05. August 2018, 22:28 Uhr

Kunstturnen

Medaillensause in Glasgow Weltmeisterin Schäfer stürzt vom Balken

05. August 2018, 22:28 Uhr
Florian Wellbrock jubelt über seinen EM-Sieg über 1500 m Freistil. (Foto: dpa)

Die deutsche Medaillenflut hat sich bei den European Championships in Glasgow am Wochenende fortgesetzt. Bahnrad-Champion Domenic Weinstein riss den Daumen nach oben, als er im Ziel der 4000-Meter-Einzelverfolgung vom britischen Publikum gefeiert wurde. Florian Wellbrock holte über 1500 Meter Freistil den zweiten EM-Titel der Schwimmer, und der Deutschland-Achter war von keinem Team zu schlagen.

»Es tat hinten raus einfach nur höllisch weh«, gestand Wellbrock, der erste deutsche Einzel-Europameister im Beckenschwimmen seit 2014. Im Becken hatte er nach seinen 14:36,15 Minuten euphorisch gejubelt, war auf die Leine geklettert und hatte seine Muskeln präsentiert. Es war die viertbeste je geschwommene Zeit auf dieser Strecke. Tags zuvor hatte die deutsche Mixed-Staffel überraschend Gold geholt.

Nach einer bis dahin enttäuschenden Vorstellung der Ruderer sorgte der Deutschland-Achter um Schlagmann Hannes Ocik am Sonntag mit dem deutlichen Sieg vor den Niederlanden für einen umjubelten Schlussakkord. »Wir waren echt am Limit, aber das Resultat am Ende war gut«, sagte der Schweriner Ocik. Der Achter ist nach dem sechsten EM-Triumph in Serie auch Favorit bei der WM vom 9. bis 16. September im bulgarischen Plowdiw. Ansonsten ging die deutsche Flotte in den weiteren 13 olympischen Wettkampfklassen leer aus.

Zur deutschen Radsportlerin des Tages krönte sich Lisa Brennauer, die sich einen Tag nach dem EM-Titel in der 3000-Meter-Einerverfolgung auf der Bahn auch Bronze im Straßenrennen sicherte. Es war ihre dritte EM-Medaille, da sie auch im Verfolgungs-Vierer zu Bronze gefahren war.

Den Straßentitel holte im Sprint Marta Bastianelli aus Italien vor Titelverteidigerin Marianne Vos aus den Niederlanden. »Ich hätte nicht gedacht, dass wir noch mal rankommen«, sagte Brennauer ausgepumpt, aber glücklich im Ziel am Glasgow Green, dem ältesten Park der Stadt. »Ich bin jetzt aber mega happy. Das war heute vor allem eine tolle Mannschaftsleistung«, sagte die 30-Jährige, die von der Verfolgungsarbeit ihrer Teamkolleginnen im Finale profitierte. Dort kam es doch noch zum Massensprint.

Domenic Weinstein aus Villingen-Schwennigen holte nach mehreren vergeblichen Anläufen seine ersten internationalen Titel. »Ich war die Stunde vor dem Rennen sehr angespannt. Dieses Ergebnis ist ein Befreiungsschlag«, sagte Weinstein. Der 23-Jährige, 2016 schon Vize-Weltmeister und im Vorjahr EM-Dritter, bezwang in 4:13,363 Minuten im Finale den Portugiesen Ivo Oliveira. Im Vorlauf war Weinstein in 4:13,073 Minuten deutschen Rekord gefahren.

Die Medaillensause der Bahnradsportler hatte zuvor Anna Knauer mit Überraschungs-Silber im Ausscheidungsfahren fortgesetzt. Die Bayerin musste sich nur der vierfachen Olympiasiegerin Laura Kenny (vormals Trott) aus Großbritannien geschlagen geben. Zudem holte tags zuvor der Chemnitzer Joachim Eilers im 1000-Meter-Zeitfahren Silber. Damit haben die deutschen Radsportler in Glasgow schon achtmal Edelmetall (2/3/3) erkämpft.

Weltmeisterin Pauline Schäfer verpasste dagegen die erste EM-Medaille für deutsche Turnerinnen am Schwebebalken seit 31 Jahren. Die 21 Jahre alte Chemnitzerin stürzte am Sonntag bei dem von ihr kreierten Schäfer-Salto und wurde Sechste (mehr dazu siehe Extrabericht auf dieser Seite).

Pauline Schäfer lächelte gequält und schüttelte nur den Kopf. Ein von Vorturnerin Nina Derwael aufgesprühter Wasserfleck auf den Schwebebalken hat die Weltmeisterin um die Chance gebracht, die erste EM-Medaille für deutsche Turnerinnen an diesem Gerät seit 31 Jahren zu erkämpfen. Nur zehn Monate nach ihrem WM-Erfolg in Montreal stürzte die 21 Jahre alte Chemnitzerin am Sonntag bei den European Championships in Glasgow ausgerechnet bei dem von ihr kreierten Schäfer-Salto. Nur rund zehn Minuten später hatte sich die gebürtige Saarländerin schon wieder gefangen und konnte sogar ein wenig lächeln. »Auch Weltmeister dürfen Fehler machen«, meinte sie und wollte die Schuld nicht allein bei dem Wasserfleck auf dem nur zehn Zentimeter breiten Gerät suchen, obwohl ihr Schweißband dadurch glitschig geworden war.

Ihre Trainerin Gabi Frehse sah das schon ein wenig anders. »Ab kommendem Jahr ist es verboten, das Gerät einzusprühen. Und man darf auch nicht vergessen, sie ist im Moment die einzige Turnerin, die dieses schwierige Element anbietet«, räumte die Chemnitzerin ein.

Mit 12,40 Punkten reichte es für Schäfer somit nur zum sechsten Platz. Der Sieg ging an Olympiasiegerin Sanne Wewers aus den Niederlanden mit 13,90 Zählern. »Hätte, hätte – das bringt mich nicht weiter«, meinte Schäfer auf die Frage, ob sie mit einem perfekten Salto die Spitze hätte angreifen können. Eine Medaille wäre dann aber auf jeden Fall realisierbar gewesen – die erste für deutsche Turnerinnen seit EM-Bronze von Anja Wilhelm (Wolfsburg) 1987.

Dass sie im Gegensatz zur WM als Letzte an das Gerät musste, spielte für Pauline Schäfer keine gravierende Rolle. »Ich nehme es, wie es kommt. Und wenn ich das nächste Mal als Letzte auf den Balken muss, werde ich es eben besser machen«, gab sie sich kämpferisch.

Zuvor hatte die Stuttgarterin Kim Bui bei ihren achten Europameisterschaften im Finale am Stufenbarren als Vierte mit 14,20 Punkten ihre zweite EM-Medaille nach 2011 knapp verpasst. »Ich werde das jetzt verarbeiten, morgen geht die Sonne wieder auf«, tröstete sie sich, räumte aber ein: »Ein vierter Platz tut immer weh.«

Sarah Voss aus Köln, die mit drei Abstürzen in der Qualifikation mitverantwortlich für das Verpassen des Team-Finals der Riege war, konnte über Platz vier im Sprung-Wettbewerb (14,083) strahlen. »Ich bin super zufrieden, ich habe richtig einen rausgehauen«, meinte sie nach Rang acht im Vorkampf. Cheftrainerin Ulla Koch lobte trotz des medaillenlosen Auftritts den Kampfgeist ihrer Turnerinnen. »Nach so einem grauen Team-Vorkampf wieder so aufzutauchen, das nötigt Respekt ab«, meinte sie und lobte vor allen Sarah Voss für ihre sehr gelungenen Sprünge.

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