schule, und wir können einige Schlüsse daraus ziehen«, beschrieb Löw den von ihm erhofften Reifeprozess Richtung WM 2018. »Es gibt viele Erkenntnisse, die man gewinnen konnte.«

Aserbaidschan ist nicht England. Dennoch glaubt Löw nicht an einen möglicherweise fatalen Spannungsabfall. »Nein, das wird uns nicht schwerfallen. Wir werden uns konzentriert vorbereiten«, kündigte er an. Taktgeber Toni Kroos machte dennoch schon mal klar, dass das einst von Berti Vogts trainierte Team vom Kaukasus eine Entwicklung unter dem aktuellen Trainer Robert Prosinecki genommen hat: »Ich glaube nicht, dass Aserbaidschan die Kategorie San Marino, Liechtenstein ist. Ich denke, dass sie stärker sind.«

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