12. Juli 2017, 22:43 Uhr

Extraklasse in der Weltspitze

Die deutschen Speerwerfer sind aktuell eine Klasse für sich. Nach dem deutschen Rekordwurf auf 94,44 Meter von Johannes Vetter gilt auch er als Titelanwärter bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in London.
12. Juli 2017, 22:43 Uhr
Johannes Vetter bringt sich mit dem deutschen Rekordwurf auf 94,44 Meter in die Favoritenrolle für die WM in London. (Foto: dpa)

Mit dem phänomenalen Rekordwurf auf 94,44 Meter hat Johannes Vetter die Hoffnung auf eine deutsche Speerwurf-Sternstunde am 12. August bei den Weltmeisterschaften in London geschürt. »Die 90,75 und 91,06 Meter sind erklärbar, die 93,06 Meter weniger und zu den 94,44 Meter fallen mir keine Worte ein«, sagte der 24 Jahre alte Olympia-Vierte am Mittwoch zu seiner unglaublichen Wurfserie beim Meeting in Luzern. »So richtig wusste ich nicht, was in mir steckt. Es ist wie mit einer Wundertüte.« Das Feuerwerk seiner 90-Meter-Würfe in den regnerischen Himmel erlebte er wie im Rausch. »Nach dem 90-Meter-Wurf hörte ich eine innere Stimme, die sagte: Mach weiter«, berichtete Vetter. Als sein Speer wenig später jenseits der 93 Meter landete, hatten sein Trainer Boris Obergföll und auch er Tränen in den Augen. »Und im vierten Versuch habe ich dann alles auf eine Karte gesetzt, es steckte so viel Adrenalin in mir«, sagte der Athlet der LG Offenburg. Mit einem fulminanten Hechtsprung kurz vor die Abwurflinie hatte er dem Speer noch einen Extra-Anschub für den Rekordflug mitgegeben.

»Das ist genial für unsere Sportart, was da aktuell passiert«, sagte sein Freund und Konkurrent Thomas Röhler aus Jena, der den deutschen Rekord erst am 5. Mai in Doha auf 93,90 Meter verbessert hatte – und schnell wieder los wurde. »Wir schreiben gerade weltweit Geschichte. Das ist eine tolle Sache, wie wir uns hochpushen.«

Der Olympiasieger von Rio mahnt zwar, trotz der deutschen Dominanz »auf dem Boden zu bleiben, weil so etwas Beispielloses bei der WM auch einem anderen gelingen könnte«, fügte jedoch selbstbewusst hinzu: »Es ist aber auch nicht vermessen zu fragen: Wie viele Medaillen können wir gewinnen?«

Schließlich liegen Vetter, Röhler und Andreas Hofmann (Mannheim/88,79 Meter) auf den ersten drei Plätzen der Weltbestenliste. »Wir sind nun mehr als fünf Meter vor der Konkurrenz. Das ist ein Niveau für sich«, meinte Vetter und betonte auch: »Klar, die Erwartungen sind nun hoch, aber die WM wird kein Selbstläufer. Ein kleiner technischer Fehler kann zehn Meter kosten.« Bisher konnten nur Detlef Michel (1983) und Matthias de Zordo (2011) Weltmeister werden – zwei deutsche Medaillengewinner im Männer-Speerwurf gab es noch nie.

Mit 71 Sportler zur WM

Schon in der Nacht nach seinem großen Wurf und nur vier Stunden Schlaf hat er sich Gedanken über den mit einem Schlag gestiegenen Erfolgsdruck gemacht. »Was erwarten nun die Menschen und die Leichtathletik von mir«, fragte sich Vetter und weiß: »Das war außergewöhnlich in Luzern. 94 Meter wirft man nicht jeden Tag.«

Die Olympiasieger Robert Harting (Diskus) und Röhler stehen an der Spitze des deutschen Aufgebots für die WM vom 4. bis 13. August in London. Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband am Mittwoch bekanntgab, wurden insgesamt 71 Sportler (32 Männer/39 Frauen) für die WM nominiert. Zu den Medaillenanwärtern im DLV-Team gehört natürlich auch Vetter. Nicht berücksichtigt wurde Diskus-Olympiasieger Christoph Harting, der die WM-Norm nicht erfüllen konnte. Bei der WM in Peking 2015 gewannen die DLV-Asse acht Medaillen (2x Gold/3x Silber/3x Bronze) und sorgten mit 113 Nationenpunkten für das beste Ergebnis bei einer WM seit 1999 in Sevilla.

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