22. Oktober 2017, 21:46 Uhr

Golf Rodeln Turnen

Kein Garcia-Gastgeschenk Loch nur DM-Dritter Großer Tag für deutsche Damen Boll und Ovtcharov können lachen Hambüchen: »Geiles Gefühl, wieder da zu sein«

Großer Erfolg für das deutsche Tischtennis: Dimitrij Ovtcharov gewann den World Cup im Finale gegen Timo Boll. Schon bei den China Open hatte er seinen Freund im Endspiel geschlagen.
22. Oktober 2017, 21:46 Uhr
Freunde unter sich: Die deutschen Tischtennisspieler Timo Boll (l.) und Dimitrij Ovtcharov, der sich im Finale der beiden den World-Cup in Lüttich holt. (Foto: dpa)

Als guter Gastgeber hält man sich eigentlich vornehm zurück. Spaniens Golfstar Sergio Garcia machte dieses Spielchen bei seinem eigenen Turnier allerdings nicht mit und schnappte seinen Gästen den Sieg und das Preisgeld in Höhe von 333 330 Euro vor der Nase weg. Der 37 Jahre alte Masters-Champion gewann im Golf Club Valderrama mit einen Gesamtergebnis von 272 Schlägen vor dem Niederländer Joost Luiten, der einen Schlag mehr benötigte, und dem Engländer Daniel Brooks (277).

Für Garcia, der am Rande seiner eigenen Veranstaltung in Andalusien mit einer lebenslangen Ehren-Mitgliedschaft auf der European Tour ausgezeichnet worden war, ist es der 14. Titel auf der Europa-Tour. Im April hatte der Golf-Routinier aus Castellón beim US-Masters in Augusta zum ersten Mal bei einem Major triumphiert.

Bester deutscher Profi beim Turnier auf einem der berühmtesten Golfplätze Europas war der zweimalige Major-Sieger Martin Kaymer auf dem geteilten 27. Platz. Kaymer benötigte insgesamt 286 Schläge.

Der dreimalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch ist bei den deutschen Meisterschaften in Altenberg nur auf Rang drei gefahren. Den Sieg sicherte sich am Sonntag Andi Langenhan aus Zella-Mehlis vor Johannes Ludwig aus Oberhof. Eine große Überraschung gab es bei den Frauen. Junioren-Weltmeisterin Jessica Tiebel aus Altenberg kam auf ihrer Heimbahn auf Platz zwei vor Dajana Eitberger aus Ilmenau. »Für eine Juniorin ist das ein Top-Ergebnis, was Jessica gezeigt hat«, meinte Cheftrainer Norbert Loch.

Ihren fünften Meistertitel erkämpfte Natalie Geisenberger aus Miesbach. »Die Leistung war okay, es war ein bissl schade, dass es zu warm war, da konnten wir keine besseren Zeiten fahren«, meinte die Olympiasiegerin von Sotschi. Die Olympiasiegerin von 2010, Tatjana Hüfner vom RC Blankenburg, wurde Vierte.

Bei den Doppelsitzern gewannen die Ilsenburger Toni Eckert/Sascha Benecken vor den Olympiasiegern Tobias Wendl/Tobias aus Berchtesgaden/Königssee. Dritte wurden Robin Geueke/David Gamm aus Winterberg. Nach dem Auftakt zur Olympia-Saison nominierte Cheftrainer Loch am Sonntag noch sein Weltcup-Team. Neben den Etablierten erhielt Julian von Schleinitz aus Königssee als fünfter Mann das Ticket für den Weltcup-Auftakt in Igls und für die internationalen Trainingswoche im Olympia-Ort Pyeongchang.

Zwei Turniersiege binnen dreieinhalb Stunden: Julia Görges und Carina Witthöft haben dem deutschen Damen-Tennis am Ende einer durchwachsenen Saison noch einen goldenen Oktober-Tag beschert. Görges konnte in Moskau nach ihrem ersten Titel seit sechseinhalb Jahren die Tränen der Freude nicht zurückhalten, Witthöft schien wenig später in Luxemburg ihren bisher größten Triumph nicht fassen zu können. »Die haben unglaubliches Tennis gespielt«, stellte die deutsche Damen-Tennis-Chefin Barbara Rittner erfreut fest.

Dass die WTA-Finals der besten acht Spielerinnen in Singapur vor allem wegen der Krise von Angelique Kerber am Sonntag ohne deutsche Beteiligung begannen, rückte durch den außergewöhnlichen Doppel-Erfolg in den Hintergrund. Kerber wird nach 284 Wochen nun sogar nur noch die deutsche Nummer zwei hinter Görges, die in der neuen Weltrangliste als 20. einen Platz vor Kerber stehen wird.

In Moskau bekam Görges nach dem 6:1, 6:2 über die Russin Darja Kassatkina im Endspiel des Kreml-Cups schon unmittelbar nach dem Matchball feuchte Augen. »Ich habe so hart für diesen Augenblick hier gearbeitet, ich bin jetzt so glücklich und so emotional«, erklärte die 28-Jährige, die lange auf ihren dritten WTA-Titel warten musste und seit dem Erfolg 2011 in Stuttgart sechs Finals in Serie verlor, davon allein drei in diesem Jahr.

Diese Negativserie riss nun endlich, auch weil die Bad Oldesloerin Görges mit der Verlegung ihres Lebensmittelpunktes nach Regensburg einen Neuanfang gewagt hat. Als Siegprämie gab es stattliche 147 500 Dollar.

Die einstige Nummer 15 der Welt kehrt nun in die Top 20 zurück und qualifizierte sich für die WTA Elite Trophy im chinesischen Zhuhai - die B-WM am Ende der Saison, wo es für die zwölf Teilnehmerinnen ab dem 31. Oktober immerhin um fast 2,3 Millionen Dollar geht.

Witthöft kommt immerhin den besten 50 nahe, nachdem sie im Endspiel von Luxemburg beim 6:3, 7:5 gegen Monica Puig aus Puerto Rico vor allem am Schluss die Nerven gegen die Olympiasiegerin behielt und sich zur dritten deutschen Siegerin nach Anke Huber und Annika Beck kürte. Puig hatte in der ersten Runde Angelique Kerber geschlagen. Zu Tränen war vor allem Witthöfts Mutter und Trainerin gerührt, als die 22-jährige Hamburgerin bei der Siegerehrung mit immer noch leicht ungläubigem Gesichtsausdruck sagte: »Danke, dass Du immer an mich geglaubt hast.«

Dimitrij Ovtcharov hat in einem rein deutschen Endspiel zum ersten Mal den bedeutenden Tischtennis-World-Cup gewonnen. Der Weltranglisten-Vierte besiegte seinen Freund und Nationalmannschafts-Kollegen Timo Boll am Sonntag in Lüttich in 4:2 Sätzen mit 10:12, 11:8, 11:7, 9:11, 11:7, 11:2. Die sonst so dominierenden Stars aus China sahen bei diesem Finale nur zu.

»Das fühlt sich irreal an«, sagte Ovtcharov. »Ich konnte vor wenigen Jahren nicht einmal davon träumen, so einen Titel zu gewinnen. Jetzt steht mein Name neben dem von so vielen Legenden auf diesem Pokal.«

Die beiden besten Tischtennis-Spieler Deutschlands und Europas trafen in diesem Jahr bereits zum dritten Mal im Endspiel eines bedeutenden Wettbewerbs aufeinander. Auch bei den China Open im Juni und beim Champions-League-Finale zwischen Fakel Orenburg und Borussia Düsseldorf siegte Ovtcharov – jeweils knapp mit 4:3 Sätzen.

»Dass sie sich nun zum zweiten Mal binnen weniger Monate in einem Endspiel gegenüberstehen, zeigt ihre Qualität«, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. »Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Sie haben beide ein fantastisches Turnier gezeigt.«

Schon der Weg der beiden deutschen Stars in dieses World-Cup-Endspiel war beeindruckend. Der 36 Jahre alte Boll besiegte am Samstag im Viertelfinale zunächst den aufstrebenden Asian-Cup-Sieger Lin Gaoyuan aus China mit 4:3 Sätzen. Er lag dabei im entscheidenden siebten Durchgang bereits mit 4:10 hinten und wehrte sechs Matchbälle nacheinander ab. Am Sonntagvormittag gelang dem Rekord-Europameister dann im Halbfinale die größte Überraschung des Turniers, als er den Weltmeister, Olympiasieger und Weltranglisten-Ersten Ma Long aus China mit 4:3 Sätzen schlug. »Das ist verrückt. Ich hatte das Gefühl, auf einer Welle zu reiten in diesem Spiel«, sagte Boll.

Ovtcharov legte in Viertelfinale und Halbfinale ebenfalls einen Kraftakt hin. Für seine beiden Siege gegen den Russen Alexander Schibajew (4:3) und den Franzosen Simon Gauzy (4:3) benötigte der 29-Jährige jeweils die volle Distanz von sieben Sätzen. Sein Duell mit Schibajew endete am späten Samstagabend erst nach 23.00 Uhr. In der Nacht vor dem Halbfinale und Finale habe er »nur drei Stunden geschlafen«, erzählte Ovtcharov. Nach den Olympischen Spielen und der WM ist der World Cup für einen Tischtennis-Profi der wichtigste Wettbewerb. Er ist so etwas wie ein Confed Cup dieses Sports. Am World Cup nehmen neben dem amtierenden Weltmeister auch die besten Spieler des Asian Cups, des Africa Cups, des Panamerika Cups und des europäischen Top-16-Turniers teil.

Er ist zurück. Vier Tage vor seinem 30. Geburtstag hat Olympiasieger Fabian Hambüchen wieder die Turn-Bühne betreten. 336 Tage nach seinem letzten Wettkampf sorgte der Hesse mit elf Scorer-Punkten maßgeblich für den klaren 59:14-Sieg seines Teams KTV Obere Lahn aus Mittelhessen bei Aufsteiger KTT Heilbronn in der Deutschen Turn-Liga (DTL).

»Wahnsinn – es war einfach super. Ein geiles Gefühl, endlich wieder zurück zu sein«, sagte Hambüchen. Seine internationale Karriere hatte er nach seinem Reck-Erfolg in Rio de Janeiro beendet. Dort hatte er mit einer schweren Schulterverletzung geturnt, die erst im März dieses Jahres operiert wurde. Den Riss in der Supraspinatus-Sehne hatte sich Deutschlands »Sportler des Jahres« bereits im Februar 2016 zugezogen und seine Olympia-Vorbereitung und die Wettkämpfe in Rio unter Schmerzen durchgezogen.

Vor 800 begeisterten Zuschauern ging der Turn-Star in der ausverkauften Römerhalle an drei Geräten an den Start. Vor allem sein Auftritt am Reck, der mit 14,85 Punkten bewertet wurde, war wieder Herzstück seiner Show. Auch an Boden (14,70) und Sprung (13,95) hat er offenbar nichts verlernt.

Hambüchen sprach von einer sehr emotionalen Rückkehr in die Turn-Familie. Seinen letzten Wettkampf hatte er am 19. November 2016 in der DTL noch mit lädierter Schulter absolviert. »Vor allem auch deshalb, weil wir mit Trauerflor angetreten sind, um den verstorbenen DTL-Vorstandsvorsitzenden René Lachmund zu ehren«, berichtete Hambüchen. Der DTL-Chef war am 14. Oktober einem Krebsleiden erlegen.

Nach stressigen Monaten mit der Operation, der langwierigen Rehabilitation und zahlreichen Werbeauftritten nach Olympia, ist Hambüchen nun froh, »dass wieder ein Rhythmus mit Studium und Training« sein Leben bestimmt. An eine Rückkehr auf die ganz große Bühne hegt er im Moment keinen Gedanken. Nur am Reck sei er »fast wieder bei 100 Prozent«. Bei der WM vor zwei Wochen in Montreal war eine Stagnation nach dem Rücktritt einiger Altstars sichtbar gewesen.

Der deutsche Vorturner Hambüchen hat sich mit seinem Team nun kühne Ziele gesetzt. »Mit 7:1 Punkten sind wir jetzt Dritter, haben das kleine Finale schon fast sicher. Jetzt heißt unser Ziel: Finale«, verkündete er in Heilbronn. Dazu ist aber ein Heimsieg gegen Spitzenreiter TG Saar (8:0 Punkte) am 11. November nötig.

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