07. April 2009, 20:10 Uhr

Abwrackprämie nur »hilflose Punktlandung«

Wölfersheim (sto). Rückläufig ist seit Jahren die Mitgliederzahl der Ortsgruppe Wölfersheim der Industriegewerkschaft BCE (Bergbau-Chemie-Energie) - das Gros der Mitglieder sind ehemalige Angestellte im Wetterauer Kohlebergbau. 463 Personen gehören derzeit der Ortsgruppe an, zur Jahreshauptversammlung kamen am Samstag knapp 50 in die Wetterauhalle.
07. April 2009, 20:10 Uhr
Gastredner bei der Jahreshauptversammlung der IGBCE Wölfersheim: Bezirkssekretär Frank Moravec findet deutliche Worte. (Foto: Storck)

Wölfersheim (sto). Rückläufig ist seit Jahren die Mitgliederzahl der Ortsgruppe Wölfersheim der Industriegewerkschaft BCE (Bergbau-Chemie-Energie) - das Gros der Mitglieder sind ehemalige Angestellte im Wetterauer Kohlebergbau. 463 Personen gehören derzeit der Ortsgruppe an, zur Jahreshauptversammlung kamen am Samstag knapp 50 in die Wetterauhalle.

»Ein guter Wert«, kommentierte IGBCE-Bezirkssekretär und Gastredner Frank Moravec durchaus zufrieden. Er lobte die Ortsgruppe mit ihrem Vorsitzenden Klaus Groß: Sie sei in verschiedenen Bereichen vorbildlich. So wies Moravec auf die alljährliche Maikundgebung in Wölfersheim hin. Gleichzeitig lud er die Wölfersheimer Genossen zur großen Kundgebung am 16. Mai nach Berlin ein. An jenem Tag werde der Europäische Gewerkschaftsbund in allen Mitgliedsländern gegen die »unverhältnismäßige Stützung großer Privatbetriebe protestieren.

Die derzeitige Finanzkrise nannte Moravec einen »geschichtswirtschaftlichen Prozess«, dessen Ende kaum jemand abschätzen könne. Noch vor einem Jahr seien keine Gelder zur Unterstützung sozial schwacher Bürger vorhanden gewesen, doch heute machten Poltiker 500 Milliarden Euro (»unsere Steuergelder«) locker, um privatwirtschaftliche Unternehmen zu stützen. Die Sanierung von Opel sei ein »planloses Unternehmen«, die Auto-Verschrottungsprämie eine »hilflose Punktlandung«. Denn die jetzt zerstörten Altautos fehlten morgen auf dem Markt für das schmale Portemonnaie und als Reparaturgeschäft der kleinen Werkstatt.

Die Folge sei ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen und eine Entwertung der weiterbestehenden. Täglich meldeten Unternehmen Kurzarbeit an. Den Politikern warf Moravec generell vor, vom Sozialstaat nur zu reden. Deshalb erweise sich heute mehr denn je eine starke Gewerkschaftsbewegung als lebensnotwendig für die Demokratie und alle Bürger des Staates.

Die Zahl der Mitglieder der IGBCE habe sich zwar weiter reduziert, jedoch langsamer als in den Vorjahren. In den letzten zehn Jahren habe man 40 Prozent verloren. Doch hier müsse man auch berücksichtigen, dass sich die Zahl der Arbeitsplätze im Bergbau stark verringert habe. Auch die Sanierungsgesellschaften des einstigen Braunkohlebergbaus in der Lausitz hätten ihre Arbeit beendet, zudem seien allein 2008 in der chemischen Industrie 3000 Arbeitsplätze »vernichtet« worden. Dieser Strukturwandel habe den Mitgliederstand verständlicherweise ausgedünnt.

Ortsgruppenvorsitzender Klaus Groß bedauerte, dass sich jüngere Arbeitnehmer »zusehends weniger« in der Gewerkshaft engagierten. Im gemeinsamen Miteinander könne man mehr erreichen, habe die Vergangenheit immer wieder gezeigt.

In seinem Jahresbericht ging Groß auf die Aktivitäten der Ortsgruppe im Jahr 2008 ein. Neben der Maiveranstaltung habe der Vortrag zur Patientenverfügung im Oktober große Resonanz gefunden. Zur Festigung der Gemeinschaft besuchte die Ortsgruppe wieder den karnevalistischen Kräppelnachmittag in Mainz-Kastel. Die alljährliche Jubilarehrung im November fand wieder gemeinsam mit Hungen statt. Beim Tagesausflug rollten zwei Busse in den Westerwald.

Auch in diesem Jahr ist man wieder reisefreudig. Wohin am 29. August die Reise geht, soll der Vorstand beschließen.

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