01. April 2019, 22:37 Uhr

Die beste Zeit seiner Karriere

Seinen ehemaligen Verein erledigt Filip Kostic fast im Alleingang. Seit Wochen ist der Serbe in Topform, zwei Tore erzielt Frankfurts Außenverteidiger gegen den VfB Stuttgart. Auf dem Platz mit enormer Wucht, abseits davon ist er das Gegenteil.
01. April 2019, 22:37 Uhr
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Aus der Redaktion
In bestechender Form: Filip Kostic freut sich über die beiden Tore beim klaren Sieg seiner Frankfurter Eintracht über den VfB Stuttgart. (Foto: dpa)

Ganz zum Schluss zeigte der Matchwinner, dass er nicht nur ein herausragender Fußballer ist, sondern auch, dass er gute Manieren hat. Über seinen Ex-Verein, den gerade geschlagenen VfB Stuttgart, verlor Filip Kostic kein böses Wort. Er habe eine schöne Zeit bei den Schwaben gehabt, der VfB sei ein »großer Klub«, der es verdient habe, auch weiterhin in der Bundesliga zu spielen. Dann bedankte er sich artig für die Aufmerksamkeit, verabschiedete sich von der Dolmetscherin – und entschwand der Kabine. Dorthin hatte er bereits ein paar Minuten vorher den Spielball geschleppt, gut und sicher verstaut in seiner Sporttasche. »Heute«, sagte der 26-Jährige nach dem 3:0-Sieg, »ist ein besonderer Tag für mich.«

Als der serbische Nationalspieler am Sonntag nach 89 Minuten ausgewechselt wurde, erhoben sich die Zuschauer im Stadtwald von ihren Sitzen. Beifall in ohrenbetäubender Lautstärke brandete auf, so frenetisch ist in Frankfurt schon lange kein Spieler mehr abgefeiert worden. »Dieser Applaus«, befand Trainer Adi Hütter, »spricht Bände.« Kostic hat gespürt, dass an diesem Abend etwas Spezielles passiert ist. »Ich bedanke mich für die Unterstützung«, sagte er aber nur ganz leise. Wieder so ein Satz, der typisch für den zurückhaltenden, fast scheuen Profi ist. Kostic tritt jedem Mitarbeiter gegenüber höchst respektvoll auf. »Er kommt jeden Morgen mit einem großen Lächeln im Gesicht zum Training«, erzählte Kapitän Gelson Fernandes.

Umso überraschender sind die Schubladen, in denen er steckte, als er aus Hamburg nach Frankfurt kam. Er galt als Söldner und Abzocker, als schwieriger Charakter sowieso, seine Lustlosigkeit könne sich schon mal auf die Mannschaft übertragen, hieß es. Wer Kostic in Frankfurt erlebt, der kann nur schlussfolgern, dass in Hamburg und Stuttgart ein Doppelgänger unterwegs gewesen sein muss. »In was für Schubladen er steckte, das hat mich total enttäuscht«, sagte Hütter. Nachvollziehen habe er das zu keinem Zeitpunkt können.

Auf dem Feld verwandelt sich der nette Kostic hingegen in einen Sportler, der mit so viel Wucht und Power über das Feld brummt, dass gegen ihn schlichtweg kein Kraut gewachsen zu sein scheint. Kostic hatte entscheidenden Anteil am 3:0 (1:0)-Erfolg. Sein »eminent wichtiges 1:0« (Hütter) ebnete der Eintracht den Weg. Kostic war es auch, der den VfB mit seinem zweiten Streich entscheidend ausknockte (64.). Der Linksfuß ist in einer beeindruckenden Verfassung, in den letzten fünf Bundesligapartien war er an sieben Treffern beteiligt. »Für das, was er leistet, belohnt er sich fast noch zu wenig«, findet Kollege Sebastian Rode.

Bevor Filip Kostic dann in der Kabine entschwand, wollte noch einer wissen, ob das nun die beste Zeit seiner Karriere sei. Filip Kostic antwortete, wie ein Filip Kostic zu antworten pflegt, er sagt nur: »Ja.«



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