22. Oktober 2013, 15:38 Uhr

Biogasanlage: »Im Prinzip läuft das wie beim Sauerkraut«

Wölfersheim-Berstadt (pm). »Die Ernte hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen«, freut sich Michael Schmidt, technischer Geschäftsführer der Biogas Oberhessen, und weist mit weit ausholender Geste über die schier unendliche Menge an Silage, die auf dem Gelände der Biogas-Anlage in Berstadt lagert.
22. Oktober 2013, 15:38 Uhr
Mais und Sorghum von 800 Hektar Land haben in den letzten Wochen die Biogasanlage erreicht. (Foto: pv)

Zusammengekommen sind 600 Hektar Mais und 200 Hektar Sorghum, eine Hirsesorte, die Landwirte in der näheren Umgebung anbauen. Dieser Ertrag soll für die Anlage bis zum nächsten Herbst reichen. Überhaupt: Schmidt zeigt sich zufrieden mit dem Anlaufen der Anlage, die die Ovag für etwa 15 Millionen Euro errichtet hat.

In Kürze, wahrscheinlich zu Beginn des neuen Jahres, kann die Anlage Voll-Last fahren. Schon jetzt, konstatiert Michael Schmidt, produziere sie 1000 Kubikmeter Gas pro Stunde.

Schlag auf Schlag ging es während der Erntezeit, Laster auf Laster rollte auf die Waage der Anlage, etwa alle 15 Minuten eine Fuhre. Nach dem Wiegen steuern die Wagen die Silostraße an, entladen Mais und Sorghum. Eine Art Bagger schiebt die Substrate zusammen und drückt sie in die Höhe, ein vier Tonnen schweres Vehikel mit Verdichtungswalzen plättet die Masse. Dies alles nimmt der Partner der Biogas Oberhessen vor, der Maschinenring Wetterau.

Künftig sollen auf diese Weise 45 000 Tonnen Pflanzensilage und knapp 17 000 Tonnen Gülle und Putenmist von etwa 70 Bauernhöfen der Region in die Anlage gelangen. Diese Mengen sollen die Jahresproduktion von 41 Millionen Kilowattstunden Biomethangas garantieren.

Über die Silage wird nach der Anlieferung eine grüne Folie gezogen, damit die Säurevergärung einsetzt. »Im Prinzip ist das wie beim Sauerkraut«, bringt Schmidt einen anschaulichen Vergleich. Nach sechs Wochen Lagerung ist die Silage entnahmefähig, gelangt mit einem Teleskoplader in den Feststoff-Dosierer. »Zwischen drei und vier Stunden am Tag müssen wir auf diese Weise den Dosierer nachfüttern«, sagt Axel Heßler von der Biogas, während er per Joystick die Kippe in die Höhe hievt und dann in die Schräge bringt.

Nun liegt die Silage im Feststoff-Dosierer. Auf dem Schubboden gelangt sie in einen der beiden auf 38 Grad vorgeheizten Fermenter, von denen jeder 4800 Tonnen Substrat aufnehmen kann. Im Fermenter, in dem lange vor dem ersten Probelauf die notwendigen Kulturen eingebracht wurden, setzt der Gärungsprozess ein. Hier herein gelangt auch die Gülle, wobei penibel Buch darüber zu führen ist, ob es sich um Gülle von Rindern oder Schweinen handelt. »Das«, so Michael Schmidt, »hat mit den Vergütungen zu tun, die wir für das Biogas erhalten. Alle Werte zusammen ergeben, ob die Menge an Gas, die wir gewinnen, plausibel ist.«

Weiter geht es mit der ehemaligen Silage in die Nachgärer bis hin ins Gärrestlager. Rund 80 Tage, erläutert Michael Schmidt, dauert es, bis sich eine Tonne Substrat in Biogas verwandelt hat. »Wir haben praktisch keine Verluste«, sagt er. »Wenn das Gas am Ende nicht den Qualitätsanforderungen entspricht, gelangt es einfach wieder zurück in den Kreislauf.«

Zwar laufen all diese Prozesse automatisch, aber Schmidt und seine drei Mitarbeiter müssen diese Prozesse natürlich nicht nur kontrollieren, sondern auch die Anlage warten und bei Störungen sofort eingreifen. Deswegen ist es unumgänglich, dass sich rund um die Uhr jeweils ein Mitarbeiter in Bereitschaft hält.

In einem wichtigen Punkt unterscheidet sich die Biogasanlage von anderen Erneuerbare-Energie-Anlagen, erläutert Dr. Hans-Peter Frank, Geschäftsführer der Biogas Oberhessen: »Sie läuft nicht von selbst, sobald sie errichtet worden ist, so wie bei Wind, Sonne, Wasser. Wie ein fossiles Kraftwerk will sie im wahrsten Sinne des Wortes gefüttert werden.«

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