11. Oktober 2009, 18:18 Uhr

Jonglieren mit Worten

Wölfersheim (kpp). Hip-Hop, Rap und Rock sind out, Poetry Slam ist in. Das zumindest vermittelten Lars Ruppel und einige weitere Slammer aus Hessen am vergangenen Samstag in der Kulturwerkstatt. Die Gemeinde hatte die jungen Worttalente eingeladen, einen Poetry Slam Wettbewerb zu veranstalten.
11. Oktober 2009, 18:18 Uhr
Wortakrobat Lars Ruppel führte durch den Poetry Slam Wettbewerb. (Foto: kpp)

Wölfersheim (kpp). Hip-Hop, Rap und Rock sind out, Poetry Slam ist in. Das zumindest vermittelten Lars Ruppel und einige weitere Slammer aus Hessen am vergangenen Samstag in der Kulturwerkstatt. Die Gemeinde hatte die jungen Worttalente eingeladen, einen Poetry Slam Wettbewerb zu veranstalten.

»Wer weiß was ihn heute erwartet?«, fragte Moderator Ruppel sein Publikum zu Beginn. Poetry Slam ist im Kommen, doch viele wissen nicht, was es wirklich ist. »Einfach gesagt: Es ist ein literarischer Vortragswettbewerb ohne Vorgaben«, sagte Ruppel. Jeder stellt seinen selbstgeschrieben Text auf seine Art und Weise vor. »Man kann zum Beispiel ein Gedicht über das Thema Liebe schreiben oder einfach seinen Einkaufszettel reimen«, erklärte er. Der gebürtige Gambacher slammt seit seinem 16. Lebensjahr erfolgreich durch ganz Deutschland und hat dabei schon viele Preise gesammelt.

An diesem Abend traten sieben Slammer an, die jeweils sechs Minuten ihr selbstgeschriebenes Gedicht vortrugen. Das Publikum wurde von Moderator Ruppel in fünf Jurygruppen eingeteilt, die jeweils mit Schildern von 1 für »mies« bis 10 - »hervorragend« - die Slams der Kandidaten bewerten sollten. »Bei einem Poetry Slam sind auch Zwischenrufe erlaubt«, erklärt Ruppel dem Publikum, denn jeder soll seinen Gefühlen an einem solchen Abend freien Lauf geben.

Der erste Kandidat, Markus aus Marburg, nahm im seinen Gedicht mit dem Namen »Ruhe vor dem Wurm« deutsche Sprichworte unter die Lupe. Mit »Wir sind das Volk, Du bist Deutschland« oder »es gibt sieben Brücken, über die keiner geht« stellte er die Hochs und Tiefs des Lebens bildlich dar. Sherry aus Gießen reimte danach über ihre Leidenschaft Musik. »Ohne die Beats, Töne und Takte in meinem Ohr kann ich nicht leben«, slammte Sherry, »sie sind Flucht und Lebensmotivation zugleich«. Als nächster trat Bo aus Marburg auf die Bühne. Er referierte über Liebe und Alltag, über Trennung und Alkohol sowie über die Lindenstraße, die einem doch seit Jahren mit zahlreichen Scheidungen und Seitensprüngen im Fernsehen zeigt, dass Liebe niemand wirklich hinbekommt.

Tommy aus Marburg war als nächster an der Reihe. Mit seinem Gedicht »Die Anderen« reimte er Sätze über Kultur und Individualität aneinander. Immer wieder fragt er »Was geht?« und pointiert das Leben der schicken VIP’s , die »unsere Kultur« bestimmen wollen. Johannes Lautenbacher - ebenso aus Marburg - referierte zum Thema Heimat. »Google - wer suche der findet, doch wie ist das nochmal mit der Selbstfindung«, fragte sich Slammer Johannes, der »Heimat« mit 13 Millionen Google-Treffern nicht mehr definieren kann.

Stephan aus Wetzlar erzählte in seinem Gedicht »Play und Replay« von den Wiederholungen im Leben, die jeder brauche, sowie von den Ausnahmen, die die Regeln bestätigen. Überdies fragte er, »wie viele Wiederholungen verträgt der Mensch, bevor er durchdreht oder letztendlich abstumpft?«. Der letzte Kandidat war Philipp aus Gambach, der über seine Schulzeit reimte. Dabei schlug er in seinem Gedicht eine Brücke von Mobbing und Prügeleien über den Faschismus der NS-Zeit zu den heutigen Ausgrenzungen in der Welt und appelliert daran, das Worte stärker als Waffen seien.

Bo aus Marburg macht das Rennen

Ein Vielfalt an Themen und Vortragsstilen begeisterten die eher lückenhaft besuchte Kulturwerkstatt, die mit ihren Bewertungen die Slammer Tommy Tesfu aus Marburg, Stephan aus Wetzlar und Bo aus Marburg in ein letztes finales Stechen schickte. Mit einem Gedicht über geschlossene Türen die immer widerwillig geöffnet werden, machte schließlich Bo das Rennen.



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