17. Dezember 2017, 21:20 Uhr

3. Liga WM 2018

Drei Gegentore in Überzahl beim Aufsteiger Sportliche Talfahrt gestoppt Real verteidigt Titel Spanien bestreitet Einmischung

17. Dezember 2017, 21:20 Uhr
Hamit Altintop wird von seinen Darmstädter Mannschaftskollegen nach dem Last-Minute-Ausgleich fast erdrückt. (Foto: dpa)

Der SV Wehen Wiesbaden hat ein erfolgreiches Halbjahr in der 3. Fußball-Liga mit einer Enttäuschung beendet. Der Tabellendritte verlor am Samstag mit 3:4 (1:1) beim Aufsteiger FC Carl Zeiss Jena. Trainer Rüdiger Rehm kritisierte seine Mannschaft danach deutlich. »Da fehlen einem fast die Worte«, sagte er und nannte die Leistung »unterirdisch«. »Wir haben zwar eine tolle Halbserie gespielt, aber das, was wir heute in der zweiten Halbzeit abgeliefert haben, bleibt leider hängen. Für uns ist es sehr, sehr ärgerlich, so in die Winterpause zu gehen.«

Durch ein Tor von Sascha Mockenhaupt gingen die Wehener in der 35. Minute in Führung. Doch danach traf Jenas Stürmer Timmy Thiele gleich viermal (43./51./55./64.). Die beiden Anschlusstreffer durch Stephan Andrist (82.) und David Blacha (90.) fielen zu spät. Besonders bitter aus Wehener Sicht war, dass sie die drei Gegentore in der zweiten Halbzeit in Überzahl kassierten. Denn Jenas Verteidiger Dennis Slamar hatte in der 45. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen. »In Überzahl verlieren wir zum Teil den Faden. Das muss eine Kopfsache sein«, sagte Rehm. »Es geht nicht, dass wir als Spitzenmannschaft in dieser Saison drei oder viermal eine Überzahlsituation aus den Händen geben.«

Dirk Schuster rannte nach dem Schlusspfiff jubelnd auf den Platz, nachdem der SV Darmstadt 98 seine sportliche Talfahrt in letzter Sekunde gestoppt hatte. Durch einen Glücksschuss von Hamit Altintop in der vierten Minute der Nachspielzeit erreichten die »Lilien« am Sonntag noch ein 1:1 (0:1) im Kellerduell bei der SpVgg Greuther Fürth und verhinderten dadurch, dass sie zum ersten Mal in dieser Saison auf einen direkten Abstiegsplatz der 2. Fußball-Bundesliga abrutschten.

So endete die Rückkehr des neuen und alten Trainers am Sonntag wenigstens mit einem Teilerfolg. »Das ist eine große Erleichterung für uns. Für die Moral der Truppe ist dieser Punkt eminent wichtig«, sagte Schuster. Maximilian Wittek hatte den Tabellenvorletzten aus Fürth in der 45. Minute per Freistoß in Führung gebracht. Als niemand mehr mit einem Tor rechnete, flog eine verunglückte Flanke von Altintop ins lange Eck. »Ich kann das gar nicht beschreiben. Ich habe schon einiges mitgemacht im Fußball. Aber was in den letzten Wochen und Monaten zusammenkam, war schon sehr emotional«, sagte der 35 Jahre alte Routinier.

»Die Mannschaft hat bis zur letzten Sekunde daran geglaubt, dass wir hier noch etwas bewegen und mitnehmen können«, meinte auch Schuster. Aller Jubel dürfe aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die »Lilien« jetzt seit zwölf Spielen ohne Sieg sind und als Bundesliga-Absteiger nur auf dem 16. Platz überwintern.

Schuster hatte seinen glücklosen Vorgänger Torsten Frings erst zu Beginn der Woche abgelöst. Die Aufstellung änderte der frühere Aufstiegsheld nur auf zwei Positionen, die Spielweise passte er jedoch der gefährlichen Situation an. »Mir ging es vor allem darum, die Mannschaft stabil zu kriegen und ein besseres Zweikampfverhalten an den Tag zu legen. Das ist uns gut gelungen«, sagte der 49-Jährige. »Hinten galt für uns eine Null-Risiko-Strategie. Fußballerisch müssen wir uns aber steigern.«

Die Darmstädter profitierten in diesem Kellerduell auch davon, dass die Fürther in der zweiten Halbzeit zahlreiche Konterchancen vergaben. Diese Fahrlässigkeit rächte sich am Ende. Hinzu kam noch der Ärger der Gastgeber über den Schiedsrichter: »Wenn drei Minuten angezeigt werden, verstehe ich nicht, warum es vier Minuten Nachspielzeit gibt«, sagte Abwehrspieler Marco Caligiuri.

Kleiner Dämpfer für Kiel

Unterdessen hat Holstein Kiel die Krönung seines famosen Fußballjahres 2017 verpasst und auf dem möglichen Weg in die Bundesliga einen Dämpfer kassiert. Durch die 1:3 (0:0)-Niederlage am Sonntag beim SV Sandhausen geht Kiel als Tabellenzweiter hinter Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf in die Winterpause. »Das bringt uns nicht um. Wir sind Aufsteiger und haben eine gute Runde gespielt«, sagte Holstein-Trainer Markus Anfang nach der dritten Saison-Niederlage.

Kiel war erst vergangenen Mai aufgestiegen und holte in den bisherigen 18 Zweitliga-Saisonpartien 33 Punkte. Gegen Sandhausen ging das Team allerdings leer aus. Leart Paqarada (58. Minute), Lucas Höler (60.) und Richard Sukuta-Pasu (71.) sorgten mit ihren Treffern für Sandhausen für den Sturz des Herbstmeisters. »Wir waren in der ersten Hälfte die spielbestimmende Mannschaft, haben aber das Tor nicht gemacht und wurden knallhart bestraft«, sagte Anfang.

Club-WM: Real Madrid hat als erster Verein in der Geschichte der Club-Weltmeisterschaft seinen Titel verteidigt. Der Champions-League-Sieger und spanische Fußballmeister gewann am Samstag das Finale in Abu Dhabi gegen den Südamerika-Meister Grêmio Porto Alegre mit 1:0. Das Siegtor erzielte Cristiano Ronaldo, der in der 53. Minute einen Freistoß aus etwa 20 Metern direkt verwandelte. Der Weltfußballer profitierte dabei allerdings davon, dass die Brasilianer in ihrer Abwehrmauer eine Lücke ließen. Die Madrilenen hatten bereits das Kunststück fertiggebracht, als erster Club den Titel des Champions-League-Siegers zu verteidigen. Den Titel des Club-Weltmeisters errangen sie nun insgesamt zum dritten Mal – ebenso oft wie der bisherige Rekordhalter FC Barcelona.

England: Der englische Rekordmeister Manchester United hat den zweiten Tabellenplatz in der Premier League am 18. Spieltag verteidigt. Bei West Bromwich Albion setzte sich das Team von Trainer José Mourinho mit 2:1 (2:0) durch. Der Belgier Romelu Lukaku (27. Minute) und der englische Nationalspieler Jesse Lingard (35.) trafen auswärts für die Red Devils, die ohne den gesperrten Paul Pogba auskommen mussten. Als Tabellenzweiter hat Man United weiter elf Punkte Rückstand auf den noch ungeschlagenen Spitzenreiter Manchester City. Der Lokalrivale gewann am Vortag mit 4:1 gegen Tottenham Hotspur und baute mit dem 16. Erfolg in Serie seinen Rekord in der Premier League aus. Nationalspieler Ilkay Gündogan leitete den Erfolg mit seinem ersten Saisontreffer ein.

Frankreich: Mit vier Toren seines Superstar-Trios und Weltmeister Julian Draxler in der Startelf hat Paris den nächsten Sieg gefeiert. Der Spitzenreiter der französischen Ligue 1 gewann bei Stade Rennes mit 4:1 (2:0) und verteidigte seinen Neun-Punkte-Vorsprung auf Verfolger AS Monaco. 222-Millionen-Mann Neymar (4./76. Minute), Kylian Mbappé (17.) und Edinson Cavani (75.) sorgten für den nie gefährdeten Auswärtssieg des Tabellenführers. Torhüter Kevin Trapp saß nur auf der Bank. Nach Gelb-Rot für Benjamin André von Stade Rennes (63.) spielte PSG zunächst in Überzahl – aber nur bis zur 89. Minute: Kurz vor Schluss sah auch Presnel Kimpembe die Gelb-Rote Karte.

Italien: Der italienische Fußball-Meister Juventus Turin hält in der Serie A den Kontakt zur Tabellenspitze. Am Sonntag setzten sich die Turiner, bei denen Weltmeister Sami Khedira in der Startelf stand, gegen den FC Bologna mit 3:0 (2:0) durch. Miralem Pjanic (27.), Mario Mandzukic (36.) und Blaise Matuidi (64.) trafen für Juventus, das nun mit einem Punkt Rückstand Zweiter (41 Punkte) hinter dem neuen Spitzenreiter SSC Neapel (42) ist. Inter Mailand rutschte nach einem 1:3 (1:1) gegen Udinese Calcio mit weiterhin 40 Zählern von Rang eins auf drei ab. Für Inter war es am 17. Spieltag die erste Niederlage der Saison. (dpa)

Spanien hat gelassen auf die Ankündigung der FIFA reagiert, eine mögliche Einmischung des spanischen Staates in die Belange des Fußballs zu untersuchen. Ein solches Verfahren kann im Extremfall einen Ausschluss der Selección von der Weltmeisterschaft 2018 in Russland zur Folge haben. »Dass Spanien nicht zur WM fahren könnte, ist ein Szenario, das ich überhaupt nicht in Betracht ziehe«, sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. »Wir werden nicht nur hinfahren, wir werden gewinnen.«

Der Fußball-Weltverband hatte Spanien eine staatliche Einmischung in interne Angelegenheiten des Verbandes RFEF vorgeworfen. Dabei geht es konkret darum, dass die – der Regierung unterstellte – Sportbehörde CSD (Oberster Sportrat) neue Vorstandswahlen für den spanischen Fußballverband RFEF verlangt. Gegen den Ex-Verbandspräsidenten Angel Maria Villar wird wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt.

Die FIFA hatte zuvor in einer Mitteilung angekündigt, dass Delegationen der FIFA und der Europäischen Fußball-Union UEFA nach Madrid entsandt werden, um die Situation zu prüfen. Wie die Zeitung »El País« am Sonntag berichtete, bleibt die Regierung jedoch bei ihrer Haltung. Die Sportbehörde halte an ihrer Forderung fest, dass die Wahlen im RFEF wiederholt werden müssen. Madrid geht nach Informationen des Radiosenders Cadena Ser davon aus, dass die FIFA nicht die Absicht habe, angesichts des Korruptionsverfahrens um den früheren RFEF-Präsidenten sich mit Spanien ernsthaft anzulegen. Der jetzige FIFA-Boss Gianni Infantino habe nicht mehr die Macht, die sein Vorgänger Joseph Blatter vor zehn Jahren gehabt habe.

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