08. Juni 2017, 22:32 Uhr

»24 Stunden am Tag Fußball«

08. Juni 2017, 22:32 Uhr
Dietrich

Von Müdigkeit ist nichts zu spüren. »Der Frauenfußball hält mich jung«, sagt Siegfried Dietrich mit einem Lächeln. An diesem Samstag feiert der Manager und Investor von Rekordmeister 1. FFC Frankfurt seinen 60. Geburtstag. »Ich denke 24 Stunden am Tag an Fußball. Ich sprühe vor Ideen, Visionen und Motivation, will mein FFC-Baby wieder nach vorn bringen«, erklärt der Jubilar. Seinen Ehrentag verbringt »Siggi«, wie ihn seine Freunde rufen, ganz familiär. »Mit meinem 92-jährigen Vater an seinem Alterssitz in Bad Mergentheim. Das ist mir ganz wichtig.«

Auf die große Sause will der umtriebige Macher mit dem breiten Netzwerk aber nicht verzichten. Die VIP-Terrassen der Commerzbank Arena sollen es für die vielen Freunde, Weggefährten und Bekannten aus Wirtschaft, Politik und Sport gern sein. Wegen der guten Erinnerung: In der WM-Arena gewann der FFC Frankfurt vor mehr als 27 000 Zuschauern mit einem 3:2 gegen Umea IK 2008 zum dritten Mal den UEFA Women’s Cup. »Und wir haben das Finalrückspiel praktisch allein organisiert«, sagt Dietrich.

Der in Marburg geborene Walldorfschüler und Sohn eines Theologie-Professors hatte in jungen Jahren keinen Draht zu kickenden Frauen. Der Sportphysiotherapeut eröffnete mit 22 Jahren im Frankfurter Stadtteil Heddernheim eine eigene Praxis, die bis heute besteht. Dietrich knetete die Muskeln bekannter Eiskunstläufer und -läuferinnen, entdeckte als Nebenprodukt sein Managementtalent und organisierte Eislauf-Galas fürs Fernsehen.

Seine berufliche Heimat fand der Selfmade-Manager im Frauenfußball, auch weil er das brachliegende Potenzial und die wirtschaftlichen Möglichkeiten erkannte und nutzte. Aus dem Vorortclub SG Praunheim entwickelte sich im August 1998 der 1. FFC Frankfurt. Professionelle Strukturen und reichlich Sponsorengelder lockten die Stars der Szene an den neuen Spielort am Brentanobad. Mit ihnen kamen die Erfolge: Vier europäische Cup-Gewinne, sieben deutsche Meisterschaften und neun Pokalsiege.

Auch die WM-Titel 2003 und 2007 wären ohne »FFClerinnen« wie Birgit Prinz, Nia Künzer, Renate Lingor oder die heutige Bundestrainerin Steffi Jones kaum möglich gewesen. Auch Nadine Angerer, Melanie Behringer und Celia Sasic prägten das Bild der DFB-Elf und machten den FFC zur werthaltigen Marke in Europa. Dietrich wollte trotz aller Erfolge im Zusammenspiel mit dem einzigen nationalen Rivalen aus Potsdam mehr Konkurrenz. Der Neid war groß, und der FFC-Macher forderte mehr Engagement aus der Männer-Bundesliga für die Frauen. »Die Geister, die ich rief, wurde ich nicht mehr los«, sagt Dietrich als Vertreter der reinen Frauenfußballclubs. Der VfL Wolfsburg, Bayern München und auch der SC Freiburg sind dank eines größeren Budgets vorbeigerauscht. Der bis heute letzte Frankfurter Meistertitel datiert aus dem Jahr 2008.

Namhafte Spielerinnen können sich Dietrich und der FFC nicht mehr leisten. »Wir müssen selbst neue Stars kreieren«, lautet das neue Credo. Die Nachwuchsarbeit mit aller Kraft auszubauen, ist für Dietrich die neue Motivation. »Ich will den Verein an die Spitze zurückführen«, sagt der Hobby-Golfer, der sich zweimal im Jahr an seinem Zweitdomizil in Kapstadt erholt. Noch fühlt sich Dietrich als »Energiequelle und Motor« des Vereins. Irgendwann aber, sagt der Jubilar, »will ich als Edelfan auf der Tribüne sitzen und die Spiele genießen«. (Foto: dpa)

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