28. April 2017, 22:35 Uhr

Mit breiter Brust in den Alltag

Die Laune ist gut bei den Spielern und bei Trainer Niko Kovac. Eintracht Frankfurt geht nach dem Einzug ins Pokal-Finale optimistisch in die Sonntag-Partie beim Champions- League-Kandidaten 1899 Hoffenheim. Auch wenn die Personalsorgen noch größer geworden sind.
28. April 2017, 22:35 Uhr
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Von DPA
Nach dem Pokal-Coup in Mönchengladbach freut sich Eintracht-Profi Taleb Tawatha (hier nach seinem Treffer im Halbfinale zum 1:0) auf die Bundesliga-Aufgabe bei 1899 Hoffenheim. (Foto: dpa)

Der Pokal-Coup soll Eintracht Frankfurt für den Endspurt in der Fußball-Bundesliga Auftrieb geben. »Die Saison ist für uns bis jetzt gut gewesen. Jetzt wollen wir sie noch besser machen«, sagte Cheftrainer Niko Kovac am Freitag, drei Tage nach dem Einzug in das Finale des DFB-Pokals und zwei Tage vor der Liga-Partie am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) bei 1899 Hoffenheim.

Die große Frage ist jedoch, ob die Eintracht-Profis nach dem großen Pokal-Auftritt sich voll und ganz auf den Punktspiel-Alltag einstellen können. »Wir werden insistieren, dass der Fokus klar auf die Bundesliga gerichtet wird«, sagte Kovac. »Es gibt kein gutes Pokal-Endspiel, wenn die nächsten Bundesliga-Spiele nicht gut laufen. Für das Finale brauchen wir positive Erlebnisse.«

Allerdings gab auch der gebürtige Berliner zu, das Finale am 27. Mai in der Bundeshauptstadt gegen Borussia Dortmund nicht ausblenden zu können: »Das man das im Kopf hat, ist ganz normal. Ich müsste lügen, wenn ich sage, ich denke überhaupt nicht an Berlin.«

Immerhin hat die finanziell nur zum Liga-Mittelmaß gehörende Eintracht noch die Chance, in die Europa League zu kommen. Durch einen Pokal-Sieg oder durch weitere Erfolge in der Bundesliga: Der Tabellensechste SC Freiburg ist nur drei Zähler entfernt. Bei einer Pokal-Niederlage gegen den BVB würde Rang sieben für Europa reichen. »Eine Marschroute will ich nicht ausgeben. Wir können in der Bundesliga aber noch vieles bewirken«, meinte Kovac. »Wir wollen den Lauf, den wir haben, nutzen.« Abgesehen vom schwierigen Umschalten nach einem Fußballfest zum Bundesliga-Alltag hat der Eintracht-Coach noch ganz andere Sorgen. Vor dem Spiel beim Champions-League-Anwärter Hoffenheim hat die Zahl der Verletzten fast Mannschaftsstärke erreicht. Kovac: »Wir müssen improvisieren und etwas Fantasie zeigen, wie in den letzten Wochen.«

Marius Wolf, der sich am Pokal-Halbfinale die Schulter ausgekugelt hat, ist am Freitag operiert worden. »Man hätte es bis zum Ende der Saison versuchen können, aber bei jeder kleinen Bewegung hätte es passieren können, dass das Schultergelenk wieder verletzt wird«, erklärte Kovac. Ausfallen wird auch Mijat Gacinovic, der sich eine Oberschenkelverletzung zuzog.

Zudem konnte Andersson Ordonez am Freitag aufgrund von Wadenproblemen nicht mittrainieren. Wegen Magenbeschwerden musste sich zudem Stürmer Branimir Hrgota einer Untersuchung beim Internisten unterziehen. Außerdem wird bei Omar Mascarell eine Kernspintomografie vorgenommen, um die lädierte Achillessehne auf einen möglichen Riss hin zu untersuchen. »Die Sehne ist auf jeden Fall entzündet. Wir wollen das Beste hoffen«, so Kovac.

Der Trainer hofft, dass die Pokal-Überraschung und der Sieg gegen den FC Augsburg helfen, um nicht wieder einzubrechen. »Der Kopf ist freier und dann gelingt einem im Leben vieles einfacher«, weiß Kovac.

Überhaupt habe er die ganze Saison das Gefühl gehabt, nie in Abstiegsgefahr gewesen zu sein. »Das Wort Abstiegskampf habe ich nicht in den Mund genommen«, sagte er. »Ich kann behaupten, mit dem Klassenerhalt hatten wir die ganze Saison nichts zu tun. Für Eintracht-Verhältnisse ist es eine ruhige und gute Saison.« Und es könnte mit der Aussicht auf einen Pokal-Triumph noch eine der besten Spielzeiten werden. »Wir gehen nicht als Favorit ins Endspiel und wären es auch gegen die Bayern nicht gewesen«, antwortete Kovac auf die Frage, ob ihm der BVB als Gegner in Berlin lieber als die Bayern sei. »Egal, wer uns gegenübersteht: Es wird ein enges Spiel werden.«

Den Sieg am 27. Mai hätte seine Eintracht aber ohnehin verdient, meint Kovac: »Denn wir haben eigentlich sechs Spiele gespielt, weil wir bisher die meisten Minuten gespielt haben.« Inklusive des 7:6 gegen Gladbach mussten die Frankfurter dreimal ins Elfmeterschießen.

Unterdessen ist Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann voll des Lobes über die Eintracht: »Frankfurt gehört zu den fünf Teams in der Bundesliga, die ich gerne anschaue. Sie haben viele gute, interessante Zockertypen auf dem Feld, aus ganz vielen verschiedenen Nationen.« Fraglich ist vor dem Duell noch der Einsatz von Stürmer Andrej Kramaric, der mit Schulterproblemen kämpft.



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