10. Februar 2016, 13:33 Uhr

Ausgesprochen Henni

(htr) Hendrik »Henni« Nachtsheim über die hessische DNA, vier Blinddärme und Eintracht-Präservative.
10. Februar 2016, 13:33 Uhr

Hallo Herr Nachtsheim, irgendwie erinnert mich die Eintracht momentan an das Wetter. Regnerisch, trübe, aber doch mit Aussicht auf erhebliche Besserung demnächst.

Henni: Was für eine poetische Metapher! Wenn man den Meteorologen allerdings glauben darf, dann bleibt das Wetter in den nächsten Wochen eher launisch. Und ich befürchte, dass es bei der Eintracht auch so sein wird.

Über das Wetter meckert irgendwie jeder: zu kalt, zu warm, zu regnerisch, zu trocken. Bei den Frankfurtern scheint es ähnlich: Sie gewinnen, da wird gemeckert, sie verlieren, da wird gelobt.

Henni: Diese typisch hessische Schizophrenie basiert auf unserer notorischen Unzufriedenheit. Ich kenne Hessen, die haben erst auf neuangekommene Flüchtlinge geschimpft, und als die dann weitergezogen sind, standen sie mit Tränen in den Augen am Stadtrand und haben gerufen: »Wo seid ihr denn? Kommt zurück!« Das ist Bestandteil der hessischen DNA, da können viele nichts machen. Wobei mir die positiven Beurteilungen für das VfB-Spiel in jedem Fall etwas überkonstruiert schienen, das war ja keine unverdiente Niederlage.

Nach dem 2:4 gegen Stuttgart hieß es bei Armin Veh: »Wir haben viele Dinge gesehen, die richtig gut waren.« Was haben Sie gesehen?

Henni: Ich habe Armin Veh gesehen, wie er das gesagt hat!

Was auch zu sehen war: viele Chancen, zu wenige Tore. Wer keine oder zu wenige Tore schießt, kann nicht gewinnen.

Henni: Herr Herteux, eine dermaßen unfassbar schlaue und innovative Betrachtung des Fußballs habe ich ehrlich noch nie gehört! Sie sollten, was sag ich – Sie müssen ein Fußball-Buch schreiben. »Wer keine oder zu wenige Tore schießt, kann nicht gewinnen!« Wahnsinns-Titel! Aber vorher rufen Sie bitte Pep Guardiola an und sagen ihm das genau so, wie Sie es den Lesern und mir gerade gesagt haben. Ich bin sicher, der weint vor Glück über so viel neues Wissen!

Gewinnen kann derzeit Stuttgart. Urplötzlich, möchte man meinen. Allerdings haben die sich das Selbstvertrauen Stück für Stück erarbeitet. Auch ein Rezept für die Eintracht?

Henni: Natürlich Herr Herteux. Ich denke, es reicht, wenn sich irgendjemand – gerne auch Sie – vor die Mannschaft stellt und dann sagt: »Hey Jungs, erarbeitet euch ab sofort mal mehr Selbstvertrauen, das bringt’s!« Es könnte allerdings sein, dass die dann fragen, wie man das macht. Aber das sind Nebensächlichkeiten!

Stück für Stück bitte, mit Ayhan, Regäsel, Huszti und Fabian standen vier Winterneuzugänge in der Startelf, Ben-Hatira kam in der zweiten Hälfte. Können diese Spieler der Eintracht wirklich weiterhelfen?

Henni: Mehr Spieler im Kader sorgen erfahrungsgemäß für mehr Auftrieb. Das ist so, wie wenn man eine Schafherde bei gleichbleibender Futtermenge verdoppelt. Die Schafe werden automatisch mehr Gas geben, um von den anderen nicht weggedrängt zu werden. Den Effekt erhoffe ich mir zumindest, und der könnte schon für Positives sorgen. Bei Fabian glaube ich allerdings, dass er uns auch sportlich noch viel Freude machen wird.

Was bei vielen Teams auffällt, es wird ständig nachgekauft. Wurde da im Sommer geschlampt und gefuscht? Warum soll ein Spieler, der bei Verein X nicht oder kaum überzeugt hat, plötzlich bei Verein Y für die Wende sorgen?

Henni: Da haben Sie recht, und Sie wissen, das gebe ich nur äußerst ungern zu! Aber tatsächlich muten manche Transfers eher an wie hysterische Übersprungshandlungen. Erinnert mich übrigens an einen Kumpel von mir, der sich ständig neue Mützen kauft. Die zieht er dann zu Hause vorm Spiegel an, schreit laut: »Mein Gott, sieht das scheiße aus!« und rennt los, um die nächste zu kaufen. Dass es in Wirklichkeit an seinem pickligen Gesicht liegt, kommt ihm gar nicht erst in den Sinn. So wie es manchen Vereinen nicht in den Sinn kommt, dass sie schon seit Jahren mehr falsch als richtig machen!

Manchmal hat man den Eindruck, die Manager und Macher sind von der Verzweiflung getrieben.

Henni: Der Eindruck täuscht bestimmt nicht. Denen geht es oft so wie vielen Männern am Weihnachtsabend, wenn sie merken, dass sie die falschen Geschenke gekauft haben, weshalb jetzt alle um sie herum flennen und mit dem Finger auf sie zeigen. Dass sie aber vielleicht gar nichts dafür können, weil sie nämlich für teuere bzw. bessere Geschenke nicht genug Geld zur Verfügung hatten, interessiert dann niemanden mehr.

Riskieren wir noch einen Blick auf die Tabelle: Hoffenheim und Hannover scheinen für den Moment abgeschlagen, es droht der Absturz auf den Relegationsplatz für die Eintracht? Geht bei Ihnen schon die Angst um?

Henni: Wenn man viermal mit einem Verein abgestiegen ist, härtet das irgendwie ab. Das ist, wie wenn man viermal hintereinander den Blinddarm entfernt bekommt!

Was? Wie soll das denn gehen?

Henni: Okay, ich gebe zu, das war jetzt unter rein medizinischen Aspekten kein perfektes Beispiel. Es sei denn, man verfügt über vier Blinddärme. Was aber, wenn ich das richtig recherchiert habe, eher selten der Fall ist. Ach, Sie wissen schon, was ich meine.

Sicher, sicher ... Bremen, Augsburg, Hamburg, Stuttgart und Darmstadt sind momentan Frankfurter Gegenspieler im Kampf gegen den Abstieg. Die punkten auch noch ... auf was müssen wir uns noch einstellen?

Henni: Ich finde Abstiegskampf mit fünf Konkurrenten auf Augenhöhe als bedrohliches Szenario absolut ausreichend.

Heute bricht die Fastenzeit an, auf was könnten Sie am ehesten verzichten, um der Eintracht zu helfen?

Henni: Ich könnte versuchen, weniger Eintracht-Kekse mit dem Adler drauf zu essen, keinen Apfelwein mehr aus Eintracht-Gläsern zu trinken und keinen Eintracht-Ketchup mehr zu verwenden. Außerdem könnte ich mir vorstellen, eine Zeit lang nicht mehr in meiner rotschwarzen Bettwäsche zu schlafen und keine Eintracht-Präservative zu benutzen!

Sie haben Eintracht-Präservative? Für den Distanzschuss vielleicht, oder den Freistoß?

Henni: Nein, ich wollte nur gucken ob Sie mir noch zuhören! Tschüss Herr Herteux, bis zum nächsten Mal!

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