19. Juli 2017, 21:30 Uhr

Rad

Lance Armstrong aus der Ferne dabei

19. Juli 2017, 21:30 Uhr
Lance Armstrong kommentiert die Tour heute von den USA aus. (F: dpa)

Im T-Shirt sitzt Lance Armstrong vor dem Mikrofon, die Kopfhörer übergezogen und die Frankreich-Landkarte immer griffbereit. Der ein wenig ergraute Ex-Radstar und Ex-Doper hat sein kleines Tour-de-France-Studio eingerichtet, in dem er für rund 45 Minuten on air ist. Jeden Tag berichtet Armstrong in seinem Podcast »Stages« von der 104. Frankreich-Rundfahrt. Vor Ort ist er nicht, natürlich nicht. Der lebenslang gesperrte Texaner ist wegen seiner dunklen Vergangenheit bei der Tour eine Persona non grata.

Also sendet Armstrong aus den USA. Und für seine Beiträge erntet er mitunter viel Lob. Fundiert schätzt er die Chancen von Topsprinter Marcel Kittel ein oder findet klare Worte zum Ausschluss von Weltmeister Peter Sagan. Armstrong hat zu allem eine Meinung, und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch nicht, als sein langjähriger Rivale Jan Ullrich bei den Feierlichkeiten zum Grand Départ in Düsseldorf nicht geladen war. »Den roten Teppich für Jalabert, Virenque, Hinault (und viele andere) ausrollen, aber Jan nicht einladen? Pfft«, schrieb Armstrong auf Twitter und traf dabei einen wunden Punkt der 104. Tour.

Jeden Tag, wenn das französische Fernsehen auf Sendung geht, lacht Laurent Jalabert in die Kameras und ist als Experte im Einsatz. Vor vier Jahren war der Ex-Weltmeister durch einen Anti-Doping-Bericht des französischen Senats als EPO-Sünder bei der Tour 1998 enttarnt worden war.

Ein anderer gefallener französischer Ex-Radstar gehört auch längst wieder der Tour-Familie an: Richard Virenque. Der frühere Bergkönig ist als Experte für Eurosport tätig und taugt auch noch als Werbe-Star für Festina. Festina, war da nicht mal was? Richtig, 1998 war Festina- Teamarzt Willy Voet mit haufenweise Dopingmitteln im Auto an der belgisch-französischen Grenze erwischt worden. Das Team wurde ausgeschlossen, später gab Virenque ein tränenreiches Geständnis ab. Eine scheinbar aufrichtige Doping-Beichte ist bei der Resozialisierung immer hilfreich. Auch das spektakuläre Doping-Geständnis von Rolf Aldag und Erik Zabel vor einem Millionenpublikum war einst gleich der Türöffner für eine sofortige Rückkehr in den Tross.

So sind reihenweise Ex-Sportler mit zweifelhaftem Ruf dabei. »Die Branche ist weiter voll von Leuten, die nichts anderes können als Radsport. Das sind alles ehemalige Profis, die Mechaniker werden oder Sportlicher Leiter und nie aus der Petrischale des Dopings herausgekommen sind«, sagte Ex-Profi Jörg Jaksche dem »Münchner Merkur«. Als Kronzeuge ist Jaksche eine unerwünschte Person – genau wie Armstrong.

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