06. Juli 2017, 22:22 Uhr

Historische Zverev-Brüder

06. Juli 2017, 22:22 Uhr
Alexander Zverev schaltet in Runde zwei Frances Tiafoe aus den USA aus. Er braucht nur 93 Minuten für seine Dreisatz-Erfolg. (Foto: dpa)

Historischer Erfolg für die Zverev-Brüder und nervenstarker Auftritt von Angelique Kerber: Als erstes Bruderpaar seit 33 Jahren haben Alexander und Mischa Zverev in Wimbledon die dritte Runde erreicht. Der an Nummer zehn gesetzte Alexander zeigte am Donnerstag in dem ungleichen Duell mit dem Amerikaner Frances Tiafoe seine Extraklasse und gewann in nur 93 Minuten 6:3, 6:4, 6:3. Mischa quälte sich über fünf Sätze zu einem 6:1, 6:2, 2:6, 3:6, 6:4 gegen den Kasachen Michail Kukuschkin. Die Weltranglisten-Erste Kerber rang die frühere Halbfinalistin Kirsten Flipkens nach einer kämpferisch starken Vorstellung 7:5, 7:5 nieder.

»Es war ein Auf und Ab, aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich finde, ich habe heute einen guten Job gemacht«, sagte Kerber. In der früheren Wimbledon-Halbfinalistin Kirsten Flipkens hatte sie die erwartet unbequeme und unangenehme Kontrahentin. Mit ihren permanenten Slice-Bällen und regelmäßig eingestreuten Lobs nervte die 31 Jahre alte Belgierin ihre Kontrahentin immer wieder. »Es ist wirklich schwer gegen eine Spielerin wie sie«, sagte Kerber.

Als Kerber im ersten Satz ein Break zum 2:4 kassierte, schüttelte sie frustriert den Kopf. Beim Aufschlagverlust zum 3:5 knallte sie den Schläger auf den Rasen. Doch diesmal haderte die 29 Jahre alte Kielerin nicht mit sich, sondern kämpfte sich zurück in die Partie und zeigte eine starke Vorstellung auf Court 1. Nach 105 Minuten verwandelte sie ihren ersten Matchball. »Ich habe gespürt, dass ich besser in den Rhythmus komme. Am Ende war es ein richtig gutes Match von uns beiden«, sagte Kerber erleichtert.

Im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale bekommt es die Linkshänderin mit Shelby Rogers aus den USA zu tun. Mischa Zverev trifft auf den siebenmaligen Wimbledon-Champion Roger Federer. Alexander spielt im Kampf um sein erstes Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier gegen den österreichischen Qualifikanten Sebastian Ofner. Der 21-Jährige, Nummer 215 der Welt, gewann sensationell in fünf Sätzen gegen den an 17 gesetzten Jack Sock aus den USA.

Die Zverevs stehen als erstes Bruderpaar seit den Amerikanern Tom und Tim Gullikson 1984 in der dritten Wimbledon-Runde. Zverev junior ließ Tiafoe im letzten Spiel des Tages keine Chance und dominierte die Partie vom ersten Ballwechsel an. Mit seinem zweiten Matchball machte er den Erfolg perfekt. Deutlich schwerer tat sich sein älterer Bruder. Trotz einer 2:0-Satzführung musste er gegen die Nummer 118 der Welt drei Stunden und vier Minuten lang schuften.

Strafen für Tomic und Medwedew

Nach dem dritten Satz schulterte der Weltranglisten-30. erst einmal seine Tasche und verschwand für zehn Minuten in der Kabine. Auch den vierten Durchgang sicherte sich Kukuschkin. Es ging in den entscheidenden fünften Satz. Zunächst rief Zverev den Arzt wegen einer kleinen blutenden Wunde am kleinen Finger und spielte anschließend mit Pflaster weiter. Als Zverev 2:0 führte, brauchte auch Kukuschkin medizinische Betreuung und ein Tape am Handgelenk. Ob nun Psychospielchen oder ernsthafte körperliche Beeinträchtigungen – das Spiel war nun absolut offen. Kukuschkin glich zum 2:2 aus, gab dann aber sein Aufschlagspiel zum 4:2 für Zverev ab. Mit 57 Minuten dauerte der fünfte Satz länger als die beiden ersten Durchgänge zusammen – doch nach mehr als drei Stunden zog Zverev zum zweiten Mal nach 2008 in Runde drei ein.

Nach ihren unrühmlichen Abschieden aus Wimbledon müssen Bernard Tomic und Daniil Medwedew indes hohe Strafen zahlen. Der Tennis-Weltverband ITF belegte den Australier Tomic für seinen lustlosen Auftritt beim Erstrunden-Aus gegen den Hamburger Mischa Zverev mit 15 000 Dollar Buße. Tomic hatte nach der Niederlage in nur 84 Minuten erklärt, er habe sich auf dem Platz gelangweilt und es schwer gefunden, sich zu motivieren. Medwedew muss 14 500 Dollar für mehrmaliges unsportliches Verhalten bei der Zweitrunden-Niederlage gegen den Belgier Ruben Bemelmans zahlen. Nach dem verlorenen Fünf-Satz-Match hatte er einige Münzen vor den Stuhl von Schiedsrichterin Mariana Alves geworfen, deren Entscheidungen den Russen mehrfach erbost hatten.

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