28. Juni 2018, 22:30 Uhr

»Beste Nacht der WM«

Südkorea ist raus aus der WM, der Sieg über Weltmeister Deutschland macht aber eine ganze Nation stolz. Die Spieler vergießen Tränen des Glücks, Coach Shin feiert seine Erfolgstaktik.
28. Juni 2018, 22:30 Uhr
Grenzenloser Jubel bei den Südkoreanern nach dem Sieg über Deutschland, der sie aber nicht ins Achtelfinale bringt. (Foto: dpa)

Dieses Triumphgefühl kostete Heung-Min Son so lange wie möglich aus. Noch auf dem Rasen vergoss Südkoreas Topstürmer nach dem 2:0-Coup gegen Deutschland Tränen und umarmte all seine Teamkollegen, anschließend verließ der 25 Jahre alte Tottenham-Star lächelnd als einer der letzten Spieler die Kasan-Arena. »Es ist ein großer Sieg für uns, wir haben den Weltmeister geschlagen«, sagte der Fußball-Profi. Die Südkoreaner sind zwar in der WM-Vorrunde gescheitert, doch der Sieg ist für sie historisch: »Es war sicherlich die beste Nacht dieser WM für uns.«

Auch Nationaltrainer Tae-Yong Shin, der oft mit Bundestrainer Joachim Löw verglichen wird, verschaffte der Sieg Genugtuung. »Sie sind der amtierende Weltmeister, der Weltranglisten-Erste, sie haben sicher gedacht, dass sie uns leicht schlagen können«, sagte der 49-Jährige. »Ich habe das als Strategie umgekehrt und damit den Nagel auf den Kopf getroffen.« Die deutschen Angriffe verteidigten die Asiaten auch dank ihres überragenden Torhüters Hyeo-Nuh Jo leidenschaftlich, nach vorne hatten sie über schnelle Konter immer wieder Torchancen.

Shin stufte den Sieg selbstbewusst auch als großen Erfolg seiner Taktik ein. »Wir haben ihre Strategie zwei Tage lang analysiert«, berichtete er. »Ich habe meinen Spielern gesagt, dass unsere Chancen kommen werden. Ich habe ihnen gesagt, dass unser Gegner diesen Sieg unbedingt braucht.« Und die Chancen kamen – Young-Gwon Kim (90.+2) und Son (90.+6) trafen in der Nachspielzeit zum Erfolg.

Den erst zweiten Sieg gegen eine DFB-Auswahl bejubelten die Koreaner frenetisch – es waren ihre ersten drei Punkte bei diesem WM-Turnier. Nach dem Schlusspfiff ließen sich viele Spieler auf die Knie fallen, vergruben ihr Gesicht in den Händen und vergossen Tränen der Freude, aber auch der Enttäuschung. Hätte Schweden im Parallelspiel Mexiko nicht 3:0 besiegt, hätten die Asiaten sogar noch Achtelfinal-Chancen gehabt. »Nach dem Spiel haben wir von dem Ergebnis des anderen Spiels erfahren, deshalb haben viele von uns geweint«, berichtete Keeper Jo.

Die Fans in der Heimat Südkorea bejubelten ihr Team trotz des Ausscheides für den unerwarteten Sieg. In der Innenstadt von Seoul feierten Tausende den Erfolg. Bei aller Trauer über das Aus – der Sieg gegen Deutschland war für die Südkoreaner ein besonderes Erlebnis. »Ich bin sehr stolz auf meine Teamkollegen, sie haben heute einen tollen Job gemacht«, sagte Son. Ob der Star tatsächlich zum Militärdienst in seiner Heimat muss, wie spekuliert wird, ist ebenso unklar wie die Zukunft des bei der WM lange enttäuschenden Teams. Doch der Triumph von Kasan könnte auch der Startpunkt für eine erfolgreiche Zukunft gewesen sein.

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