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Lächeln kehrt schnell zurück

Das historische Olympia- Finale von Pyeongchang gegen Russland geht dramatisch verloren, doch das Eishockey-Nationalteam hat eine ganze Nation verzückt. Nach dem 3:4 in der Verlängerung feiern die Spieler ihre Silbermedaillen wie Gold.
25. Februar 2018, 19:17 Uhr
DPA
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Applaus, Applaus: Die Eishockey-Nationalmannschaft wird für ihren grandiosen Auftritt nach dem verlorenen Finale gefeiert. (dpa)

Erst nach dem Partybefehl von Marco Sturm verflog beim deutschen Olympia-Wunderteam die lähmende Enttäuschung über das um 55,5 Sekunden verpasste Eishockey-Gold. Minutenlang erklärte der Bundestrainer Deutschlands neuen Sport-Lieblingen, was sie mit dem größten Erfolg des deutschen Eishockeys geleistet haben. »Er hat gesehen, dass jeder nur enttäuscht war und hat uns dann klargemacht, dass wir eine Medaille haben. Das ist die Silbermedaille, das gab es noch nie im deutschen Eishockey, und wir sollen stolz sein«, sagte Kapitän Marcel Goc nach dem 3:4 (0:1, 1:0, 2:2) nach Verlängerung gegen die Stars der Olympischen Athleten aus Russland (OAR).

Sturms Worte zeigten Wirkung. »Deshalb werden wir heute mal richtig die Sau rauslassen«, sagte Stürmer Patrick Reimer, der zuvor sehr geknickt war. Während einer Strafzeit gegen den Nürnberger schossen die Russen in der Verlängerung das Siegtor durch Kirill Kaprisow in der zehnten Minute der Overtime. Der große Goldfavorit hatte gegen ein bravourös kämpfendes Team erst 55,5 Sekunden vor dem Ende ausgeglichen. »Hat Ihnen schon mal jemand ins Herz gestochen? So fühlt sich das an«, sagte der starke Goalie Danny aus den Birken. Doch nach der Ansprache von Sturm trockneten allmählich die Tränen der deutschen Spieler, die die Russen nach Toren von Felix Schütz (30.), Dominik Kahun (54.) und Jonas Müller (57.) beinahe in die Knie gezwungen hätten. Erst mit den Silbermedaillen um den Hals kehrte das Lächeln ganz langsam in die Gesichter zurück. »Ganz Deutschland ist stolz auf uns«, meinte aus den Birken über den grandiosen Erfolg, der nach 42 Jahren endgültig Olympia-Bronze von 1976 verblassen lässt.

»Wir lassen uns jetzt auch 40 Jahre lang feiern. Vielleicht hat ja Hollywood Lust, einen Film über uns zu machen. Ich möchte nur, dass Brad Pitt mich dann spielt«, witzelte der zum besten Olympia-Keeper benannte aus den Birken. »Yannic Seidenberg stand neben mir und hat gesagt: ›Das ist ein Bild, auf das schauen wir ein Leben lang zurück‹. Da will ich nicht mit irgendeiner Grimasse dastehen, sondern mit lachendem Gesicht«, sagte Reimer (35): »Wir haben es uns verdient, dass wir lachen können. Wir können mehr als stolz sein.« Zunächst ging es für die Silbergewinner weiter zur Schlussfeier, auf der Abwehr-Ass Christian Ehrhoff stellvertretend für das Team die deutsche Fahne trug. Die Medaillen hingen um den Hals, David Wolf trug Yannic Seidenberg beim Einmarsch ins Stadion auf seinen Schultern. Danach stand die Sause im Deutschen Haus an.

»Wir sind nicht nur als eine Mannschaft zusammengewachsen. Ich denke auch, ganz Deutschland ist zusammengewachsen. Das werden wir als eine Mannschaft auch nicht vergessen«, sagte der ergriffene Bundestrainer Sturm zu den wundersamen 17 Tagen von Pyeongchang. Seit der Ankunft am 8. Februar in Südkorea entwickelte sich aus einem von der Fachwelt und Öffentlichkeit belächelten Außenseiter ein echtes Team, das sich steigerte und die großen Nationen das Fürchten lehrte. »Je länger das Turnier ging, desto mehr haben wir dran geglaubt. Ich denke, wir haben hier Großes geleistet«, sagte Kapitän Goc (34). »Das gab es noch nie und wird es nicht so schnell wieder geben«, sagte DEB-Präsident Franz Reindl, der 1976 beim Bronze-Gewinn von Innsbruck selbst auf dem Eis gestanden hatte. Dies ist nun endgültig Geschichte. »Man kann das noch nicht richtig realisieren. Aber eine Eishockey-Nationalmannschaft hat ein ganzes Land sportlich begeistert, die Zuschauer elektrisiert«, sagte Reindl.

Unmittelbar mit Spielschluss gingen permanent Glückwünsche ein. »Ihr seid Helden! Feiert die Silbermedaille!«, twitterte Fußball-Nationalspieler und Eishockey-Fan Thomas Müller. »Absolute Inspiration für Wille, Kampfgeist und Zusammenhalt! Danke!«, schrieb Golf-Profi Martin Kaymer, und Fußball-Weltmeister Lukas Podolski schrieb: »Danke für diese geile Zeit!«

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