31. Mai 2017, 21:47 Uhr

Fußball

Chaos-Club 1860 München liegt in Trümmern

31. Mai 2017, 21:47 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA

Randale, Rücktritte, Ratlosigkeit: Der einst so stolze Fußball-Traditionsverein TSV 1860 München liegt nach dem von schlimmen Fan-Ausschreitungen überschatteten Absturz aus der 2. Liga in Trümmern. Eine ohnehin chaotische Saison endete mit skandalösen Begleitumständen und Rätselraten über den schwierigen Neubeginn. Im Mittelpunkt der Spekulationen steht der unberechenbare und mit seinen kühnen Visionen krachend gescheiterte Investor Hasan Ismaik.

Der Jordanier, an dessen Geldtropf die »Löwen« auch für den Erhalt der Drittliga-Lizenz hängen, sprach sich selbst von einer Mitschuld am Desaster frei. »Das hat nichts mit meiner Person zu tun, sondern dieser Verein ist momentan geprägt von skrupellosen Machtkämpfen und internen Querelen, die es nun zu beseitigen gilt. Nur dann hat der TSV 1860 wieder eine Zukunft«, übermittelte Ismaik via Facebook.

»Unsere erste Aufgabe ist es jetzt, einen konkreten Plan für die Zukunft zu machen«, teilte der Verein mit und versicherte: »Mit dem Fall dritte Liga haben wir uns bereits befasst.« Aber wer setzt die Planungen fort und um? Präsident Peter Cassalette trat direkt nach dem beschämenden 0:2 im Relegations-Rückspiel gegen den aus der vierten Liga nach oben durchmarschierten SSV Jahn Regensburg zurück. Geschäftsführer Ian Ayre war schon vor dem Spiel geflüchtet. Und der mit großen Ambitionen angetretene Trainer Vitor Pereira erklärte sein ambitioniertes »Projekt« für gescheitert.

Die Schlussbilder waren besonders beschämend für jene 1860-Fans, die dem Verein stets die Treue halten, gemäß dem Motto: »Einmal Löwe, immer Löwe.« Über 60 000 Zuschauer füllten am Dienstagabend die Allianz-Arena. Sie sahen die Tore der klar besseren Regensburger von Kolja Pusch und Marc Lais. Ein gewaltbereiter Teil der Anhänger versuchte nach 80 Minuten, einen Spielabbruch zu provozieren. Stangen und Sitzschalen flogen auf das Spielfeld.

Fünf Abstiege in einer Saison

Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) unterbrach die Partie erst und brachte sie dann ohne größere Personenschäden über die Bühne. Zehn Polizisten wurden leicht verletzt. Der DFB-Kontrollausschuss nahm Ermittlungen auf, 1860 droht eine harte Bestrafung. Jahn-Torwart Philipp Pentke bezeichnete die Vorkommnisse ein »Unding«. Er stand im Tor vor der 1860-Kurve, aus der immer wieder Gegenstände flogen.

13 Jahre nach dem Bundesliga-Abstieg hat der deutsche Meister von 1966 einen neuen Tiefpunkt in seiner Geschichte erreicht. Nach 24 Jahren sind die »Löwen« wieder drittklassig. Das ganze Ausmaß des Desasters wird in einem Fünffach-Abstieg deutlich: Profis, U21, U19, U17 und U16 spielen künftig alle eine Klasse tiefer.

Der wild zusammengekaufte Kader wird auseinanderfallen. Den Neubeginn muss neues Personal bewerkstelligen. Ob 1860 auch in der 3. Liga Mieter in der riesigen Arena des ungeliebten FC Bayern bleibt, ist nur eine Frage. Das TV-Geld schrumpft auf eine Millionen Euro. Macht Ismaik frisches Geld locker? Klar ist: Die Zeit drängt. Die 3. Liga startet am 21. Juli. Dann heißen die 1860-Gegner FSV Zwickau oder SG Sonnenhof Großaspach.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos