12. August 2018, 21:07 Uhr

Abschluss ohne Medaillen

12. August 2018, 21:07 Uhr
Marcel Nguyen bei der EM beim Ringe-Finale in Aktion. (Foto: dpa)

Marcel Nguyen zuckte ein wenig mit den Schultern, Nils Dunkel hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Während der routinierteste Turner der deutschen Riege am Sonntag bei den Europameisterschaften in Glasgow bei seinem Jubiläum die insgesamt achte EM-Medaille klar verpasste, war Youngster Dunkel über Platz vier am Barren überaus glücklich.

Nguyen turnte an den Ringen als Sechster – fast wie erwartet – am Podest vorbei. Es war das 20. EM-Finale seiner Karriere, in der der Olympia-Zweite zuvor drei Titel und insgesamt sieben Medaillen erkämpft hatte. Seine recht saubere Übung reichte wegen des mit 14,066 Punkten im Vergleich zur Konkurrenz zu geringen Schwierigkeitsgrades nicht für die ersehnte Plakette. »Hat trotzdem Spaß gemacht. So oft bin ich ja nicht in solch einem Finale«, sagte Nguyen. Den Sieg holte sich zum vierten Mal in Serie mit 15,466 Zählern Olympiasieger Eleftherios Petrounias aus Griechenland. Er egalisierte damit den Rekord des Italieners Juri Checci, der zwischen 1990 und 1996 gleichfalls viermal gesiegt hatte.

Ein wenig mehr hatte sich der 30 Jahre alte Nguyen am Boden vorgenommen. Eine neue Übung, zwei Zehntelpunkte schwieriger als im Vorkampf – er ging volles Risiko und landete mit 14,066 Punkten gleichfalls auf dem sechsten Platz. »Ich wusste, ich kann in diesem Feld nur etwas erreichen, wenn alles perfekt klappt. Das war auf den ersten Bahnen nicht der Fall«, sagte er. Der Sieg ging vor 6000 begeisterten Zuschauern in der Hydro-Arena an den Briten Dominick Cunnigham (14,666 Punkte).

Irgendwie hatte Nguyen seine Finalchancen realistisch eingeschätzt, als er nach dem Vorkampf erklärt hatte: »Ich würde die Finals liebend gern gegen das eine am Barren tauschen.« Dort hatte sich der Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen die besten Medaillenchancen ausgerechnet. Doch misslang ihm im Vorkampf der Abgang, sodass er das Finale verfehlte.

Dafür sprang aber Nils Dunkel in die Bresche, der in seinem ersten Einzelfinale nahezu fehlerfrei durchturnte. »Ich bin froh, dass ich die Fehler der anderen nicht gesehen habe, weil ich in der Einturnhalle war«, meinte er und fügte schmunzelnd hinzu: »Sonst wäre ich vielleicht nervös geworden.«

Tags zuvor war bei Nguyen nach dem Teamfinale der Frust stärker zu spüren gewesen. »Ein vierter Rang ist immer undankbar«, meinte der Unterhachinger, weil zwei Stürze seiner Teamkollegen Nick Klessing am Sprung und Andreas Bretschneider am Reck den Podeststurm verhindert hatten. Nguyen war schon mit 22 Jahren dabei, als den Deutschen noch mit Fabian Hambüchen 2010 in Birmingham der bislang einzige Team-Titel der EM-Geschichte gelang.

Das Team-Abschneiden ärgerte auch Cheftrainer Andreas Hirsch sichtlich. »Wenn wir zwei grobe Fehler machen, können wir keine Ansprüche auf eine Medaille geltend machen«, analysierte der Berliner nach dem dritten Team-Titel der Russen in Serie.

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