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Im kalten Wasser

Die zweite Minute der Nachspielzeit war angebrochen, als das letzte, entscheidende Duell des Abends anstand. Mann gegen Mann in bester Wildwestmanier. Auf der einen Seite, Eduardo Salvio, Außenstürmer von Benfica Lissabon, das Magazin noch voll geladen, gerade erst 20 Minuten auf dem Rasen, frisch, spritzig, schnell. Auf der anderen Seite, Simon Falette, Verteidiger von Eintracht Frankfurt, nur noch eine letzte Patrone im Lauf, von Krämpfen geplagt, kaum noch dazu in der Lage, sich auf den Beinen zu halten.
19. April 2019, 20:23 Uhr
Redaktion
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Toller Auftritt: Simon Falette (l.) attackiert Lissabons Andre Almeida. (Foto: dpa)

Die zweite Minute der Nachspielzeit war angebrochen, als das letzte, entscheidende Duell des Abends anstand. Mann gegen Mann in bester Wildwestmanier. Auf der einen Seite, Eduardo Salvio, Außenstürmer von Benfica Lissabon, das Magazin noch voll geladen, gerade erst 20 Minuten auf dem Rasen, frisch, spritzig, schnell. Auf der anderen Seite, Simon Falette, Verteidiger von Eintracht Frankfurt, nur noch eine letzte Patrone im Lauf, von Krämpfen geplagt, kaum noch dazu in der Lage, sich auf den Beinen zu halten.

Nun also sprintete Salvio los, wollte vorbei an Falette, um noch eine letzte Hereingabe in die Mitte zu feuern. Der Nationalspieler Guineas in Diensten der Eintracht nahm das Laufduell im eigenen Strafraum auf, den Zuschauern stockte der Atem. Nein, nicht, dachten viele. Bitte keine Grätsche, bitte kein Elfmeter riskieren. Lass es, Simon. Falette ließ es nicht, ging auf den Boden, grätschte über den Rasen – und traf den Ball, der Salvio gar noch ans Bein und von dort über die Torauslinie sprang. Abstoß für die Eintracht, Durchatmen in der Arena, Ende für Falette. Der 27-Jährige blieb einfach auf dem Rasen liegen, seine Waden krampften derart, dass es nicht mehr weiterging. Trainer Adi Hütter musste für die letzten Sekunden noch Jetro Willems eintauschen. »Am Ende war ich ein bisschen müde«, sagte Falette nach dem furiosen 2:0-Heimerfolg im Rückspiel der Europa League. Dabei lächelte er erst, dann lachte er und wusste, dass das wohl die Untertreibung des Jahres war. »Ich habe halt lange nicht mehr gespielt.«

Ende Januar stand der Familienvater, der als größte Stimmungskanone innerhalb des Teams gilt und seine Interviews erstaunlich gut auf Deutsch führt, das letzte Mal für die Frankfurter in einem Pflichtspiel auf dem Rasen – für 90 Minuten beim 2:2 in Bremen. Seitdem wies ihm Trainer Hütter maximal noch einen Platz auf der Ersatzbank zu, ab und an nicht einmal mehr das. Am Donnerstagabend aber, da war seine Zeit mal wieder gekommen. Hinteregger verletzt, Evan Ndicka gesperrt, Touré nicht für die Europa League spielberechtigt. Hütter blieb gar keine andere Wahl, als Falette von Beginn an ins kalte Wasser zu werfen. Das glückte hervorragend. Falette war sofort im Spiel drin, holte sich in den ersten zwei, drei Minuten durch gewonnene Zweikämpfe und geglückte Pässe die nötige Sicherheit, die ihn das restliche Spiel über den Platz tragen sollte. Makoto Hasebe, erfahrener Abwehrkollege, sagte hinterher: »Er hat einfach überragend gespielt.«

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