25. Juni 2014, 19:18 Uhr

Gerhard Schweitzer: 60 Jahre und kein bisschen leise

Wölfersheim (sto). Seit 60 Jahren sind sie unzertrennlich, vor zwei Wochen hätten sie diamantene Hochzeit feiern können – der Wölfersheimer Gerhard Schweitzer und sein NSU-Motorrad. Sie sei seine »treue Seele«, schwärmt der 83-Jährige, relativiert das freilich gleich: »Direkt nach meiner Frau.«
25. Juni 2014, 19:18 Uhr
Unzertrennlich: Gerhard Schweitzer und sein »Schätzchen« auf zwei Rädern. (Foto: Ottwin Storck)

Wobei die NSU im direkten Vergleich sogar Pluspunkte macht: »Mit ihren 198 Kubik und 8,6 PS schafft sie auch heute noch 100 in der Spitze.« Und mit ihrem Verbrauch von 3,3 Liter auf 100 Kilometer ist sie sparsamer als fast jedes Auto. Früher hat Gerhard Schweitzer Normalbenzin getankt, heute fährt er an die Super-Säule: »Da ist mehr Musik in der Maschine.«

Bei Gustav Eiser in der Wohnbacher Eckgasse hat er sein Motorrad am 12. Juni 1954 gekauft, der Preis von 1700 Deutsche Mark – also rund 850 Euro – erscheint nur aus heutiger Sicht als Schnäppchen für den damals 23-Jährigen. Und die Lederjacke hat ihn damals schon 175 Mark gekostet. Auch die hat Gerhard Schweitzer noch, zieht sie bei seinen Ausfahrten nach wie vor an. Auf den Kopf setzt er den Helm von damals, mit 50 Mark gesponsort vom Hersteller, weil im Sommer 1954 bei Eiser 36 NSU-Motorräder verkauft wurden. Gegen den Wind hat Schweitzer an den Helm selbst einen Nackenschutz genäht – kein Problem für den gelernten Schuster.

Der NSU-Virus steckte an – viele der Käufer schlossen sich zum NSU-Club Wohnbach zusammen. Tourten in den Schwarzwald oder in die Fränkische Schweiz. Im Laufe der Jahre freilich stiegen viele aufs Auto um, etliche sind auch schon verstorben. Gerhard Schweitzer ist der »letzte Mohikaner« des Clubs, dessen Wimpel er in Ehren hält. Ein Auto hat er nicht. Wenn er mit der Gattin verreist, nehmen sie Bus oder Bahn. Und wenn was zu holen ist, hat er sein »Schätzchen«.

Beim TÜV noch nie Probleme

Große Ausfahrten macht Schweitzer nicht mehr. Aber gelegentlich fährt er nach Büchenberg bei Fulda zu NSU-Motzke – »da gibt’s alles, vom kleinsten Schräubchen bis zum Motorrad«. Ausdrücklich lobt der Wölfersheimer Senior seine zweirädrige Seniorin: »Echte Wertarbeit der fünfziger Jahre«, nur ganz selten ist eine Reparatur fällig. Beim TÜV gab es noch nie Probleme, erzählt Schweitzer, »die freuen sich immer, wenn ich komme«.

Gehört Gerhard Schweitzer in Wölfersheim zum Straßenbild wie der Weiße Turm, so sorgt er regelmäßig für Aufsehen in Friedberg oder Bad Nauheim: »Dort ist meine Maschine oft umlagert, wenn ich sie abgestellt und in einem Geschäft etwas besorgt habe. Dann sind auch oft Fragen zu beantworten.« Dass er auch fahrend für Aufsehen sorgt, versteht sich von selbst. Das Geknatter seines Feuerstuhls ist Wohlklang in den Ohren jedes Motorradfreundes. (Fotos: Storck)

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