01. August 2018, 21:21 Uhr

Der »Stinkefinger« feiert 50.

01. August 2018, 21:21 Uhr

Es bleibt immer etwas hängen. Kaum einer weiß das besser als Stefan Effenberg. Der frühere Fußball-Nationalspieler sorgte mit seinem »Stinkefinger« für einen Skandal, mit seiner Frisur im Raubtier-Look für Erstaunen und dem Fünf-Monats-Missverständnis beim SC Paderborn für ein vorzeitiges Ende seiner Trainerkarriere. Garniert wurde das Ganze mit dem EM-Finale 1992, drei Meisterschaften mit dem FC Bayern, dem Triumph in der Champions League 2001 sowie recht eigenwilligen Poltereien. Hinter den streitlustigen und mitteilsamen Effenberg trat nicht selten der Ausnahmefußballer Effenberg zurück. Für beide, so schien es manchmal, war zeitgleich einfach nicht genügend Platz. Wenn der 35-malige Nationalspieler an diesem Donnerstag seinen 50. Geburtstag feiert, dann wird auch über diese beiden Pole zu sprechen sein.

Effenberg, der Hamburger Jung, ist heutzutage vor allem als TV-Experte bekannt. Wer eine klare Meinung sucht, findet sie bei ihm. Nicht immer polternd, aber gerne pointiert. So war er schon als Spieler, so war er auch als Trainer. Wenn auch nicht lang.

»Der eine ist The Special One, der andere The Normal One, I am The New One«, meinte er im Oktober 2015. Damals wurde Effenberg beim Zweitligisten SC Paderborn als neuer Coach vorgestellt und gefragt, was für ein Trainertyp er denn so sei. In Anlehnung an die Selbsteinschätzungen von José Mourinho und Jürgen Klopp kam ihm eben dieses »The New One« über die Lippen. Am Ende war er »The Short One«, nach knapp fünf Monaten war dort Schluss. Paderborn habe ihm »geschadet, weil manche Medien schlechte Stimmung gegen mich verbreiteten«, befand Effenberg, »und mich in die Schublade steckten, in der ich vor 20 Jahren war«.

Aus dieser Schublade dürfte der einstige kampfstarke Spielmacher, der vor allem während seiner zweiten Bayern-Phase von 1998 bis 2002 wie kaum ein anderer das Beiwort Führungsspieler verdiente, nie ganz rauskommen. Und das, obwohl es von diesem einen denkwürdigen Moment kein einziges Foto und auch keine Filmaufnahme gab. Effenberg ließ sich, wie er es schilderte, bei der WM 1994 im Spiel gegen Südkorea unbeobachtet von den TV-Kameras zur Geste mit ausgestrecktem Mittelfinger gegen provozierende Fans hinreißen.

Nationaltrainer Berti Vogts und DFB-Präsident Egidius Braun verfügten anschließend: Effenberg wird aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Der »Tiger«, wie er später wegen der auf den Hinterkopf gefärbten Raubkatze genannt wurde, inszenierte seinen Rausschmiss als zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekanntes Medienspektakel. »Es war eine Überreaktion, die mir jetzt im Nachhinein leidtut. Nur man sollte beide Seiten sehen. Nicht nur die des bösen Stefan Effenberg, sondern auch, wie die Zuschauer sich verhalten haben«, erklärte er.

Über den guten Stefan Effenberg wurde dann zum Beispiel so gesprochen. »Mit ihm sind viele Erfolge, die wir gemeinsam erzielt haben, ganz eng verbunden. Und ich bin ihm dafür sehr dankbar«, lobte ihn einst der heutige Bayern-Präsident Uli Hoeneß. »Wo andere sich verstecken, da zeigt sich Effenberg«, meinte sein früherer Trainer Ottmar Hitzfeld einmal voller Hochachtung über den Mann, der in seinen besten Zeiten ein echter »Cheffe« war.

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