07. September 2016, 12:00 Uhr

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Angelique Kerber warf nach der nächsten Demonstration ihrer mentalen Stärke Kusshände auf die Tribünen des gigantischen Arthur-Ashe-Stadium. Sie verabschiedete die geschlagene Roberta Vinci am Netz und wandte sich dann ihrer eigenen Box zu, in der Mutter Beata und Trainer Torben Beltz nach einer einstündigen Zitterpartie erleichtert Kerbers Halbfinalrückkehr bei den US Open bejubelten.
07. September 2016, 12:00 Uhr

Die Olympia- und Weltranglisten-Zweite überstand gegen die italienische Vorjahresfinalistin im ersten Satz eine Nervenprobe, ehe sie Vinci nach 77 Minuten mit 7:5, 6:0 nach Hause schickte und selbst zum zweiten Mal nach 2011 die Vorschlussrunde in New York erreichte. »Es ist immer schwierig, gegen Roberta zu spielen, daher bin ich umso glücklicher, in zwei Sätzen durchgekommen zu sein«, sagte Kerber: »Es bedeutet mir unheimlich viel, hier zurück im Halbfinale zu sein.«
Die Kielerin ist nach fünf Matches in Flushing Meadows noch immer ohne Satzverlust und gab den Druck an Serena Williams weiter. Die Branchenführerin aus den USA muss am Mittwoch nachziehen, um ihre Führung in der Weltrangliste zu behaupten. Williams trifft in ihrem Viertelfinale auf die Weltranglistenfünfte Simona Halep aus Rumänien. Kerber spielt am Donnerstag entweder gegen die frühere Weltranglistenerste Caroline Wozniacki aus Dänemark oder gegen die Lettin Anastasija Sevastova um den Einzug in ihr drittes Grand-Slam-Finale in dieser Saison.
Kerbers Selbstvertrauen könnte vor dem Halbfinale kaum größer sein, der Sieg über die trickreiche Vinci wird ihr weiter Auftrieb geben. Anders als die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova (Tschechien) in der Runde zuvor schenkte Vinci Kerber zunächst kaum einen Punkt. Die Kielerin musste von ihrer Linie abrücken und selbst in die Offensive gehen. 22 Fehler unterliefen ihr dabei im ersten Satz, den Glauben in die eigenen Qualitäten verlor Kerber trotz einiger Unmutsäußerungen jedoch nie.
»Ich versuche, gelassen zu bleiben, wenn es eng wird, und meine Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet«, erklärte sie nach dem Match: »Das ist mir heute gut gelungen. Ich glaube, das war der Schlüssel zum Sieg. Es war nicht einfach, weil das Dach heute früh noch geschlossen war und erst später aufgemacht wurde. Aber das ist letztlich egal.«
Noch vor einem Jahr hätte Kerber die Aussicht auf die Nummer eins gelähmt, immerhin kann die 28-Jährige als erst zweite Deutsche nach Steffi Graf den Tennis-Thron erklimmen. Auf dem Centre Court zeigte Kerber jedoch erneut, wie sehr sie sich nach den bitteren Niederlagen der Saison 2015 gewandelt hat. Nachdem Vinci ihr mit einem Fußfehler beim Aufschlag den ersten Satz nach 54 Minuten überlassen hatte, marschierte Kerber beinahe fehlerfrei Richtung Halbfinale. Die 33-jährige Vinci, die im vergangenen Jahr im Halbfinale völlig überraschend Williams’ Grand-Slam-Träume beendet hatte, war chancenlos.
In der Nacht vor Kerbers Triumph hatte sich Agnieszka Radwanska aus dem Rennen um Platz eins verabschiedet. Die Polin, die mit Außenseiterchancen auf Williams’ Thron ins Turnier gestartet war, unterlag der 18 Jahre alten Kroatin Ana Konjuh 4:6, 4:6. French-Open-Siegerin Garbine Muguruza hatte bereits in der zweiten Runde verloren. Vieles deutet nun auf das Traumfinale zwischen Kerber und Williams hin. (sid)

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