Wölfersheim

Jakob Glas und Julius Wedmann 75 Jahre dabei

Wölfersheim/Hungen (sto). Die beiden Ortsgruppen Wölfersheim und Hungen der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) nehmen seit vielen Jahren die Ehrungen ihrer Jubilare gemeinsam vor - so auch am Samstag im Melbacher Dorfgemeinschaftshaus. Eingeladen und gekommen waren einmal mehr vor allem einstige Bergleute, die von den Ortsgruppenvorsitzenden Klaus Groß und Wilfried Seibert begrüßt wurden.
24. November 2009, 19:40 Uhr
Die anwesenden Jubilare mit dem Vorsitzenden Klaus Groß (5. v. l.) und Wilfried Seifert (5. v. r.), Hungens 2. Vorsitzendem Mich
Die anwesenden Jubilare mit dem Vorsitzenden Klaus Groß (5. v. l.) und Wilfried Seifert (5. v. r.), Hungens 2. Vorsitzendem Michael Berndt (links) und Bezirkssekretär Gunnar Reichwald (rechts).

Wölfersheim/Hungen (sto). Die beiden Ortsgruppen Wölfersheim und Hungen der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) nehmen seit vielen Jahren die Ehrungen ihrer Jubilare gemeinsam vor - so auch am Samstag im Melbacher Dorfgemeinschaftshaus. Eingeladen und gekommen waren einmal mehr vor allem einstige Bergleute, die von den Ortsgruppenvorsitzenden Klaus Groß und Wilfried Seibert begrüßt wurden.

Hungens Stadtoberhaupt Klaus-Peter Weber überbrachte die Grüße der dortigen Gremien. Und präsentierte sich als dem Bergbau von Kindesbeinen an sehr verbunden. Schließlich sei sein Heimatort Trais-Horloff vom Bergbau geprägt gewesen. So erinnerte Weber daran, dass der Freizeitsee ein Relikt aus jenen Tagen ist. Auch gebe es im Ort noch viele Zeitzeugen.

Für den verhinderten Wölfersheimer Bürgermeister Rouven Kötter war der Beigeordnete Manfred Sauer gekommen, er ging speziell auf die Bedeutung der Gewerkschaften in der heutigen Gesellschaft ein und betonte seine persönliche Verbindung: Auch er gehöre schon seit 1956 der Arbeitnehmervertretung an.

Der DGB-Ortsverbandsvorsitzende von Wölfersheim, Karl-Otto Waas, erinnerte an harte Auseinandersetzungen der Arbeitnehmer, die zur Folge gehabt hätten, dass die zu ehrenden Personen in diesem feierlichen Rahmen zusammenkommen könnten.

Die Festrede hielt IG BCE-Bezirkssekretär Gunnar Reichwald. Er ging zunächst auf die Strukturveränderung des Bezirks nach der Fusion der Regionen Hanau und Gießen/Wiesbaden ein. Die sei notwendig gewesen, um den Mitgliedern zu größerem Gewicht in der Gesellschaft zu verhelfen. Danach zeigte er exemplarisch aktuelle Fälle der Behinderung gewerkschaftlicher Betätigung durch Firmen im Bezirksgebiet auf. Dies zeige, dass die Herausforderungen für die Gewerkschaften heute genau so groß seien wie in früheren Jahrzehnten. Der demoskopischen Realität müssten sich die Gewerkschaften stellen, so Reichwald weiter. Da die Menschen älter würden und länger im Berufsleben verblieben, seien altersgerechtes Arbeiten in den Betrieben und ein gleitender Ausstieg als Ziele anzustreben.

Der Bezirkssekretär sprach sich ohne Wenn und Aber für den Flächentarifvertrag aus. Der berge Sicherheit. Für die Tarifrunden im kommenden Jahr müsse man noch neue Parameter finden. Die Weiterqualifizierung, eine Beschäftigungssicherung und ein Bonus für Gewerkschaftsmitglieder sollten festgeschrieben werden. Letzteres sei notwendig, um den »Trittbrettfahrern« einen Riegel vorzuschieben.

SPD-Mitglied Reichwald ging auch kritisch mit seiner Partei ins Gericht. Manche Entscheidung habe zu Vertrauensverlusten in der Bevölkerung geführt. Man müsse sich zu einer Industriepartei zusammenfinden, um dem Anspruch einer Volkspartei zu genügen.

Die Jubilare bezeichnete Reichwald als Vorbilder aller Gewerkschafter und Arbeitnehmer. Obwohl sie teilweise schon viele Jahre aus dem Berufsleben ausgeschieden seien, hätten sie der Gewerkschaft die Treue gehalten. Nur eine an Mitgliedern starke Organisation könne die Errungenschaften für die Arbeitnehmer erhalten und das zukünftige Berufsleben zum Wohle aller in der Gesellschaft mitgestalten.

Für 25 Jahre gratulierte Reichwald Jutta Auer (Schwalheim), Eberhard Felde (Wölfersheim), Peter Gruner (Utphe) und Heiko Schneider (Ossenheim). Seit 40 Jahren sind Eugen Lachmann und Hubert Pötzl (beide Dorheim), Erhard Ruppel (Wohnbach), Artur Müller (Bellersheim), Gerhard Pohl (Hungen) sowie Dietmar Schneider (Obbornhofen) Gewerkschafter. Auf 50 Jahre blicken Werner Konrad (Villingen), Eckhard Reitz (Inheiden), Heinz Rusche (Trais-Horloff), Lothar Knorr (Oppershofen) und Gerhard Leonhard (Ober-Wöllstadt) zurück. Anton Schicker (Trais-Horloff) und Erich Seidler (Rodheim) gehören 60 Jahre der Arbeitnehmervertretung an. Schon 70 Jahre ist Walter Klimovic (Trais-Horloff) Gewerkschafter. Und auch die 1934 beigetretenen Jakob Glas und Julius Wedmann (beide Wölfersheim) sind mit ihren 75 Jahren Zeitzeugen diverser Epochen. (Foto: Storck)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/woelfersheim/art571,38902

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung