06. Februar 2017, 22:13 Uhr

»Schande für den Fußball«

Bestürzung nach Randale in Dortmund

06. Februar 2017, 22:13 Uhr
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Von DPA
Fans von Borussia Dortmund halten im Stadion Transparente gegen RB Leipzig hoch. (Foto: dpa)

Gewalt selbst gegen Kinder, Hassplakate auf der Tribüne – die Ausschreitungen beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig sorgen für neue Diskussionen über die ausufernde Ultraszene und Sicherheitskonzepte im Fußball. Entrüstet über die Bilder aus der Revierstadt forderte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in der »Bild«-Zeitung harte Konsequenzen: »Die brutalen Szenen lassen einem den Atem stocken. Wer Steine und Getränkekisten auf Polizisten schleudert und dabei nicht mal auf Familien und Kinder Rücksicht nimmt, ist in Wahrheit kein Fußballfan und gehört nicht ins Stadion, sondern hinter Schloss und Riegel.«

Weitere Reaktionen aus Politik und Sport fielen ähnlich drastisch aus. »Was am Samstag vor dem Spiel in Dortmund passiert ist, war eine Schande für den Fußball. Wer Steine und Flaschen auf Frauen und Kinder wirft, hat den Knall nicht gehört und muss bestraft werden« kommentierte NRW-Innenminister Ralf Jäger. Max Eberl, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, sprach von einer »Katastrophe für den Fußball: »Das ist krank. Man kann RB Leipzig mögen oder nicht, aber es muss alles im Rahmen bleiben.«

Umfangreiche Ermittlungen sind bereits angelaufen. Die Auswertung von Film-, Video- und Beweismaterial soll helfen, die Übeltäter zu identifizieren. Zudem rief die Polizei Zeugen zur Mitarbeit auf. Nach bisherigen Erkenntnissen gab es zehn Verletzte, davon sechs Gästefans und vier Polizisten. Bereits am Samstagabend waren elf mutmaßliche Straftäter aus der Ultraszene des BVB und ein Leipziger vorläufig festgenommen worden. Die Männer sind nach dem Abschluss polizeilicher Maßnahmen inzwischen wieder auf freiem Fuß, sagte eine Sprecherin der Polizei am Montag.

Nicht nur gegen die Chaoten, die Leipziger Fans vor dem Stadion attackierten und mit Steinen, Flaschen und Dosen bewarfen, wird ermittelt. Zudem reagiert die Polizei auf die zahlreichen Spruchbänder auf der Südtribüne mit diffamierendem Inhalt und geht dem Anfangsverdacht von Straftaten wie Beleidigungen nach.

Der Revierclub muss mit Sanktionen durch den DFB rechnen. Schließlich war er bereits nach den Pyro-Vorfällen beim vergangenen Pokal-Endspiel gegen den FC Bayern zu einer Geldstrafe von 75 000 Euro verurteilt worden. Für den Fall, dass es bis zum Ende Bewährungszeit am 31. Mai zu einem schwerwiegenden Wiederholungsfall kommt, hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes schon damals mit einem Heimspiel unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit gedroht.

Darüber hinaus kritisierten Fanclubs von RB Leipzig das BVB-Sicherheitskonzept. In einer Stellungnahme an DFB, Deutsche Fußball Liga und die Dortmunder schrieb der Fanverband des Aufsteigers: »Wir Fans von RB Leipzig sind seit Jahren einiges gewohnt, aber was in Dortmund los war, war bisher unerreicht!«. Ein Sicherheitskonzept sei zu »keiner Zeit zu erkennen« gewesen.



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