10. Januar 2018, 21:22 Uhr

Interview mit Bob Hanning

»Ich verschwende keinen Gedanken an ein Scheitern«

10. Januar 2018, 21:22 Uhr
Bob Hanning

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft reist als Titelverteidiger zur Europameisterschaft vom 12. bis 28. Januar in Kroatien. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht DHB-Vizepräsident Bob Hanning über die Arbeit von Bundestrainer Christian Prokop, die Erwartungen an das Team und die sportlichen Ziele.

Wie bewerten Sie die ersten Monate der Amtszeit von Bundestrainer Christian Prokop?

Bob Hanning: Er ist die Arbeit genau mit der Akribie und Konsequenz angegangen, wie wir uns das im Präsidium erhofft haben. Er hat auf dem Bestehenden aufgebaut, aber auch schon eigene Akzente gesetzt. Die EM-Qualifikationsspiele haben gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Nach dem WM-Aus gegen Katar ist wieder eine Verlässlichkeit da. Das sehe ich als ersten Schritt und Erfolg an.

Die EM ist die erste Standortbestimmung in der Ära Prokop. Welches Ziel hat der Verband ausgegeben?

Hanning: Der Anspruch einer deutschen Mannschaft muss es sein, jedes Spiel gewinnen zu können und zu wollen. Immer im Wissen, dass wir nicht jedes Spiel nur durch eine eigene gute Leistung gewinnen können, weil die Weltspitze zu breit ist.

Welche Lehren hat der DHB aus der verpatzten WM mit dem frühen Aus im Achtelfinale gezogen?

Hanning: Ganz wichtig: Es bedarf eines anderen Auftritts als bei der WM. Dort waren wir kein geschlossenes Team. Wir haben bei der EM 2016 unheimlich davon profitiert, dass alle mehr in den Topf eingezahlt haben, als sie sich rausgenommen haben. Das war bei der WM nicht der Fall. Alle haben gedacht, das wird schon wieder gut. Aber dafür ist die deutsche Nationalmannschaft nicht gut genug.

Wie schätzen Sie die Vorrundengegner ein?

Hanning: Wir treffen auf drei Nationen aus dem früheren Jugoslawien – und das in Kroatien. Doch daran können wir wachsen.

Auf dem Weg zum angestrebten Olympia-Gold 2020 war die WM 2017 ein Rückschlag. Würde das Projekt ins Wanken geraten, wenn auch die EM schiefgehen sollte?

Hanning: Das nicht, aber wir müssen jetzt unter Beweis stellen, dass wir aus den Fehlern gelernt haben. Ich verschwende keinen Gedanken an ein Scheitern.

Wie erleichtert sind Sie, dass die EM wieder im Free-TV übertragen wird, nachdem die WM nur im Internet zu sehen war?

Hanning: Ich fühle keine Dankbarkeit. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, dass die Ballsportart Nummer eins nach dem Fußball in ARD und ZDF läuft. (F.: dpa)

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