14. August 2012, 17:23 Uhr

Einschulung: »Das ist ja wie in der echten Schule!«

Wetteraukreis/Wölfersheim (sda). Rund 2800 Erstklässler sind am Dienstag in 57 öffentlichen Grundschulen eingeschult worden. Die WZ war dabei, besuchte diesmal die Jim-Knopf-Schule in Wölfersheim-Södel.
14. August 2012, 17:23 Uhr
Ganz schön aufregend so ein erster Schultag: Aufmerksam lauschen die Schüler der Jim-Knopf-Schule in Wölfersheim-Södel den Erklärungen von Lehrerin Sarah Luh. (Foto: sda)

»Ich möchte nur wissen, wo wir eigentlich hinfahren«, fragt der junge Held seinen erwachsenen Freund, bevor die beiden sich auf eine große Reise begeben – und eben dieser Junge ist Namensgeber der Wölfersheimer Jim-Knopf-Schule. Am Dienstagmorgen wurden dort 90 Kinder eingeschult. Die ABC-Schützen aus Wölfersheim stehen, genau wie Jim Knopf aus Lummerland, am Beginn einer großen Reise. Einer Reise ins Land der Buchstaben, Zahlen und Hausaufgaben.

Die Wölfersheimer Kinder versammeln sich in der Södeler Turnhalle. Mit dabei: Mamas, Papas, Omas und Opas, die mindestes genauso aufgeregt sind und eifrig Fotos schießen. Auch wenn der ein oder andere ABC-Schütze zu Beginn etwas verunsichert dreinblickt, bei der Begrüßung durch die älteren Schüler ist die Angst wie weggeblasen: »Einfach klasse, dass Du da bist«, singen die Zweitklässler. Dann spricht Schulleiterin Ulrice Fuß: »Das ist ein ganz besonderer Tag für ganz besondere Kinder«, sagt sie und drückt allen Erstklässlern eine »Zauberkugel« als Erinnerung in die Hand. Auch Christiane Angermann vom Elternbeirat hat ein Geschenk dabei, eines, das Jim Knopf eigens aus Lummerland geschickt habe: »Glücksdiamanten aus dem Kohlestaub der Lokomotive Emma.«

Trotz der Geschenke werden die Kinder mit jeder Minute zappeliger, plaudern mit ihren Sitznachbarn. Aber dann heißt es noch einmal Ruhe bewahren: Bürgermeister Rouven Kötter überreicht dem Förderverein der Wölfersheimer Schulen einen Scheck über 500 Euro, das Geld soll ins Frühstücksprojekt investiert werden. Kötter hat wertvolle Ratschläge parat: »Geben Sie Ihren Kindern Zeit«, sagt er zu den Eltern – der Druck im Leben komme früh genug. Und den Kindern verspricht er: »Ihr lernt hier neue Freunde kennen und habt jede Menge Spaß.«

Fünf erste Klassen gibt es an der Jim-Knopf-Schule, darunter eine Vorschulklasse. Für alle geht’s jetzt endlich richtig los. Im Entenmarsch folgen die Kinder ihren Lehrerinnen in die Klassenräume. Sarah Luh unterrichtet die Klasse 1c und ist mindestens genauso aufgeregt wie ihre Schützlinge: Auch für sie ist Einschulung. »Das ist meine erste Klasse«, erzählt die junge Frau, die gerade ihre Ausbildung beendet hat. »Ganz schön aufregend!« Aber das merkt man ihr kaum an – aufmerksam hält sie die Meute zusammen und führt sie durchs Gebäude.

Im Klassenraum geht gleich das Getümmel los: »Frau Luh, wo soll ich sitzen?«, rufen 20 Kinder durcheinander. Aber die Lehrerin hat alles im Griff, nach einer Minute hat jeder seinen Platz. An Stillsitzen ist freilich nicht zu denken – dafür gibt es zu viele Dinge zu erkunden: Rechenbücher, Spiele, Plakate. Alles quasselt, bis ein sanfter Klang durch den Raum schallt. Ruckzuck ist es mucksmäuschenstill. »Das klappt ja bestens«, lobt Luh die Meute. »Das ist ein Klangstab. Wenn ihr den hört, müsst ihr ganz leise sein.« »Das ist ja wie in der echten Schule«, ruft ein Junge. »Wir sind doch auch in der echten Schule«, klärt ihn eine Klassenkameradin auf.

Der Trick mit dem Schnipsen

Im Sitzkreis dürfen sich die Kinder ihren Klassenkameraden vorstellen, mit Namen und Hobby: Fußball, Handball, Klettern, Reiten. Alle reden wild durcheinander – aber Luh hat die Situation schnell unter Kontrolle: »Ihr müsst Euch melden, wenn Ihr was sagen wollt.« Klappt auch ganz gut, sogar den Trick mit dem Schnipsen haben die Ersten schon raus. »Wir lernen lesen, schreiben und rechnen«, weiß eine junge Dame. »Genau«, stimmt Luh zu, »aber wir lernen auch, wie man miteinander umgeht.« Dann gibt’s die erste Hausaufgabe: eine Schultüte ausmalen. »Das ist ja wenig«, findet ein Mädchen. »Ist ja auch der erste Schultag«, entgegnet Luh, als ein dumpfes Ding-Dang-Dong durchs Schulgebäude hallt. Gleich strömen Eltern in den Raum, wollen wissen, wie’s war. Die Erwachsenen sind fast lauter als die Kinder, die sehnsüchtig auf ihre Belohnung für all das Zuhören und Stillsitzen warten: Bevor es morgen wieder in die Schule geht, dürfen sie die prall gefüllten Schultüten auspacken.



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