05. November 2017, 21:38 Uhr

Fußball-Bundesliga

Köln in der Liga weiter Punktelieferant Chaos um den Videobeweis Der neue Meier?

Seit fünf Spielen ungeschlagen, schon zehn Punkte Vorsprung auf Platz 16: Bei Eintracht Frankfurt läuft es gut. Einer der Gründe dafür: Der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte.
05. November 2017, 21:38 Uhr
Die Hoffenheimer Dennis Geiger, Florian Grillitsch, Torschütze Sandro Wagner und Nadiem Amiri (v. l.) jubeln nach dem Treffer zum 2:0. (Foto: dpa)

Die umjubelten Europa-League-Gewinner des 1. FC Köln bleiben in der Fußball-Bundesliga nur ein Punktelieferant und rauschen ungebremst dem sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. Drei Tage nach dem ersten Sieg im Europacup seit 25 Jahren (5:2 gegen BATE Borissow) kassierten die Kölner in der Liga wieder eine ernüchternde 0:3 (0:1)-Heimniederlage gegen 1899 Hoffenheim.

Die abgezockten Hoffenheimer beendeten durch die Treffer von Eigengewächs Dennis Geiger (10.) und zweimal Sandro Wagner (56., Foulelfmeter/80.) nach vier Spielen ohne Sieg die längste Negativserie in der Amtszeit von Trainer Julian Nagelsmann und zeigten sich gut erholt vom späten Punktverlust in der Europa League bei Basaksehir Istanbul (1:1).

Enttäuschende Begleiterscheinung auf Kölner Seite: Wieder einmal beleidigten Fans in mehreren Gesängen und mit einem geschmacklosen Plakat Dietmar Hopp. Die Gesänge waren aber auch ein Ventil für den Frust der FC-Fans, denn die Partie brachte wieder einmal einen frühen Nackenschlag: Kerem Demirbay lief unbedrängt über das gesamte Feld, Geiger erwischte die Hereingabe von Nadiem Amiri zunächst nicht richtig, traf aber dann im zweiten Versuch gegen den schon am Boden liegenden Torhüter Timo Horn. Für den 19-jährigen Geiger war es das zweite Tor im neunten Bundesliga-Spiel.

Auch in der Folge blieben die Hoffenheimer konzentriert und kontrollierten vor allem dank ihrer Dominanz im Mittelfeld das Spiel. Dennoch kam der FC vereinzelt zu guten Chancen: so durch Leonardo Bittencourt nach starkem Solo (12.) oder Yuya Osako, der den Pfosten traf (41.).

Auch in der zweiten Halbzeit dauerte es nur rund zehn Minuten bis zum Gegentor. Mark Uth hatte Horn schon ausgespielt und wurde von Olkowski umgestoßen – Schiedsrichter Deniz Aytekin gab den fälligen Elfmeter, dem Polen nach Begutachtung der TV-Bilder in der Review Area aber überraschend nur Gelb. Die Kölner brauchten lange, um sich von diesem erneuten Rückschlag zu erholen. Dann vergaben Olkowski (72.), Milos Jojic (75.) und Sehrou Guirassy (77.) beste Chancen – und Wagner beseitigte die letzten Zweifel am Gäste-Sieg.

Der Deutsche Fußball-Bund gerät durch das Chaos, die vielen Unklarheiten und die ständigen Diskussionen beim Thema Videobeweis immer stärker unter Druck. Der planlose Umgang mit einem Projekt, das im Sommer mit großen Hoffnungen gestartet wurde, hat in weniger als drei Monaten eine große Skepsis bei den Bundesliga-Vereinen und eine noch größere Verunsicherung bei den Schiedsrichtern ausgelöst. Augsburgs Manager Stefan Reuter forderte am Wochenende einen Runden Tisch aller Beteiligten. Gladbachs Trainer Dieter Hecking kritisierte die Debatten über den Videobeweis: »Es wäre gut für den Fußball, aber ich glaube, dass er zur Winterpause eingestellt wird. Wir tun alles dafür, dass er nicht kommt.«

Als wäre die Aufregung nicht schon groß genug, steht seit diesem Wochenende auch noch ein massiver Vorwurf im Raum: Die »Bild am Sonntag« berichtet, dass der Schiedsrichter-Funktionär Hellmut Krug in seiner Funktion als Projektleiter Videobeweis und Supervisor an einem Bundesliga-Spieltag gleich zweimal in die Entscheidung des zuständigen Video-Assistenten eingegriffen haben soll. Beide Entscheidungen kamen im Spiel gegen den VfL Wolfsburg dem FC Schalke 04 zugute, aus dessen Stadt Gelsenkirchen auch der frühere FIFA-Referee kommt. Krug und auch der beteiligte Video-Assistent Marco Fritz wiesen das jedoch zurück. »Bei allen Spielsituationen, die im Review Center in Köln gecheckt werden, liegt die Entscheidung, ob ein Eingriff erfolgt oder nicht, beim Video-Assistenten. Dies war auch in den besagten Szenen der Partie Schalke gegen Wolfsburg so«, sagte Fritz am Sonntag in einer vom DFB verbreiteten Erklärung.

Aber auch dieses Beispiel zeigt: Verfolgt man die größten Probleme beim Thema Videobeweis zurück, landet man immer bei den Verantwortlichen für das Projekt und damit beim DFB. Am Anfang der Saison funktionierte die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent nicht, auch weil sich die Vorbereitungen als völlig unzureichend erwiesen. In der vergangenen Woche kam dann noch das große Chaos um die Befugnisse des Video-Schiris hinzu. Nach der Aufregung darüber verfügte DFB-Präsident Reinhard Grindel eine Rolle rückwärts und betonte am Samstagabend im ZDF-Sportstudio noch einmal: »Die Entscheidung trifft immer der Schiedsrichter auf dem grünen Rasen.«

Genau gegen dieses Hin und Her begehren die Clubs nun auf. Die Verantwortlichen sollten »nicht nur quatschen, sondern entscheiden«, sagte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic. Auch der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke meinte am Samstag: »Der Videobeweis soll gemacht werden. Aber es muss auch klar sein, wie er gehandhabt wird. Es muss objektiv sein.«

Der Augsburger Manager Stefan Reuter sieht das genauso und fordert den DFB deshalb dazu auf, die zweiwöchige Länderspielpause zu nutzen. »Es ist zwingend erforderlich, dass wir uns da zusammensetzen«, sagte der Weltmeister von 1990. »Ich glaube, dass so was in der gesamten Gruppe diskutiert werden müsste und man sich dann einfach in der Pause noch einmal hinsetzt.«

Ein größeres Kompliment kann man in Frankfurt kaum bekommen. »Er ist fast schon wie eine Kopie von Alex Meier«, sagte Torwart Lukas Hradecky und meinte damit: Sebastien Haller. Eintracht Frankfurts neuer Torjäger schoss bereits das 2:1-Siegtor gegen den VfB Stuttgart und jetzt auch das 2:1-Siegtor gegen Werder Bremen. Das eine Tor fiel in der 93. Minute, das andere in der 89. Das eine per Seitfallzieher, das andere per Volleyschuss.

»Die schönen Tore schießt er besonders gern«, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, der zufrieden registriert: Der mit rund sieben Millionen Euro teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte zahlt sich für die Eintracht immer mehr aus. Zählt man die Spiele in der Fußball-Bundesliga und im DFB-Pokal zusammen, hat der 23 Jahre alte Franzose in den vergangenen acht Partien sieben Mal getroffen.

Der Stürmer selbst geht damit ziemlich relaxed um. »Du musst genau wissen: Du bist Stürmer und Stürmer müssen Tore schießen. Es ist mein Job, Tore zu schießen«, sagte Haller. Was genau dieses Stürmer-Dasein ausmacht, konnte er wie schon nach seinem Tor gegen Stuttgart »nur schwer« erklären: »Wenn du im Strafraum bist und der Ball kommt, dann denkst du nicht nach. Dann versuchst du höchstens, den Ball perfekt zu treffen. Das ist ein Instinkt.« Auch das hätte der verletzte Alexander Meier vermutlich genauso oder so ähnlich gesagt.

Für Haller war aber noch etwas wichtig: »Dieser Sieg macht uns den Kopf frei vor der Länderspiel-Pause«, sagte er. Nach fünf Bundesliga-Spielen ohne Niederlage liegt die Eintracht nur zwei Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Und was ihr noch wichtiger ist: Sie hat bereits zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Dieser Abstand interessiert Fredi Bobic und Trainer Niko Kovac am meisten.

Die zweiwöchige Länderspiel-Pause unterbricht den Frankfurter Lauf aber nun erst einmal. Neun Eintracht-Profis werden mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sein. Nach ihrer Rückkehr geht es in der Bundesliga gegen 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen, Hertha BSC und Bayern München weiter. Das sind alles aktuelle oder wie im Fall Leverkusen zumindest gefühlte Europacup-Clubs. Und vor allem machte Niko Kovac nach dem Sieg gegen Werder deutlich, dass er seine Mannschaft noch längst nicht auf diesem Niveau sieht. »Ich werde nach diesem Spiel nicht groß feiern«, sagte der Trainer. »Das hätte auch in die Hose gehen können. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • 1.FC Köln
  • Bayer Leverkusen
  • Deutscher Fußball-Bund
  • Dieter Hecking
  • Dietmar Hopp
  • Eintracht Frankfurt
  • FC Bayern München
  • Fredi Bobic
  • Fußball-Bundesliga
  • Hans-Joachim Watzke
  • Hellmut Krug
  • Hertha BSC
  • Julian Nagelsmann
  • Miloš Jojic
  • Reinhard Grindel
  • Sandro Wagner
  • Schalke 04
  • Stefan Reuter
  • TSG Hoffenheim
  • Vereinsgeschichte
  • VfB Stuttgart
  • VfL Wolfsburg
  • Videobeweis
  • Werder Bremen
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.