13. August 2017, 23:22 Uhr

Bolts grausamer Abschied

Krampf und Schmerzen statt Gold und Gloria

13. August 2017, 23:22 Uhr
Bitterer Abschied: Usain Bolt kann sein letztes Rennen nicht zu Ende bringen. (dpa)

Zumindest der Rollstuhl blieb Usain Bolt erspart. Doch zum Drama eines denkwürdigen Abends wurde sein letztes Rennen allemal: Krampf und Schmerzen statt Gold und Gloria. Die Lichtgestalt der Leichtathletik, der schnellste Sprinter des Planeten, ging nicht strahlend und als Sieger, er humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Londoner Olympiastadion. Seine drei Staffelkollegen mussten ihn stützen und trösten.

Ein Volunteer begleitet das am Boden zerstörte Jamaika-Team, er schiebt einen Rollstuhl, schaut fragend zu Bolt rüber: Aber nein! Der tragische Held schafft die allerletzten Meter seiner Karriere dann doch (fast) allein, in jener Arena, wo er fünf Jahre zuvor zum dreimal vergoldeten Olympia-Helden aufgestiegen war. Der sprintende Entertainer, dieser Modellathlet, fährt im Rollstuhl in den sportlichen Ruhestand? Es wäre das Foto des Jahres gewesen. Noch in der Nacht schickte Bolt eine emotionale Neun-Worte-Botschaft an seine traurigen Anhänger: »Danke euch, meine Leute. Unendliche Liebe für meine Fans«, schrieb der Jamaikaner auf Twitter und Facebook.

»Das tut schon weh, so eine echte Legende, einen echten Champion so zu sehen: wie er da rausgeht und dann so strauchelt«, meinte Mitstreiter Yohan Blake. »Das tut mir leid mit der Verletzung. Aber er ist immer noch der Beste auf der Welt«, meinte der Amerikaner Justin Gatlin, Bolts Dauerrivale in vielen Sprintduellen. Dass die US-Männer dann nur Silber hinter den britischen Sensationssiegern holten, geriet an jenem Abend zur Randnotiz.

Denn es war wie immer: Wo Bolt auftaucht, da ist Bolt das Thema Nummer 1. Er ist und bleibt der Größte, so wie einst Box-Champ Muhammad Ali. Dass seine Karriere nun so zu Ende geht, neun Tage vor seinem 31. Geburtstag, das stand nicht im Drehbuch der Abschiedsgala. Am Vormittag feierten die Zuschauer Bolt noch mit Jubel und Ovationen, am Abend litten 56 000 Augenzeugen im rappelvollen Olympiastadion mit dem gefallenen Star.

»Es war ein grausamer und unvorstellbarer Abschied«, befand die spanische Zeitung »Marca« am Sonntag – »der Zusammenbruch eines Imperiums.« Was war überhaupt passiert, in der »Nacht, in der Götter fallen« (»La Repubblica«)? Ein Muskelkrampf im linken Oberschenkel hatte Bolt im dramatischen Staffelfinale ins Straucheln gebracht und gestoppt. Als um 22.03 Uhr Ortszeit alles aus und vorbei war, da lag die Lichtgestalt der Leichtathletik am Boden – eine seltene Szene. Offenbar war die extrem lange Wartezeit der Finalstaffeln bei abendlicher Kühle schuld daran, dass Schlussläufer Bolt schon nach wenigen Metern einen Krampf bekam.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Facebook
  • Gold
  • Justin Gatlin
  • Kurzstreckenläufer
  • Muhammad Ali
  • Planeten
  • Schmerzen
  • Trost
  • Twitter
  • Usain Bolt
  • Yohan Blake
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen