06. Mai 2011, 18:55 Uhr

Erster Spatenstich: Bau der Biogasanlage kann beginnen

Wölfersheim-Berstadt (kai). Den Durchbruch nach den Problemen der ersten Monate sahen die meisten der Teilnehmer und Gäste gekommen: Am Donnerstagnachmittag traf sich die Prominenz aus Politik, Verwaltung und Ovag zum symbolischen ersten Spatenstich für die Berstädter Biogasanlage. 12 Millionen Euro kostet das Projekt, das im Frühjahr 2012 in Betrieb gehen soll.
06. Mai 2011, 18:55 Uhr
Der große Moment: (von links) Jürgen Völker, Claus Spandau, Stefan Hammer (Biogas Oberhessen), Bürgermeister Rouven Kötter, Landrat Joachim Arnold, Regierungspräsident Johannes Baron, Ovag-Vorstand Rainer Schwarz, Ilona Paulick (Planungsbüro), Ovag-Vorstand Rolf Gnadl und Michael Schmidt (Biogas Oberhessen). (Foto: kai)

Die Bagger stehen still. Bauarbeiter staunen: Rund 60 Gäste, unter ihnen Regierungspräsident Johannes Baron, Landrat Joachim Arnold, sein Vize Oswin Veith, die Landtagsabgeordneten Lisa Gnadl und Klaus Dietz, Ovag-Vorstände Rainer Schwarz und Rolf Gnadl, der Wölfersheimer Bürgermeister Rouven Kötter, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und viele andere kamen, um den ersten Spatenstich zum Bau der Biogasanlage zu erleben.

12 Millionen Euro investiert der regionale Energieversorger Ovag in die Anlage. Ab dem kommenden Frühjahr wird hier Strom und Gas produziert, das zu Erdgasqualität aufgearbeitet und ins Netz eingespeist wird. Mehr als 5700 Dreipersonenhaushalte können durch die Anlage mit Elektrizität versorgt werden, weitere 2000 mit Wärme und Warmwasser. Gefüttert werden die Fermenter mit Mais, Putenmist und Gülle. Auf 800 Hektar in einem Radius von rund zehn Kilometer um Berstadt wächst der Mais.

»Das ist eine Wertschöpfung in der Region«, lobte Ovag-Vorstand Rainer Schwarz. Sein Unternehmen erhöhe Schritt für Schritt den Anteil an grünem Strom, die Biogasanlage sei ein weiteres wichtiges Standbein. Sie habe einen Vorteil gegenüber Wind- und Sonnenenergie: Kontinuierliche Energieversorgung, die nach Bedarf zur Verfügung steht, an- und abgeschaltet werden kann.

»Biogas ist eine wichtige Säule der erneuerbaren Energien«, erklärte Michael Schmidt, Geschäftsführer der Ovag-Tochter Biogas Oberhessen, die die Anlage betreiben wird. »Wir gehen in die richtige Richtung«, sagt er und erinnert an Fukushima.

Die Probleme bei der Gründung des Geländes hätten das Unternehmen nicht von dem Vorhaben abbringen können. Schwierig sei die Situation nach der ersten Maisernte gewesen, der Sickersaft habe sich seinen Weg gesucht und mit Geruch auf sich aufmerksam gemacht. Inzwischen steht das Grundgerüst für den Lagerplatz der Ernte im Herbst. Schotter liegt drauf, Abflüsse sind zu erkennen, die Betonplatte fehlt noch.

»Der Weg zum heutigen Tag war steinig«, blickte Bürgermeister Kötter zurück. Nun sei es Zeit, nach vorn zu schauen, das Thema Energieversorgung sei akuter denn je. »Diese Anlage ist ein Teil der Wölfersheimer Philosophie, die Gemeinde als Energiestandort weiterzuentwickeln, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und eine dezentrale Energieversorgung aufzubauen.« Die Energiewende funktioniere nicht ohne Biogas. »Ich bin überzeugt, das ist ein richtiges, zukunftsweisendes Projekt«, sagte Kötter und lobte die Berstädter, deren Leidensfähigkeit auf den Prüfstand gestellt worden sei.

Als innovatives Projekt würdigte Landrat Joachim Arnold die Biogasanlage, die »Bioerdgasanlage« genannt werden müsse. Wölfersheim profiliere sich wieder als Energiestandort, nach der langen Bergbau- und Kraftwerkszeit.

Das Vorhaben sei nicht immer und überall begeistert aufgenommen worden. Bei den Landwirten sei die Anlage nicht unumstritten gewesen. Nach vielen Diskussionen seien die langfristigen Lieferverträge zustande gekommen. Als nächstes Ziel brachte Arnold die Erdwärme« ins Spiel.

»Regenerative Energien zu nutzen ist eine Medaille mit zwei Seiten«, sagte Regierungspräsident Baron. Bei Erdwärme könne es zu seismographischen Änderungen kommen, bei Windkraft hätten die Menschen ein ästhetisches Problem, gegen Wasserkraft protestierten Naturschützer, Biomasse rieche. Doch die Alternative seien die unkalkulierbaren Risiken der Kernkraft. »Die Biogasanlage sei ein Gewinn für die Umwelt und die Region«, lobte Baron.

In den nächsten Monaten werden die Vorlagebehälter, Fermenter, Nachgärer sowie die Lagerflächen für die Silage gebaut. Eine Fläche etwa so groß wie fünf Fußballfelder ist nötig.



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