30. Juni 2017, 22:29 Uhr

Löws Zauberwerk in 24 Tagen

Joachim Löw verblüfft in seinem Vier-Wochen-Team mit Turnierkräften von morgen die Fußballwelt. Gegen Chile könnte beim Confed Cup am Sonntag die Krönung gelingen. Goretzka und Werner schießen sich in den Fokus. Manager Bierhoff frohlockt.
30. Juni 2017, 22:29 Uhr
Joachim Löw gibt die Richtung vor. (dpa)

Auf dem Kabinenfoto mit den jubelnden deutschen Confed-Cup-Spaßmachern fehlte nur noch der Siegerpokal. Die goldene Trophäe, die mehr wiegt als der WM-Pokal, wollen Jogis junge Wilde aber am Sonntag (20 Uhr/ZDF) nach dem großen Fußballfinale gegen den Turnierfavoriten Chile um Bayern-Kämpfer Arturo Vidal in Händen halten und am Morgen danach mit nach Deutschland bringen. »St. Petersburg war unser Ziel. Jetzt wollen wir auch den letzten Schritt gehen und dieses Finale gewinnen«, verkündete Doppeltorschütze Leon Goretzka nach dem zwar zu hohen, aber in seinem Gesamtwerk famosen 4:1 (2:0) im Halbfinale gegen Mexiko, das am Sonntag um 14 Uhr im Spiel um Platz 3 auf Portugal trifft.

Was in Russland passiert, wirkt wie ein Zauberwerk von Joachim Löw. In nur 24 Tagen zwischen dem Treffpunkt am Pfingstmontag und dem vorläufigen Höhepunkt gegen die Mexikaner formte der Bundestrainer aus einem kunterbunten Kader mit 13 Turnierneulingen, aber ohne alle prominenten Weltmeister, einen verschworenen Haufen. Dieser funktioniert und harmoniert in Russland erstaunlich gut und hat dazu die international gefürchtete deutsche Turniermentalität entwickelt.

»Die Spieler fighten füreinander. Sie sind ehrgeizig, sie sind hungrig, sie wollen zur Nationalmannschaft. Jeder hat sich gefreut auf diesen Confed Cup«, schilderte Löw am Donnerstagabend, als er im WM-Stadion von Sotschi mächtig stolz über seine WM-Probanden redete. Auch er, der Weltmeistercoach, ist ja nach jedem Auftritt aufs Neue erstaunt. »Wir haben uns in den dreieinhalb Wochen enorm entwickelt. Das Finale hat keiner voraussehen können«, lautete Löws Urteil. Mehr als elf Millionen Fans fieberten daheim vor den TV-Geräten mit.

Dem Bundestrainer gefiel auch, was er nach dem Einzug in das »große Finale« in der Kabine mit seinen liebgewonnenen Jungs erlebte. »Sie freuen sich, sind aber nicht überschwänglich. Sie wissen, es steht ein Finale an. Dieser Drang, das Spiel gegen Chile zu gewinnen, ist groß«, erklärte Löw. Er erwartet gegen Vidal und Co. nach dem 1:1 beim Gruppenspiel in Kasan einen weiteren »Abnutzungskampf«. Der Akku aller Akteure blinkt vor dem letzten Spiel vor dem Urlaub auf Reserve. Die deutsche Mannschaft hat einen Tag weniger Pause. Zudem musste sie am Freitag aus dem liebgewonnenen Sotschi, wo der DFB-Tross auch bei der WM 2018 sein Quartier aufschlagen könnte, ins drei Flugstunden entfernte und kühlere St. Petersburg reisen.

»Aber die Chilenen haben im Halbfinale auch eine halbe Stunde mehr gespielt«, hielt Goretzka angesichts des Erfolges von Vidal und Co. gegen Portugal nach Verlängerung und Elfmeterschießen entgegen. »Das ist ein Spiel, wo beide Mannschaften noch mal alles reinwerfen«, sagte Löw, der überlegen muss, ob er gegen den Turnierfavoriten offensiver aufstellt als im Gruppenduell. »Wir werden alle Hände voll zu tun haben, gegen Chile gut zu verteidigen. Das wird ein Spiel mit offenem Visier«, bemerkte der Bundestrainer.

»Alles ist angerichtet für ein tolles Spiel«, sagte Timo Werner, der wie Goretzka sein drittes Turniertor erzielte. Das DFB-Duo führt damit die Schützenliste an. Der starke Torwart Marc-André ter Stegen ließ nur das späte Gegentor des Frankfurters Marco Fabián zu, dem der eingewechselte Amin Younes prompt Treffer Nummer vier folgen ließ.

»Dieses Turnier ist schon jetzt ein voller Erfolg«, urteilte Manager Oliver Bierhoff. Löw hat bekommen, was er bekommen wollte – einen schnellen Lernprozess seiner WM-Probanden und somit einen heißen Kampf um die 23 persönlichen WM-Tickets 2018. Die Erfahrungen bei einem FIFA-Turnier, »das schon eine große Bedeutung hat«, würde den jungen Spielern in den nächsten Jahren helfen, »bei ganz großen Turnieren ihren Mann zu stehen«, erklärte der Bundestrainer. Als ein Reporter Löw auf Englisch fragte, ob man in einem Jahr mehr als zwei, drei junge Spieler aus dem Confed-Cup-Team wiedersehen werde, antwortete er blendend aufgelegt: »Yes, I hope so.«

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