22. Februar 2019, 18:59 Uhr

Nach dem Polizeieinsatz

Dicke Luft zwischen Eintracht und Innenminister Beuth

22. Februar 2019, 18:59 Uhr

Eintracht Frankfurt


Mit schweren Anschuldigungen gegen Eintracht-Präsident Peter Fischer hat Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) dem Fußball-Bundesligisten im Streit um den juristisch fragwürdigen Polizeieinsatz vor dem Europa-League-Spiel gegen Schachtjor Donezk den Schwarzen Peter zugeschoben. Beuth warf Fischer am Freitag vor, sich nicht ausreichend von der gewaltbereiten Szene des DFB-Pokalsiegers zu distanzieren.

Durch seine höchst bedenklichen und inakzeptablen Äußerungen vor der Partie habe er unverantwortliche Signale an das problematische Fan-Klientel der Eintracht gesendet, kritisierte der Minister in Wiesbaden. »Ich habe dafür kein Verständnis«, sagte Beuth. Das sei auch der Auslöser für den von der Eintracht scharf kritisierten Polizeieinsatz gewesen. Die Verharmlosung von Straftaten im Umfeld von Fußballspielen müsse endlich beendet werden, forderte Beuth. Die Vereinsführung der Eintracht hatte die massiven Polizeikontrollen schon am Donnerstagabend verurteilt, weil diese ausschließlich auf Grundlage der im Netz verbreiteten Videobotschaft von Fischer veranlasst worden seien. Der Präsident des Gesamtvereins hatte am Tag vor dem Spiel erklärt, das Stadion müsse brennen.

»Das bezog sich auf das Sportliche und die Stimmung und war keinesfalls ein Aufruf zu Gewalt«, sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann. Den Einsatz bezeichnete er als »drastische Maßnahme, die ich für rechtsstaatlich bedenklich halte«. Er habe versucht, den Frankfurter Polizeichef Gerhard Bereswill in drei Telefonaten davon abzubringen – letztlich vergeblich. Der Polizeieinsatz sei notwendig und angemessen gewesen, betonte dagegen der Innenminister und verwies auf die Aussage des Eintracht-Präsidenten. Dieser habe gesagt: »Wenn ich sage, dass das Stadion brennt, dann brennt das morgen. Und zwar so, dass ihr kaputtgeht, weil ihr so viel Licht habt und das Spiel für euch etwas neblig wird.«

Da sich im Stadion fast 50 000 Menschen befanden und das problematische Fan-Klientel der Eintracht bekannt sei, habe die Polizei zur Gefahrenabwehr handeln müssen und den Einsatz auf einen richterlichen Beschluss hin professionell bewältigt. »Die hessische Polizei lässt sich weder von Fußballvereinen noch von vermeintlichen Fans diktieren, wie sie die Sicherheit der Bürger gewährleistet«, mahnte der Minister.

Nach der Durchsuchung des Frankfurter Fanblocks beschlagnahmte die Polizei ein als Reaktion der Fans kurzfristig angefertigtes Transparent, auf dem Beuth beleidigt worden sein soll. Dabei sei es zu Rangeleien mit Fans gekommen, teilte die Polizei in der Nacht auf Freitag mit. Niemand sei verletzt worden. Dem widersprachen Fanvertreter der Eintracht. In einem Statement der Nordwestkurve heißt es, »entgegen der Behauptungen der Polizei« hätten mehrere Personen erhebliche Verletzungen erlitten, »beispielsweise einen Bruch beider Unterarmknochen« sowie »einen gebrochenen Lendenwirbel«. Das Vorgehen der Polizei wurde als ein »bewusst herausgeforderter Schritt zur Eskalation der Situation« scharf verurteilt.

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