27. Juni 2017, 22:17 Uhr

Löws Luxussituation

Der Bundestrainer arbeitet ganz geheim am Siegplan fürs Halbfinale. Gegen Mexiko hat Löw die freie Auswahl beim Personal – Goretzka, Stindl, Hector, auch Mustafi drängen zurück in die Startelf. Und ein Weltmeister a.D. gibt die weitere Marschroute vor.
27. Juni 2017, 22:17 Uhr
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Von DPA
»Ein ganz besonderer Moment in meiner Karriere« war für Joshua Kimmich das Tragen der Kapitänsbinde im Spiel gegen Kamerun. Bundestrainer Joachim Löw dürfte trotz der Qual der Wahl auch gegen Mexiko auf den Bayern-Profi setzen. (Foto: dpa)

Der Start in die Mexiko-Vorbereitung war richtig heiß. Die Sonne knallte am Schwarzen Meer vom Himmel, als Joachim Löw am Dienstag mit seiner hungrigen Confed-Cup-Truppe auf dem von russischen Polizisten abgeschirmten Trainingsplatz in Sotschi mit der praktischen Arbeit an seinem Siegplan für das Halbfinale begann. Nach der intensiven Regeneration des Vortages am Strand oder im Hotel-Pool floss der Schweiß für das vorletzte Etappenziel des deutschen Fußball-Perspektivteams in Russland: Der Endspiel-Einzug.

»Das Finale zu erreichen, wäre mit dieser neu zusammengestellten Mannschaft ein Riesending«, sagte der künftige Bayern-Profi Niklas Süle. Erst Mexiko am Donnerstag (20 Uhr/ARD) schlagen – und dann ab zum großen Endspiel nach St. Petersburg. So lautet der Plan. »Wir stehen verdient im Halbfinale. Viele haben das von uns nicht erwartet. Aber wir selbst sind nicht überrascht von uns. Wir haben Qualität in der Mannschaft«, sagte Emre Can. Der Mittelfeldspieler versprach den inzwischen auch mobilisierten Fans in der Heimat: »Wir werden top vorbereitet sein und alles reinhauen.«

Löw hat eine Luxussituation. Auch am Ende der strapaziösen Saison steht ihm der komplette Kader zur Verfügung. Bei hochsommerlichen Temperaturen arbeiteten alle 18 Feldspieler und die drei Torhüter auf dem Platz, allerdings unbeobachtet von der Öffentlichkeit. Torwart Marc-André ter Stegen empfahl vor Beginn der Übungseinheit, sich nicht schon Gedanken über den möglichen Endspielgegner – Portugal oder Chile – zu machen. »Es ist wichtig, dass wir uns auf Mexiko konzentrieren. So sind wir stark, wenn wir uns immer auf die nächste Aufgabe konzentrieren«, erklärte der Schlussmann des FC Barcelona.

Im DFB-Tross herrscht eine positive Grundstimmung. Löws Wagnis, beim Confed Cup mit einer unerfahrenen Mannschaft mit vielen WM-Probanden anzutreten, ist aufgegangen. »Wir haben alles ausgelegt auf nächstes Jahr«, betonte Löws Assistent Marcus Sorg nochmals: »Wir wollten hier unbedingt fünf Spiele haben.« Diese Vorgabe ist erfüllt, jetzt geht es um die Zugabe. »Wenn man im Halbfinale steht, will man das Optimale erreichen«, verkündete der Co-Trainer deutlich.

Löw hat gegen die Mexikaner die freie Auswahl beim Personal. In allen Mannschaftsteilen herrscht Konkurrenzkampf. Besonders im Mittelfeld und Angriff haben sich viele für ein Halbfinal-Mandat aufgedrängt. Jonas Hector, Leon Goretzka und Lars Stindl gelten als Fix-Rückkehrer in die Startelf nach ihren Erholungspausen beim 3:1 gegen Kamerun.

Auch Weltmeister Shkodran Mustafi möchte wieder als Abwehrchef fungieren. »Wir wussten, auch mit diesen Spielern bringen wir eine Qualität auf den Platz«, sagte Löws noch inoffizieller Co-Trainer Miroslav Klose. Nicht nur Timo Werner konnte mit seinen zwei Toren gegen Kamerun intensiv für sich werben. Auch andere wie 1:0-Schütze Kerem Demirbay machten ihre Sache gut. Aber im Vordergrund muss der Erfolg als Team stehen. »Mexiko wird eine schwere Aufgabe. Die sind nicht leicht zu bespielen«, mahnte der 21-jährige Werner.

Das Selbstbewusstsein im noch ungeschlagenen DFB-Team ist nach zwei Siegen und einem Unentschieden in der Gruppenphase groß. »Wir haben eine Mannschaft, die sehr talentiert ist«, sagte ter Stegen, der auch gegen Mexiko wieder im Tor stehen wird: »Wir haben unsere Gruppe mit absoluter Überzeugung in der Mannschaft gewonnen.«

In den Zweikämpfen zurückziehen muss auch keiner gegen Mexiko. Nach der Gruppenphase sind alle einzelnen Gelben Karten gestrichen worden. Goretzka, Stindl, Sebastian Rudy und Marvin Plattenhardt profitieren im deutschen Kader von dieser Regelung. Eine Finalsperre droht nicht. Weltmeister Klose gab der neuen deutschen Nationalspieler-Generation die Marschroute für den Turnierenspurt in Russland vor: »Natürlich wollen wir jetzt das Finale spielen und nicht Platz drei.«



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