05. Juni 2017, 21:54 Uhr

Leichtathletik Tennis

Aus für Witthöft Boll muss es wieder richten Robert Harting hat die Konkurrenz im Griff Becker zieht es wieder auf den Platz

05. Juni 2017, 21:54 Uhr
Carina Witthöft aus Deutschland ist als letzter deutscher Teilnehmer bei den French Open ausgeschieden. (Foto: dpa)

Das Aus bei den French Open war gerade erst ein paar Stunden her, da stand Carina Witthöft bereits mit gepackten Koffern in der Lobby ihres Appartement-Komplexes von Paris. Nix wie weg könnte man meinen, doch Witthöft hatte überwiegend gute Eindrücke von den French Open im Gepäck, als sie die französische Hauptstadt verließ. »Natürlich überwiegt erst einmal die Enttäuschung, aber ich denke, ich kann viel Positives von diesem Turnier mitnehmen«, sagte die 22 Jahre alte Hamburgerin nach ihrem Drittrunden-Aus im Stade Roland Garros.

Beim 5:7, 1:6 gegen die an Nummer zwei gesetzte Tschechin Karolina Pliskova zeigte Witthöft am Sonntag einen Satz lang eine starke Leistung. »Doch dann habe ich leider völlig den Faden verloren«, sagte Witthöft. »So recht erklären kann ich mir das nicht. Wir werden uns das Match sicher noch einmal anschauen und analysieren.«

Aus deutscher Sicht fällt die Analyse der ersten French-Open-Woche ernüchternd aus. Witthöft hatte als einzige von 13 gestarteten Deutschen die dritte Runde erreicht, was schon zuvor das schlechteste deutsche Ergebnis seit neun Jahren bedeutete.

Angelique Kerber, die in der Krise steckende Weltranglistenerste, hatte sich bereits in der ersten Runde sang- und klanglos verabschiedet. Auch Julia Görges und Mona Barthel, denen man beim mit 33,8 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Event am ehesten ein erfolgreiches Abschneiden zugetraut hätte, verabschiedeten sich gleich zum Auftakt. Bei den Herren ereilte den großen Hoffnungsträger Alexander Zverev das gleiche Schicksal, vom Rest hatte man eh nicht viel erwartet.

»Das ist natürlich nicht schön«, kommentierte Witthöft die deutsche Bilanz. Sie persönlich konnte sich davon allerdings ausnehmen. Mit dem erstmaligen Einzug in die dritte Runde von Paris erfüllte sie die Erwartungen. Bei allen vier Grand Slams stand sie nun in der dritten Runde, das erste Achtelfinale dürfte nur eine Frage der Zeit sein. »Ich bin mit dem Prozess sehr zufrieden«, sagte Witthöft.

Auch Bundestrainerin Barbara Rittner sieht die Norddeutsche auf einem guten Weg. Witthöft habe eine sehr erfreuliche Entwicklung hinter sich, sagte Rittner. Eigenständiger, professioneller und fokussierter – so nimmt sie die Nummer 73 der Welt in diesem Jahr wahr. »Es ist klar, dass es nicht ihr Anspruch sein kann, zwischen Platz 70 und 100 zu stehen«, sagte Rittner. »Eine Platzierung unter den Top 20 mit Tendenz nach noch weiter vorne muss ihr Ziel sein.«

Pliskova eine Nummer zu groß

Gegen Pliskova bekam Witthöft allerdings noch einmal ihre Grenzen aufgezeigt, schaffte es nicht, zwei Sätze fokussiert zu bleiben. Schon der Beginn der Partie auf Court drei war kurios. Witthöft kam fast zehn Minuten zu spät und ließ ihre zunehmend genervter wirkende Gegnerin warten. Allerdings hatte sie eine plausible, wenn auch lustige Erklärung parat. »Der Security-Mann wusste den Weg nicht«, erzählte Witthöft, die deshalb einen etwas längeren Anlauf zum Platz nehmen musste. Knüpft die Fed-Cup-Spielerin in den kommenden Monaten an ihre Leistungen von Paris an, werden sie ihr bei den French Open 2018 sicher einen fähigeren Begleitschutz zur Verfügung stellen. (dpa)

Es war so laut wie in einem Fußball-Stadion, als Timo Boll die Düsseldorfer Messehalle verließ. 8000 Zuschauer jubelten dem erfolgreichsten deutschen Tischtennis-Spieler zu, nachdem er dem alten und neuen Weltmeister Ma Long aus China mit 36 Jahren noch einmal alles abverlangt hatte in einem WM-Viertelfinale. Die Heim-Weltmeisterschaften in Düsseldorf gehen zu Ende, die erst 23 Jahre alte Petrissa Solja gewann im Mixed sogar die ersehnte deutsche Medaille. Und trotzdem wird es Momente wie diesen im deutschen Tischtennis in absehbarer Zeit wohl nicht mehr viele geben.

»Ein kleines Nachwuchsproblem im deutschen Tischtennis ist da. Denn irgendwann werden wir nach einem Timo Boll oder Dimitrij Ovtcharov eine große Lücke füllen müssen«, sagte Sportdirektor Richard Prause ganz offen.

Zu den Erkenntnissen dieser stimmungsvollen Heim-WM gehört eben auch: Am Ende gingen wieder vier von fünf Titeln nach China, das dramatische Endspiel bei den Männern gewann der Chinese Ma Long am Montag mit 4:3 Sätzen gegen den Chinesen Fan Zhendong. Und während in Asien weiterhin reihenweise Supertalente wie das erst 13-jährige Wunderkind Tomokazu Harimoto aus Japan oder der auch erst 20 Jahre alte Fan Zhendong heranwachsen, kommt im deutschen Team hinter Boll und dem schon im Achtelfinale gescheiterten Ovtcharov zu wenig nach. »Ich bin mit mir im Reinen. Ich habe ein sehr gutes Turnier gespielt«, sagte Boll selbst dazu. »Aber diese WM hat wieder gezeigt: Unsere Konkurrenz vor allem in Asien ist sehr, sehr stark. Auch wir haben eine gute Basis, aber es kann sich niemand leisten, auf dem Sofa zu liegen. Es hilft nur, weiter hart zu arbeiten.«

Starke Werbung

Ganz gleich, aus welcher Perspektive man diese Heim-WM betrachtet, aus der rein sportlichen oder mit Blick darauf, welche Wirkung sie auf die Zuschauer oder den Sportnachwuchs erzielt hat: Das Fazit ist immer ein »Ja, aber...«. »Für einen großen Boom wird es nicht reichen. Aber wir haben Werbung für unseren Sport gemacht«, so Boll.

51 000 Zuschauer insgesamt, je 8000 an den drei ausverkauften Schlusstagen: Die harten Fakten und vor allem die bemerkenswerte Atmosphäre in der Halle übertrafen die Erwartungen des Deutschen Tischtennis-Bundes. »Wir können stolz auf unsere Zuschauer sein«, so Boll. »Und wir hätten ihnen gerne noch mehr Erfolge zurückgegeben.«

Der DTTB-Sportdirektor Richard Prause sieht das genauso. »Wir hatten bei den Männern drei Spieler unter den besten 16. Petrissa Solja hat bei einer Einzel-WM unsere erste Medaille seit 2011 geholt. Und mit Kristin Silbereisen stand im Einzel eine Spielerin im Achtelfinale, die hier mehr als nur überzeugt hat«, sagte er. »Das ist eine gute Bilanz, obwohl wir einige Chancen nicht optimal verwertet haben.«

Das galt sogar für Solja und ihren Partner Fang Bo, die im Halbfinale schon mit 3:1 führten. Das galt aber vor allem für Ovtcharov, die deutsche und europäische Nummer eins. Er scheiterte im Achtelfinale nicht an einem der Überspieler aus China, sondern an dem Japaner Koki Niwa. »Schade für ihn«, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. »Aber er wird es weiter versuchen. Er ist unser Mann für die Zukunft.«

Diesmal war es im deutschen Tischtennis aber noch wie fast immer: Am Ende schauten alle auf Boll. Besser als erwartet hielt er mit seinem Doppelpartner Ma Long mit (2:4). »Ich habe vor der WM noch gesagt, dass Ma Long für mich außer Reichweite ist«, sagte er. »Aber diese WM gibt mir Mut. Sie zeigt, dass ich mich noch einmal verbessert habe.« Olympia 2020 ist sein Ziel, auch wenn er dann schon 39 sein wird.

Dass diese Spiele in Tokio stattfinden, ist aus deutscher Sicht ein Teil des Problems. Denn ihren Status als Nummer zwei hinter China haben Ovtcharov, Boll und Co. an die Japaner verloren, die mit Blick auf Olympia im eigenen Land kräftig in die Nachwuchsarbeit investieren. Der 13-jährige Harimoto ist nur das auffälligste Beispiel dafür. Im Mixed holte Japan schon in Düsseldorf Gold.

Tischtennis hat in Asien eben eine viel höhere Bedeutung als in Europa. »Wenn ich in Japan ein kleines Kind frage: Willst du Fußball oder Tischtennis spielen, dann wird es wahrscheinlich Tischtennis wählen«, sagte Prause. »Wenn ich diese Frage in Deutschland stelle, wird die Antwort eher Fußball lauten.«

Als nach Robert Hartings letztem Wurf die Weite von 64,99 Meter an der Anzeigetafel aufleuchtete, gefror dem Diskus-Ass für einen kurzen Moment das Siegerlächeln. Ein mickriger Zentimeter fehlte dem Weltmeister und Olympiasieger aus Berlin am Pfingstmontag bei seiner Ring-Rückkehr nach 275 Tagen zur Erfüllung der WM-Norm. So war die Freude über den Erfolg beim Leichtathletik-Meeting in Rehlingen etwas getrübt. »Es war ein guter Wettkampf, aber am Ende steht eine Weite auf dem Zettel«, sagte Harting und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: »Ich hätte noch mal nachmessen lassen sollen.« Im September hatte der 32-Jährige in Berlin seinen letzten Wettkampf bestritten. Danach musste sich der dreimalige WM-Champion einer Knie-OP unterziehen.

Nervosität habe er vor seinem Comeback gespürt, berichtete der ältere Bruder von Olympiasieger Christoph Harting. Die wolle er nun abbauen, um demnächst eine Weite von 66 Metern anzugreifen. Mit dem Wettkampf bei der 53. Auflage des Traditionsmeetings im Saarland war er dennoch weitgehend zufrieden. Neben zwei ungültigen Versuchen standen zwei Würfe über 63 Meter und zwei über 64 Meter zu Buche. Damit verwies er den Magdeburger Martin Wierig (62,21) und Markus Münch aus Potsdam (62,16) deutlich auf die Plätze.

»Die Windbedingungen waren leider schlecht. Das hat die Leistung um einen bis eineinhalb Meter reduziert«, stellte Harting fest. Die Weltmeisterschaften im August in London hat er dennoch fest im Blick.

Dieses Ziel hat auch Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, der dem WM-Ticket bei seinem Heimspiel aber noch nicht entscheidend näher kam. Dem 27-Jährigen vom LAZ Zweibrücken fehlten als Zweitplatziertem hinter dem Olympia-Vierten Piotr Lisek aus Polen (5,70) mit übersprungenen 5,60 m zehn Zentimeter zur Normerfüllung. »Natürlich wäre ich gerne höher gesprungen. Aber die letzten zwei Wochen waren mit viel Reisestress verbunden, zudem lag ich zwischendrin mit Fieber im Bett«, sagte der Weltmeister von 2013.

Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker will in naher Zukunft wieder als Trainer tätig sein. Zwar mache ihm seine Arbeit als TV-Kommentator bei Eurosport sehr viel Spaß. »Ich muss aber auch sagen: Natürlich juckt’s mich, wieder auf dem Platz zu stehen. Alles andere wäre auch gelogen«, sagte Becker in einem Interview der »Süddeutschen Zeitung« (Digital-Ausgabe).

Allerdings müssten »viele Faktoren« für ein neues Engagement stimmen. »Es muss der richtige Spieler sein, der richtige Zeitpunkt«, sagte Becker, der bis Ende 2016 drei Jahre lang überaus erfolgreich als Coach des Serben Novak Djokovic fungiert hatte. Auch deshalb sucht Becker einen Profi mit hohen Ambitionen. »Das Ziel muss schon sein, dass der Spieler ein Turnier wie hier gewinnt. Und nicht nur die zweite, dritte Runde erreichen will«, sagte Becker während der derzeit laufenden French Open in Paris.

Mit Blick auf die Zukunft könnte da Alexander Zverev ein Kandidat werden. Eine Rolle im Team von Deutschlands großer Tennis-Hoffnung könnte interessant sein. »Sascha ist ein Rohdiamant. Aber einer, der noch geschliffen werden muss. Er hat noch ein paar Schwächen«, sagte der dreimalige Wimbledonsieger über den 20 Jahre alten Hamburger.

Zwar habe Zverev mit seinem Vater einen guten Coach. »Dass aber Sascha, um im Konzert der Großen mitzuspielen, eine Stimme hören muss, die in diesem Konzert schon mitgespielt hat, davon bin ich überzeugt«, sagte Becker. »Wer das ist, muss dann Sascha mit seinem Vater und Bruder entscheiden.«

Ein Engagement als Trainer der derzeit in der Krise steckenden Weltranglistenersten Angelique Kerber schloss Becker aber erneut aus. »Ich mag sie sehr gerne und habe angeboten, wir können uns gerne jederzeit mal unterhalten«, sagte Becker. »Dann gleich weiter zu fantasieren, dass ich der nächste Trainer bin – also das kann ich mir nicht vorstellen«, sagte der 49-Jährige.

Auch als Teamchef des deutschen Davis-Cup-Teams wird man Becker nicht mehr sehen. »Aus jetziger Sicht würde ich sagen: Das ist für mich nicht so reizvoll«, sagte Becker. »Wir haben da mit Teamchef Michael Kohlmann und Sportdirektor Klaus Eberhard auch die richtigen Leute.« Wie bei Kerber stehe er als Ratgeber aber natürlich zur Verfügung, sagte die ehemalige Nummer eins der Welt.

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