13. August 2017, 23:22 Uhr

Edelmetall im WM-Endspurt

Usain Bolt rennt und stürzt – und geht in die Rente. Statt auf dem Podest zu stehen, liegt er auf der Bahn. Die deutschen Leichtathleten haben am abschließenden WM-Wochenende gleich vier Medaillen bejubelt. Gold für Speerwerfer Johannes Vetter krönte den Super-Samstag.
13. August 2017, 23:22 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA

Gold für Speerwerfer Johannes Vetter, Silber für Zehnkämpfer Rico Freimuth, Bronze für seinen Kollegen Kai Kazmirek und Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz: Am dramatischen Abschiedsabend mit dem Sturz von Pechvogel Usain Bolt haben die deutschen Leichtathleten eine glänzende Stadionshow abgeliefert. Mit vier Medaillen innerhalb von 76 Minuten lieferten sie am vorletzten Wettkampfabend der Weltmeisterschaften in London ein eindrucksvolles Lebenszeichen.

Die anfangs mickrige DLV-Bilanz kann sich nun sehen lassen. Zusammen mit Silber für Siebenkämpferin Carolin Schäfer zu WM-Beginn haben die deutschen Athleten fünfmal Edelmetall erkämpft: Einmal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze. Bolts einmalige Sportkarriere ging indes mit einem Sturz im Staffelfinale fast schon tragisch zu Ende. Der schnellste Sprinter der Welt strauchelte am Samstagabend als Schlussläufer von Jamaikas Quartett nach einem Krampf 50 Meter vor dem Ziel. Seine Teamkollegen Omar McLeod, Julian Forte und Yohan Blake mussten den 30-Jährigen trösten.

Der Vorzeigeathlet im deutschen Team ist in diesem Jahr Johannes Vetter: Der Modellathlet aus Offenburg krönte seinen überragende Saison mit Gold. Vetter kam auf 89,89 Meter, Zweiter wurde der Tscheche Jakub Vadlejch mit 89,73 Metern vor seinem Landsmann Petr Frydrych (88,32). »Da fehlen mir die Worte«, meinte der dritte deutsche Speerwurf-Weltmeister. »Unglaublich!« Bitter war der Abend für Olympiasieger Thomas Röhler: Nur um sechs Zentimeter segelte der Karbonspeer des Jenaers an Bronze vorbei. »Das ist Sport und menschlich«, sagte Röhler. »Da war heute ein anderer besser.« »Jetzt ist endlich alles raus, ich bin froh, dass es Johannes geschafft hat. Leider hat es nicht zu den zwei Medaillen gereicht, von denen wir geträumt hatten, vielleicht sogar drei«, sagte Bundestrainer Boris Obergföll.

Die starken deutschen Zehnkämpfer sanken nach dem 1500-Meter-Lauf geschafft, aber glücklich auf die Bahn: Freimuth sammelte als Zweiter 8564 Punkte, für ihn ist es nach Bronze 2015 die zweite WM-Medaille. Kazmirek wurde mit 8488 Zählern Dritter. So einen Coup gab es für deutsche Zehnkämpfer zuvor nur bei der ersten WM 1983 durch Jürgen Hingsen und Siegfried Wentz. Weltmeister wurde der Franzose Kevin Mayer mit der Weltjahresbestleistung von 8768 Punkten.

In der Sprintstaffel über 4x 100 Meter liefen Tatjana Pinto (Paderborn), Lisa Mayer (Wetzlar), Gina Lückenkemper (Dortmund) und Rebekka Haase (Thum) nach einem verpatzten Wechsel um 17 Hundertstel an Bronze vorbei. Hürdensprinterin Dutkiewicz hatte das Medaillensammeln der Deutschen am Samstag mit Bronze eröffnet. »Das ist so toll, ich kann das nicht glauben. Die ganze Saison lief wie am Schnürchen«, sagte die deutsche Meisterin aus Wattenscheid. In 12,72 Sekunden kam sie hinter der Australierin Sally Pearson (12,59) und der Amerikanerin Dawn Harper Nelson (12,63) ins Ziel.

Trotz eines fulminanten Schlussspurts verpasste Doppel-Olympiasieger Mo Farah sein drittes WM-Double, gewann aber Silber. Nach seinem Triumph über 10 000 Meter musste sich der Brite über 5000 Meter in 13:33,22 Sekunden aber nur dem Äthiopier Muktar Edris um 43 Hundertstelsekunden geschlagen geben.

Am Sonntag kam keine weitere Medaille für das deutsche Team hinzu. Der Leverkusener Hochspringer Mateusz Przybylko kam mit 2,29 Metern nicht an seine Saisonbestleistung von 2,35 Metern heran. Topfavorit Mutaz Essa Barshim aus Katar feierte sein erstes WM-Gold (2,35). Bei den Frauen wurde Marie-Laurence Jungfleisch aus Stuttgart mit 1,95 m Vierte. Und auch Diskuswerferin Nadine Müller hat einen Podestplatz und damit ihre dritte WM-Medaille verpasst. Die 31 Jahre alte Hallenserin wurde am Sonntagabend mit 64,13 Metern Sechste. Top-Favoritin Sandra Perkovic erkämpfte ihren zweiten Titel nach 2013 in Moskau (70,31). Die Berlinerin Julia Harting verpasste als Neunte den Endkampf knapp.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos