11. Juni 2015, 18:33 Uhr

Christian Koch erhält Deutschen Apothekenpreis

»Die klassische Apotheke hat keine Zukunft«, sagt Christian Koch. Tatsächlich bietet seine Linden-Apotheke in Wölfersheim wesentlich mehr an als Aspirin und Latschenkiefer. Für eines seiner innovativen Projekte wurde Koch am Mittwoch in Berlin mit dem Deutschen Apothekenpreis ausgezeichnet, der mit 10 000 Euro dotiert ist.
11. Juni 2015, 18:33 Uhr
Christian Koch (3. v. l.) bei der Verleihung des Deutschen Apothekenpreises in Berlin mit weiteren Preisträgern und Werner Schreiber, Vorsitzender der Gesundheitsregion Saar. (Foto: pv)

Christian Koch ist mächtig stolz. Denn bei dem Präventomobil, für das ihm am Mittwoch in Berlin der Deutsche Apothekenpreis verliehen wurde, handelt es sich um ein »eigenes Projekt im betrieblichen Gesundheitsmanagement«, also um eine »Herzensangelegenheit«. 35 inhabergeführte Apotheken aus dem Bundesgebiet hatten sich diesmal für die Auszeichnung beworben, mit der die Apothekenvertriebsgesellschaft Avie seit 2014 zukunftsweisende und beispielhafte Projekte würdigt, die die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheke herausstellen und die Leistungen der Apothekerschaft stärker ins öffentliche Bewusstein rücken.

Dass Apotheken längst viel mehr tun, als Medikamente zu vertreiben, bestätigt ein Blick auf Kochs Leistungskatalog, der sich in die Bereiche Service, Beratung, Verleih, Online-Dienste und Kundenkarte gliedert. Allein der Service umfasst 30 Angebote. Kein Wunder, dass Koch, dessen Frau eine Filiale in Echzell betreibt, allein in Wölfersheim 19 Mitarbeiter beschäftigt. Eines der Zusatzangebote neben dem Kerngeschäft ragt heraus: das Präventomobil (www.praeventur.de). So zumindest sahen es sämtliche Mitglieder der fünfköpfigen Jury in Berlin.

»Die Idee habe ich schon seit mehr als fünf Jahren, nur wusste ich zuerst nicht, wie ich sie am besten umsetze«, erzählt Koch. Seit 2013 bietet er in einem umfunktionierten Wohnmobil einen selbst konzipierten Gesundheits-Check an, getreu seinem Motto: Vorbeugen ist besser als heilen. Die Untersuchung umfasst unter anderem einen Säure- Basen-Check, Blutdruck- und Pulsmessung, Körperfettmessung oder eine sogenannte HRV-Messung, bei der untersucht wird, in welchem Maße ein Organismus in der Lage ist, die Herzfrequenz zu verändern. Je besser das gelingt, desto höher ist die Stresstoleranz. Anders als etwa in USA ist dieser Test in Deutschland laut Koch noch recht unbekannt. Auf Wunsch der Auftraggeber – meistens Unternehmen, aber auch Kommunen oder Einzelpersonen – macht Koch anhand seiner Befunde Vorschläge zur Gesundheitsvorsorge. Das können beispielsweise Workshops für die Belegschaft oder auch ausgewählte Personen innerhalb eines Unternehmens sein.

»Einem Raucher zu sagen, dass er ein höheres Infarktrisiko hat, reicht uns nicht, wir wollen den nachhaltigen Effekt«, sagt Koch und ergänzt, dass die Einzelbefunde freilich Vertrauenssache seien. Allerdings erhielten Arbeitgeber auf Wunsch einen Allgemeinbefund. So habe er kürzlich in einer Stadtverwaltung ein hohes Stresspotenzial festgestellt, was jetzt mit Präventionsmaßnahmen abgebaut werden solle. Die Nachfrage für derartige Angebote wachse stetig, sagt Koch.

Kritik an Präventionsgesetz

Verliehen wurde der Preis am Mittwoch im Rahmen des Hauptstadtkongresses und der Jahresveranstaltung der »Gesundheitsregion Saar« in der saarländischen Landesvertretung in Berlin. Koch nutzte in seiner Rede das Forum, um auf Missstände im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen. Dabei hatte er besonders das Präventionsgesetz im Auge, das nächstes Jahr in Kraft treten soll. »Die Politik fordert mehr Prävention, aber in dem Gesetz werden Apotheker nicht erwähnt. Da werden Heilpraktiker, Fitness-Trainer oder Ernährungsberater berücksichtigt, aber keine Apotheker. Das heißt, das entsprechende Fördertöpfe der Krankenkassen an uns vorbeigehen. Das kann eigentlich nicht sein«, kritisiert Koch. Und hofft, dass der Apothekenpreis zu einem Umdenken beiträgt. Das Preisgeld von 10 000 Euro will er in die Weiterentwicklung seines Leistungskatalogs investieren, ein Teil soll gespendet werden, vielleicht an Apotheker ohne Grenzen. (Foto: pv/Marc Darchinger)

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