19. April 2019, 18:05 Uhr

Serien

Serien auf Netflix und Amazon: Geheimtipps der Redaktion

Noch keine neue Serie auf Netflix oder Amazon gefunden? Diese sechs Serien kennen Sie vielleicht noch nicht. Hier kommen unsere Geheimtipps.
19. April 2019, 18:05 Uhr
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Von Eva Diehl
Stundenlag das Angebot der Streaming-Dienste durchsuchen auf der Suche nach einer neuen Serie - das nervt. (Foto: Andrea Warnecke)

Es ist ein Dilemma. Kaum ist man in eine Serie bei Netflix, Amazon und Co. eingestiegen, kennt die Charaktere, ihre Lieblingsrestaurants und seltsamen Ticks, schon sind alle Folgen geschaut. Übrig bleibt gähnende Leere und stundenlanges Durchklicken von »aktuell beliebten« Serien der Streaminganbieter. Trailer um Trailer ohne Ergebnis – oder schlimmer: Es gibt nicht mal einen Trailer, und man muss sich den schnöden Anfang der ersten Folge anschauen. Einige weniger populäre Serien kommen einem dabei vielleicht nicht unter, oder man findet sie nur durch den Tipp eines Freundes. Wer »Big Bang Theory«, »Glow« oder »House of Cards« mag, wird vielleicht auch an diesen Serien seinen Spaß haben. Hier kommen unsere Geheimtipps:

 

»Silicon Valley« auf Amazon Prime Video

Silicon Valley
Mit ihrem Start-up Pied Piper wollen Richard Hendriks (Mitte, Thomas Middleditch) und sein...

Handlung: In »Silicon Valley« startet Richard Hendriks (Thomas Middleditch) als Softwareentwickler bei der Firma mit den bunten Buchstaben, nämlich bei Hooli. Die Computerspezialisten leben und arbeiten im kalifornischen Silicon Valley, dem Mekka der IT-, High Tech- und Startup-Szene – und Sammelbecken für geniale, aber auch seltsame und sozial inkompetente Persönlichkeiten. Als Richard eine neuartige Methode erndet, mit der große Datenmengen auf wenig Speicherplatz abgelegt werden können, rückt er in den Fokus des eigenwilligen Firmenchefs Gavin Belson (Matt Ross). Der will ihm die Idee für einen Millionenbetrag abkaufen. Doch Idealist Richard beschließt, sich mit seinen Freunden selbstständig zu machen, und gründet »Pied Piper«. Das Start-up kämpft von Anfang an gegen einen mächtigen Konkurrenten und gegen die Zeit, denn Hooli versucht, Richards Methode zu knacken und nachzubauen.

Das sollte man wissen: Wer die Nerds um Sheldon Cooper aus »Big Bang Theory« liebt, hat gute Chancen in der HBO-Serie »Silicon Valley« eine neue Gang zu nden. Thematisch am Puls der Zeit spielt die Comedy-Serie mit den Blüten, die eine hochtechnisierte und gemanagten Gesellschaft treiben kann und schlägt dabei unterschwellig auch kritische Töne an. In der Filterblase nahe San Francisco wird täglich eine Innovation verkündet und jeder zweite will mit seiner Erfindung »die Welt ein bisschen besser machen« – oder richtig viel Geld machen. Für Richard und seine Freunde ist es nicht immer leicht, sich in dieser Welt zu behaupten, Konkurrenten zu überholen, Investoren an Land zu ziehen und überhaupt mit ihrem eigenen Leben klar zu kommen. Die herrlich schrägen Charaktere und ihre teilweise absurden, aber nicht unrealistischen Erlebnisse sind locker-leicht verpackt und unterhaltsam – auch für IT-Laien.

»Silicon Valley«-Fans dürfen sich über insgesamt 46 Folgen in fünf Staffeln freuen. Eine sechste Staffel soll in diesem Jahr gedreht werden. Ein Folge dauert rund 30 Minuten. Die Serie kann man sich bei Amazon Prime Video, HBO oder Sky ansehen.

Einen Trailer kann man sich zum Beispiel hier anschauen.

 

»Good Girls Revolt« auf Amazon Prime Video

Good Girls Revolt
Frauen stehen in der Redaktion eigentlich nicht im Vordergrund - genau das wollen die Rech...

Handlung: Mit ihrer Forderung nach Gleichstellung im Job sind Frauen in der 60er Jahren der Zündfunke einer Revolution – die noch heute ihre Berechtigung hat. Die Serie »Good Girls Revolt« begleitet drei junge Journalistinnen, die sich in der Redaktion der Zeitschrift »News of the Week«, für mehr Rechte einsetzen. Das Problem: Frauen prüfen als Rechercheurinnen Fakten, führen Interviews und schreiben Texte, dürfen dabei aber nur ihren männlichen Kollegen zuarbeiten, die schließlich ihren Namen unter den Artikel setzen. Das wollen die leidenschaftliche Hippiebraut Patti Robinson (Genevieve Angelson), die ehrgeizige Jane Hollander (Anna Camp) und das Mauerblümchen Cindy Reston (Erin Darke) nicht akzeptieren. Der alteingesessene, konservative Redaktionsleiter William McFadden (Jim Belushi) sieht das natürlich ganz anders.

Das sollte man wissen: Inspiriert ist die Amazon-Produktion von einem echten Fall, nämlich dem gleichnamigen Buch der Journalistin Lynn Povichs, die zusammen mit 46 ihrer Kolleginnen ihren Arbeitgeber, das »Newsweek«-Magazin, wegen Diskriminierung verklagte. Sensibel, wenig klischeehaft und mitunter humorig stellt »Good Girls Revolt« Motivationen sowie Vorbehalte der Frauen dar, ihre gewohnte Lebensweise zu ändern. Ein Hauch von Hippietum weht durch die Serie und sorgt für erotische Ausbrüche oder Experimente mit Marihuana. Angesichts der zugeknöpften Stimmung in der Redaktion sorgt das durchaus für Überraschungsmomente. Der Soundtrack von Diana Ross bis Black Sabbath rundet die grandiosen Kostüme und Föhnfrisuren ab.

Von »Good Girls Revolt« gibt es eine Stael mit zehn Folgen zu je rund 50 Minuten. Anschauen kann man sich die Serie auf Amazon Prime Video.

Einen Trailer kann man sich zum Beispiel hier anschauen. 

 

»Designated Survivor« auf Netflix

Designated Survivor
Kiefer Sutherland in der Rolle des US-Präsidenten Tom Kirkman.

Handlung: Thomas Kirkman ist ein kleines Licht in der US-Regierung. Der Parteilose ist Wohnungsbauminister und als sogenannter »Designated Survivor« (Notfallüberlebender) auf dem Abstellgleis der Politik. Als der Präsident die alljährliche Rede zur Lage der Nation im Kapitol hält, darf Kirkman nicht dabei sein. Er schaut sie im Fernsehen an – an einem sicher Ort, falls der Regierung etwas zustößt. Doch was niemand ernsthaft zu in Betracht zieht, geschieht an diesem Abend: Ein gezielter Sprengstoffanschlag auf das Kapitol löscht die gesamte US-Regierung aus. Kirkman steht vor einer Mammutaufgabe: Er wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, muss das Land, die Bürger und das politische System wieder aufbauen – und natürlich den schrecklichen Terroranschlag aufklären. Dabei kämpft er nicht nur gegen Putschversuche von außen, sondern auch von innen.

Das sollte man wissen: »Designated Survivor« ist eine der Serienüberraschungen des Jahres auf Netflix – und das obwohl die erste Staffel bereits 2016, die zweite 2017 erschienen ist. Ein knackiger, spannender Polit-Thriller mit Suchtpotenzial und zahlreichen Folgen, um dem auch über längere Zeit nachzugeben. Kiefer Sutherland glänzt in der Hauptrolle des sympathischen, gelegentlich überforderten, aber immer seiner Moral treuen Thomas Kirkman. Ein glänzendes Beispiel für einen Politiker mit Herz und Verstand, der sich weniger dem Zirkus in Washington als seinen Bürger verpflichtet fühlt. Fast könnte man denken, die Serie sei als Reaktion auf das aktuelle Oberhaupt der USA entstanden. »House of Cards«-Fans sollten zumindest mal reinschauen, auch wenn es hier deutlich weniger kaltblütig zugeht. Intrigen, Verschwörungen und Politstrategen gibt’s in »Designated Survivor« jede Menge.

Von »Designated Survivor« kann man sich zwei Staffeln auf Netflix anschauen. Insgesamt gibt es derzeit 43 Folgen zu je rund 45 Minuten.

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»The Get Down« auf Netflix

The Get Down
Ezekiel "Zeke" Figuero (vorne, Justice Smith) und seine Crew bei einem Auftritt in der Bro...

Handlung: Mit ein bisschen Drama und ganz viel Musik von Disco über Soul bis Hip Hop kommt die US-amerikanische Serie »The Get Down« direkt aus dem New York der 70er Jahre. Den authentischen Retro-Style der Bronx hat sich Netflix einiges kosten lassen, denn die ab 2015 produzierte Serien ist eine der teuersten Netflix-Eigenproduktionen überhaupt. Während in den Straßen des Ghettos Häuser brennen und Banden um die Macht kämpfen, träumen die Jugendlichen um Ezekiel »Zeke« Figuero (Justice Smith) einen Traum, der sie alle beflügelt: Mit Musik berühmt zu werden und dem Ghetto zu entfliehen. Daneben tobt das Leben mit den ganz großen Fragen rund um Liebe, Freundschaft, Familie und Identität.

Das sollte man wissen: Mit Dicke-Hose-Gangster-Rappern haben weder die kreative Hip-Hop-Crew um den sensiblen Wortakrobaten noch seine große Liebe, die Gospel-Sängerin Mylene Cruz (Herizen Guardiola), etwas gemeinsam. Obwohl sie immer wieder mit Kriminalität, Armut und Vorurteilen konfrontiert sind, entwickeln die Protagonisten eine mitreißend positive Energie. Die Kostüme von Disco-Glitzerfummel bis knalligen Team-Jogginganzügen und die zum Teil erfrischend überzeichneten Charaktere tun dazu ihr Übriges. Einige der Figuren basieren dabei auf echten Personen oder Gruppen, wie etwa der DJ Grandmaster Flash oder die Universal Zulu Nation.

Von »The Get Down« gibt es eine Staffel mit elf Folgen. Die Folgen sind meist zwischen 50 und 60 Minuten lang, die längste Episode dauert jedoch rund 90 Minuten. Pläne für weitere Staffeln sind nicht bekannt. Alle Folgen sind auf Netix verfügbar.

Einen Trailer kann man sich zum Beispiel hier anschauen.

 

»Mindhunter« auf Netflix

Mindhunter
Die FBI-Agenten Holden Ford (r., Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany) interview...

Handlung: Was geht im Kopf eines Serienmörders vor? Warum tötet er, und was ist in seinem Leben schiefgelaufen? Das interessierte Ende der 70er Jahre offenbar kaum jemanden. Die FBI-Agenten Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany) bekommen strammen Gegenwind, als sie beginnen sich mit der Psyche von Serienmördern zu befassen. Kein Wunder, denn die Kriminalpsychologie steckt in den Kinderschuhen und in den überarbeiteten Behörden hat man wenig Verständnis dafür, mit menschlichen Monstern zu reden. Doch der ehrgeizige, staubtrockene Ford und der ewig qualmende Heißsporn Tench lassen sich nicht beirren. Tagsüber unterrichten sie pflichtbewusst Polizeibeamte in der amerikanischen Provinz, aber abends suchen sie mit ihrem Tonbandgerät die übelsten Serienkiller der USA auf, um sie nach ihren grausamen Taten zu befragen. Gemeinsam mit Wissenschaftlerin Dr. Wendy Carr (Anna Torv) analysieren sie das Verhalten der Täter und versuchen daraus Rückschlüsse auf unaufgeklärte Mordfälle zu ziehen – nicht ohne Erfolg.

Das sollte man wissen: Die Befragungen in »Mindhunter« basieren auf echten FBI-Interviews. Die Protagonisten sowie die Serienmörder sind an real existierende Personen angelehnt. Grundlage für die Serie ist der Roman »Die Seele des Mörders« (im Original: »Mindhunter: Inside FBI’s Elite Serial Crime Unit«) von John E. Douglas und Mark Olshaker. Douglas war einer der ersten Proler des FBI und an der Fahndung nach mehreren Serienmördern beteiligt. Der reale Hintergrund der Serie ist womöglich ein Grund dafür, dass der Thrill dieser Serie auf leisen Sohlen kommt, und einem ganz langsam unter der wärme Kuscheldecke auf dem Sofa kriecht. Angenehm ist dabei die ruhige und unaufgeregte Erzählweise – denn aufregend ist die Handlung schon genug.

Die erste Staffel von »Mindhunter« mit zehn Folgen (34 bis 60 Minuten) kann man sich auf Netflix anschauen. Eine zweite Staffel ist laut Netix geplant.

Einen Trailer kann man sich zum Beispiel hier anschauen.

 

»Wild wild country« auf Netflix

Wild Wild Country
Einer von Zehntausenden Bhagwan-Anhängern - zu erkennen an der Kleidung in Rottönen.

Handlung: Stellen Sie sich Folgendes vor: Eine spirituelle Gruppe rund um einen indischen Guru kauft ein riesiges Areal im amerikanischen Hinterland und stampft eine komplette Stadt aus dem Boden. Zehntausende Anhänger aus der ganzen Welt, darunter Ärzte, Architekten und Anwälte, strömen in die Region, um zu helfen und spirituelle Erleuchtung, freie Liebe und Gruppenzugehörigkeit zu finden. Unterdessen ist es mit der dörflichen Ruhe im nahe gelegenen, typisch amerikanischen Örtchen vorbei. Die gottesfürchtigen Bewohner fühlen sich überrannt und begegnen den massenhaft anreisenden Fremden mit Unverständnis, Anschuldigungen bis hin zu nackter Wut. Der Konflikt ist programmiert. Nicht jedoch die Härte mit der er ausgetragen wird. Einerseits sind Waffen und Bomben im Einsatz, andererseits Anwälte, Reporter und Politiker. Erst nach und nach stellt sich heraus, was sich hinter den Toren der spirituellen Stadt wirklich abspielt...

Das sollte man wissen: Das Bizarre an dieser Geschichte: Sie ist wirklich passiert. Zwischen 1981 und 1985 gründet die Sannyasin-Bewegung um den indischen Guru Bhagwan in Oregon die Stadt Rajeeshpuram. Der geistige Führer wird verehrt wie ein Popstar und verfügt zusammen mit seiner Vertrauten Sheela über ein millionenschweres Vermögen. Zu seinen Lehren bekennen sich auch viele Deutsche, darunter Sängerin Nena und »Löwenzahn«-Moderator Peter Lustig. »Wild Wild Country« ist eine Dokumentarserie, in der ehemalige Anhänger und Gegner der Bhagwan-Bewegung die unglaublichen Ereignisse um die Gründung und den Niedergang der Stadt und einer zunächst hoffnungsvollen Aussteiger-Bewegung berichten. Dazu gibt es überraschend viel und gutes Filmmaterial aus der damaligen Zeit. Trotz Doku-Serie ist »Wild Wild Country« spannend wie ein Krimi, aufwühlend wie »Herr der Fliegen« und hoffnungsvoll wie die Hippie-Bewegung.

»Wild Wild Country« kommt mit sechs Folgen in einer Staffel auf Netflix. Die Folgen sind zwischen 64 und 71 Minuten lang. 

Einen Trailer kann man sich zum Beispiel hier anschauen.



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