03. März 2019, 21:03 Uhr

Ein furioses Finale

Was für eine Aufholjagd: Frankfurt liegt bis zur 89. Minute mit 1:2 gegen Hoffenheim zurück. Doch Haller und Paciencia drehen dieses rasante Spiel in einen 3:2-Sieg der Eintracht. Das Stadion bebt, der Traum von der Champions League lebt.
03. März 2019, 21:03 Uhr
Der Eintracht-Held gegen Hoffenheim: Der eingewechselte Goncalo Paciencia bejubelt seinen späten Treffer zum 3:2-Sieg der Frankfurter. (Foto: Hübner)

Eintracht Frankfurt


Der unerreichte Jürgen Grabowski neigt gewiss nicht zu übermäßigen Gefühlsausbrüchen, Superlative sind dem besten Frankfurter Spieler aller Zeiten fremd. Und so urteilte die heute 74 Jahre alte Eintracht-Ikone nach diesem völlig irren Finale gegen die TSG Hoffenheim in der ihm eigenen Nüchternheit. »Das ist Fußball, das kann man sich ansehen. Da gibt es nix zu meckern.« Man könnte das, was die Eintracht derzeit auf den Fußballfeldern dieser Republik so abzieht, auch etwas flammender beschreiben. Denn allerspätestens nach diesem wahnwitzigen Krimi gegen die TSG Hoffenheim samt 3:2-Siegtreffer in der sechsten Minute der Nachspielzeit ist klar, dass die Eintracht so mit die heißeste Nummer im deutschen Fußball ist und die Bundesliga in ihren Grundfesten rockt.

Durch den mit viel Hingabe und noch mehr Willen herausgeschufteten 3:2-Sieg bleiben die Hessen vorne dabei, haben den Rückstand auf die Borussia aus Mönchengladbach, die auf Rang vier und damit auf dem ersten Champions-League-Rang liegt, auf drei Zähler verkürzt und die TSG Hoffenheim auf sechs Punkte distanziert. »Das ist schon ein Pfund«, bewertete Sportdirektor Bruno Hübner. Nach 24 Spieltagen hat die Eintracht 40 Zähler auf ihr Konto gepackt – so viele wie seit 26 Jahren nicht mehr. Seit neun Spielen in diesem Jahr ist die Eintracht nun schon wieder ungeschlagen, sie hat die letzten drei Partien am Stück gewonnen und dabei immer mindestens drei Tore erzielt (4:1 gegen Donezk, 3:0 in Hannover, 3:2 gegen Hoffenheim) – es ist die zweite Serie, nachdem sie schon im Herbst einen Lauf und elf Begegnungen nicht verloren hatte. »Das«, sagt Trainer Adi Hütter, »macht mich stolz.«

Zufall ist der Aufschwung nicht, die Mannschaft vereint Mentalität mit Qualität. Die Eintracht pflügt förmlich durch die Bundesliga, walzt über die Konkurrenten hinweg. Und sie hat sich, wenn man so will, auch eine Portion Fortune verdient. Denn der Sieg gegen die starken Sinsheimer war in diesem vogelwilden Fußballspiel zwar nicht gänzlich unverdient, aber doch auch recht glücklich. Zu Beginn der zweiten Hälfte taumelten die Frankfurter nämlich von einer Verlegenheit in die nächste, da waren die Gäste klar dominierend und spielerisch überlegen, sie drehten die Eintracht-Führung durch einen von Ante Rebic ins Tor abgefälschten Freistoß von Filip Kostic (20.) in eine 2:1-Führung um, Joelinton (43.) und Ishak Belfodil (60.) trafen. Und wer weiß, wie die Begegnung geendet wäre, wenn ihr Verteidiger Kasim Adams nicht völlig zu Recht nach 65 Minuten und einem Foul an Sebastien Haller mit Gelb-Rot vom Platz geflogen wäre. Auch Hütter bezeichnete diese Hinausstellung als »Knackpunkt«. Was dann aber folgte, war großes Kino im Stadtwald. In der folgenden halben Stunde zogen die Hessen ein ungeheuerliches Powerplay auf, und als Sebastien Haller dann tatsächlich den Ball nach einer Flanke von Mijat Gacinovic in die Masche zum Ausgleich geköpft hatte, das war in der 89. Minute erst, da hielten sich die Spieler nicht lange mit Jubeln auf, sondern sprinteten zurück zur Mittellinie, um das Spiel schnell fortsetzen zu können. Mit einem Punk waren sie nicht zufrieden.

Und dann, ganz zum Schluss, spielte Stratege Makoto Hasebe einen letzten feinen Pass zu Haller, der den Ball butterweich auf den eingewechselten Goncalo Paciencia flankte – und der Portugiese sich per Kopf zum Helden des Nachmittags aufschwang. Anschließend sind »alle emotionalen Dämme« gebrochen, wie Hütter treffend sagte. Das Stadion glich einem Tollhaus, und es gab niemanden, der daran zweifelte, dass der Frankfurter Hexenkessel die Mannschaft zum Sieg getragen hatte. Diese Wucht von außen verlieh den Spielern die Kraft, den inneren Schweinehund mehr als einmal zu überwinden. Zeit, um dieses Husarenstück zu genießen, bleibt den Frankfurtern nicht. Schon am Donnerstag wartet das nächste Highlight, das Achtelfinalhinspiel der Europa League gegen Inter Mailand.

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