13. Juli 2018, 22:29 Uhr

Kerber gegen die Super-Mama

Angie Kerber ist zurück in der Weltspitze und steht im Finale von Wimbledon. Gereift will die 30-Jährige erste deutsche Gewinnerin des berühmten Tennis-Turniers seit Steffi Graf werden. Ihre Gegnerin Serena Williams schreibt an ihrer eigenen Geschichte.
13. Juli 2018, 22:29 Uhr

Diesmal soll Angelique Kerbers Wimbledon-Wunder wahr werden, der Grand-Slam-Coup über Serena Williams gelingen. Mit dem Lerneffekt nach dem grandiosen, aber verlorenen Endspiel vor zwei Jahren will es die Kielerin am Samstag (15 Uhr MESZ, ZDF und Sky) gegen die nun junge Mutter besser machen. Mit einem weiteren Sieg auf dem Heiligen Tennis-Rasen will sie sich zur ersten deutschen Wimbledonsiegerin seit Steffi Graf 1996 krönen. »Ich weiß, dass ich das Potenzial habe, solche Dinger zu gewinnen«, sagt Kerber (Bild).

Nach ernüchternden Rückschlägen zeigt sich die 30-Jährige mental gereift, erfahrener und gibt sich wieder selbstbewusst. Die Situation ist eine komplett andere als 2016, auch weil Williams nur zehn Monate nach der komplizierten Geburt ihrer Tochter antritt. »Sie ist zurückgekommen. Ich bin zurückgekommen von 2017. Das ist eine Herausforderung«, sagt Kerber. Sie hat es schon einmal geschafft. In Melbourne, als sie vor zwei Jahren mit dem Australian-Open-Titel verblüffte und zur ersten deutschen Grand-Slam-Siegerin seit Graf aufstieg, hat sie Serena in einem großen Finale besiegt.

Trainer ist Statistik-Fan

Nach zuletzt sechs Grand-Slam-Auftritten ohne Endspiel hat Kerber ihren Weg wieder gefunden. Sie hat die Frust-Monate hinter sich gelassen, als sie den Erwartungen hinterher lief. Ihr Entwicklungsprozess nach dem Wimbledon-Finale 2016 spülte sie rauf zur Nummer eins und dem zweiten Grand-Slam-Titel bei den US Open, dann in Monaten voller ernüchternder Erlebnisse weg von der absoluten Spitze. Jetzt ist wieder da.

Am Tag nach dem Halbfinal-Erfolg über die Grand-Slam-Siegerin Jelena Ostapenko, wollte sie ihre Routinen der vergangenen zwei Wochen beibehalten. Am Samstag wird die ehemalige Weltranglisten-Erste nervös den Court betreten, wie immer vor solchen Spielen. »Ich habe jetzt die Erfahrung, dass die Nervosität vorbeigeht. Ich weiß, dass ich ruhig bleiben muss«, schildert sie.

Vor zwei Jahren lieferte Kerber ein starkes Wimbledon-Finale ab, am Ende war die Power von Williams einen Tick zu gut. Unter ihrem jetzigen Trainer Wim Fissette, der vor fünf Jahren auch Sabine Lisicki ins Endspiel von London führte, hat die Linkshänderin ihren Aufschlag verbessert. Der dürfte auch gegen Williams eine entscheidende Rolle spielen.

Fissette ist Statistik-Liebhaber. Er wird Williams genau analysieren. Diesen für sie unangenehmen Schritt von ihrem langjährigen Coach Torben Beltz hin zum Belgier hat Kerber gewählt, um für die entscheidenden Momente wieder bereit zu sein. »Neue Menschen um sie herum mag sie eigentlich nicht«, sagt Barbara Rittner. »Für mich war ein Knackpunkt, dass sie selber einfach gesagt hat, ich bin noch mal bereit, was zu ändern.«

Die siebenmalige Wimbledonsiegerin aus den USA kann derweil mit ihrem 24. Titel bei einem Grand Slam den Allzeit-Rekord der Australierin Margaret Court einstellen. Diesmal aber wäre ein Erfolg spezieller als sonst. Es wäre ihr erster Titel als Mutter, bei ihrem vierten Turnier nach der Rückkehr. Allein der Final-Einzug verdient höchsten Respekt.

Offen erzählt die US-Amerikanerin von Komplikationen bei der Geburt von Alexis Olympia am 1. September 2017, dass sie mehrfach operiert werden musste und um ihr Leben fürchtete. »Ich konnte nicht mehr selber zum Briefkasten laufen, deshalb ist dieses Wimbledon-Finale alles andere als selbstverständlich.«

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