14. Juli 2019, 21:56 Uhr

Keine Begeisterungsstürme

Adi Hütter zieht ein eher positives Fazit. »Das war ein sehr ordentliches Trainingslager«, sagt der Trainer von Eintracht Frankfurt nach der Rückkehr aus der Schweiz. Aber längst nicht alles lief dort nach Wunsch.
14. Juli 2019, 21:56 Uhr
Spektakulärer als das Testspiel war der Abendhimmel über Biel. Beim 3:1-Sieg der Frankfurter Eintracht über den FC Luzern schlägt Timothy Chandler (l.) vor dem Schweizer Silvan Sidler eine Flanke vor das Tor. (Foto: dpa)

Eintracht Frankfurt


Die Tour de Suisse ist beendet, nach den Stationen Thun, Biel und Bern ist die Frankfurter Reisegruppe wieder ins Hessenland zurückgekehrt, nach zwei fußballfreien Tagen bittet Trainer Adi Hütter seine Spieler morgen wieder auf den Übungsplatz. Mit den sieben Tagen in der Schweiz ist der Coach ganz zufrieden. Begeisterungsstürme löste der Besuch des Nachbarlandes aber auch nicht aus. Im Grunde sind sie in Frankfurt so schlau wie zuvor, wo genau das Team steht, lässt sich noch nicht beantworten. Auch die Testspiele haben zwar Fingerzeige, aber keine endgültigen Antworten gegeben, weil sie zwar eine Art Standortbestimmung sind, aber halt ohne wirklichen Wettkampfcharakter und daher eher ohne Wert.

Gegen den Schweizer Titelträger Young Boys Bern setzte es eine 1:5-Klatsche. Das nackte Ergebnis liest sich genau so wie sich das Spiel anfühlte, da war fast ein Klassenunterschied erkennbar, der aber aufgrund des unterschiedlichen Fitnesslevels (Bern ist in der Vorbereitung zwei Wochen weiter) zumindest im Ansatz erklärbar ist. Dem Trainer hat die Einstellung während dieser Gratisvorführung ganz und gar nicht geschmeckt, was er seinen Akteuren auch deutlich machte. »So, wie wir gespielt haben, so geht es nicht«, betonte der Coach und verschärfte daraufhin das Training. Dass sich die Eintracht mit einem 3:1 über den FC Luzern aus der Schweiz verabschiedete, ordnete Hütter nüchtern ein. »Die Wiedergutmachung ist gelungen, es war ein ganz anderer Auftritt, ein ganz anderes Gesicht«, sagte er, relativierte aber: »Luzern hat nicht die Qualität wie Young Boys Bern.«

Die Eintracht präsentierte sich dennoch verbessert, »auch spielerisch«, wie der Fußballlehrer sagte. »Wir haben ganz gut kombiniert, auch wenn die letzte Spritzigkeit und die letzte Idee im Kopf gefehlt hat.« Mit Wohlwollen registrierte der Österreicher die deutliche Leistungssteigerung von Stürmer Ante Rebic, der sich aus seinem Lustlos-Modus verabschiedet hatte und eine gute Darbietung zeigte. »Es gab schon einige Kritik an ihm, vielleicht hat er ja Zeitung gelesen«, sagte der 49-Jährige schmunzelnd. Dass der kroatische Nationalspieler an Bord bleiben wird, ist trotzdem nicht sicher.

Aktuell ist die Mannschaft sicher nicht so stark wie die aus der Rückrunde der abgelaufenen Runde. Luka Jovic, Kevin Trapp, Martin Hinteregger und Sebastian Rode sind entweder ganz weg oder zurzeit noch nicht da, das waren tragende Säulen in der zweiten Halbserie. Die Neuzugänge haben sich zwar ordentlich eingefügt, aber inwieweit sie das Team tatsächlich verstärken können, ist momentan schwierig zu beurteilen. Erik Durm und Dominik Kohr sind erfahrene Spieler, die ihren Job engagiert und solide verrichten. Dejan Joveljic, 19, ist ein talentierter Stürmer, schlitzohrig und flink. »Aber er braucht noch Zeit, um sich an das Tempo und die Robustheit in der Bundesliga zu gewöhnen«, analysierte Hütter. Und Djibril Sow, der hoffnungsvollste Neuzugang, hat sich verletzt und fällt mit einem Sehnenanriss bis Oktober aus. Hütter wird in den kommenden zehn Tagen bis zum ersten Pflichtspiel in Estland oder Serbien sehr akribisch mit seinem Team arbeiten, es geht vor allem darum, Dynamik und Explosivität zurückzuerlangen. »Zurzeit fehlt noch einiges, das muss man ganz klar sagen«, urteilte der Trainer.

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