24. Mai 2020, 20:49 Uhr

Ein Pulverfass

24. Mai 2020, 20:49 Uhr
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Aus der Redaktion

Vor dem ersten per Videokonferenz organisierten DFB-Bundestag der 120-jährigen Verbandshistorie am heutigen Montag ab 13 Uhr knirscht es heftig im Gebälk. Die Zerreißprobe der Scharmützel-Spielklasse Dritte Liga hat neue Wendungen erfahren.

Der abstiegsgefährdete 1. FC Magdeburg verzichtete auf eine geplante Corona-Testung seiner Spieler am Freitag und beantragte die Verlegung seiner aufs kommende Wochenende angesetzten Saisonfortsetzung. Grund laut des Tabellen-15.: Das vom DFB gestellte Labor habe mitgeteilt, »dass derzeit alle Testkapazitäten erschöpft« seien. Der Verband entgegnete, es gebe »keinerlei Kapazitätsproblem«. Magdeburg zog den ersten Reihentest dann tags darauf grollend nach und tritt nach einem Trainingslager in Niedersachsen kommenden Samstag »unter Vorbehalt« juristischer Schritte in Kaiserslautern an. Die gegenseitigen Vorwürfe werden kleinteilig über die Medien transportiert und dokumentieren im Grunde nur die vollkommene gegenseitige Abneigung.

Renitente Klubs

Auch der lange schwelende Streit des überforderten Verbands mit dem Tabellenzweiten SV Waldhof Mannheim erfuhr neue Dynamik. Der DFB bestätigte den Eingang einer Rechnung der Waldhöfer (über 21 000 Euro). Der Klub möchte die Kosten für Desinfektionsmaterial, Masken und Arbeitszeit für den Hygienebeauftragten und seine beiden Assistenten ebenso erstattet bekommen wie sein einwöchiges Quarantäne-Camp (im Gegenwert von 58 000 Euro).

Der DFB, der die Klubs vergangene Woche binnen 24 Stunden mit sich widersprechenden Informationen bezüglich des Re-Starts versorgte und einige damit arg verärgerte, ist es leid, von den renitenten Vereinen am Nasenring durch die Manege geführt zu werden. Er kontert öffentlich und beschied Waldhof Mannheim kühl, zur Begleichung der Kosten würden den Klubs bekanntermaßen »Unterstützungsgelder der DFL zur Verfügung gestellt«, nicht aber einzelne Rechnungen beglichen.

Echte Debatte?

Insgesamt sind das 7,5 Millionen Euro für Dritte Liga und Frauen-Bundesliga. In DFB und DFL ärgert man sich inzwischen, die Bereitstellung dieser Gelder nicht an die Bedingung geknüpft zu haben, dass die Klubs die Saisonfortsetzung aktiv unterstützen. Das Gegenteil ist genau dort der Fall, wo nach einem Re-Start der Klassenerhalt oder der Aufstieg gefährdet ist. So wollte es dem Rang-18. Preußen Münster lange nicht gelingen, einen Hygienebeauftragten zu benennen. Auch die Verordnungen der Landesregierungen von Sachsen-Anhalt und Thüringen, Mannschaftstraining erst am 27. Mai bzw. 5. Juni zu erlauben, wirkt verdächtig nach Unterstützung im Abstiegskampf für die Klubs aus Magdeburg (15.), Halle (16.) und Jena (Letzter).

Dazu passt, dass die Fußball-Landesverbände der beiden Bundesländer für den DFB-Bundestag den Abbruch der Drittliga-Saison ohne Absteiger beantragt haben. Dem Antrag werden ebenso wenig Chancen eingeräumt wie jenem des Saarlandes auf eine künftige Zweiteilung der Liga. Man darf gespannt sein, ob es unter den 262 Delegierten erstmals bei einem Bundestag zu einer echten Debatte kommen wird - noch dazu unter erschwerten virtuellen Bedingungen. JAN CHRISTIAN MÜLLER



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