02. Juni 2010, 17:40 Uhr

Musik für vier Hände auf einer Tastatur

Bad Nauheim. Dem Kulturamt der Stadt war es gelungen, für die Kammerkonzert-Reihe einen Klavierabend im Gemeindezentrum der Wilhelmskirche mit Künstlern von exorbitantem Rang zu präsentieren: die Pianisten Maja und Sergej Zirkuno.
02. Juni 2010, 17:40 Uhr
Maria und Sergej Zirkunow (Foto: pv)

Beide haben beide an der staatlichen Musikhochschule in St. Petersburg studiert, dort ihre Examina als Konzertpianisten mit Auszeichnung abgelegt, sodass sie sofort an Petersburger Hochschulen professionelle Nachwuchsmusiker auszubilden begannen. Mit zahlreichen Konzerten, Radio- und Fernsehauftritten konnten sie sich national und international ein großes Renommee erringen, ab 1993 von Deutschland aus. Die Konzerte der Zirkunows sind originelle Auftritte, bei denen die beiden Künstler alle Stilrichtungen und die absolute Beherrschung ihrer Instrumente zur Begeisterung des zahlreichen Publikums zu illustrieren wussten.

Sie eröffneten ihr Konzert eindrucksvoll mit der Sonate D-Dur, KV 381 für Klavier vierhändig mit einem machtvollen D-Dur-Akkord, dem sofort rasche Stakkati im Unisono folgen, aus denen sich in meisterlich gefügtem Satz ein lebendiger Dialog zwischen den Pianisten entwickelte, bei dem sie ihr pianistisches Können in aller klanglichen Farbigkeit, bei wechselnden dynamischen Graden und nachdrücklichen, bei Mozart ungewohnten Akzenten, zu formieren wussten. Umso mehr erfreute die zärtliche Kantabilität des mittleren Satzes, den im abschließenden »Allegro molto« der gleiche markante Zugriff wie im ersten Satz die Sonate beendete.

Die Werke, die den Charakter von Frédéric Chopin (1810 bis 1849) am reinsten widerspiegeln, sind zweifellos die »Nocturnes«, von denen Maja Zirkunow »Nocturne« b-Moll Op. 9 Nr. 1 spielte. Die »Nocturnes« sind »Nachtstücke«, aber nicht im Sinne Schumanns, sondern eben »Nocturnes«, von Chopin empfunden, von ihm am Flügel bei Kerzenlicht komponiert. Sie sind mit die beliebtesten Stücke dieser Gattung. In ihr gehen Wehmut, Verhaltenheit, Erregung, Gelassenheit, Heiterkeit und Ruhe mit geschmeidiger Melodik und feinsinniger Begleitung eine faszinierende Synthese ein, von der Pianistin sensibel erfasst und umgesetzt und zur Freude der Zuhörer begrüßt.

Mit der Ungarischen Rhapsodie Nr. 6 von Franz Liszt (1811 bis 1886) ließ Sergej Zirkunow einen Pianisten zu Wort kommen, der zu seiner Zeit als der weltbeste Spieler seines Instrumentes galt. Es war unglaublich, wie der Solist die Stimmung eines Festes mit virtuosen Kadenzen, eigenartigen Klangeffekten und weitgespanntester Dynamik den orchestralen Charakter hervorzuzaubern vermag. Frenetischer Beifall dankte dem Pianisten für seine virtuose, mit Furore dargebotene Interpretation.

Ebenso schwungvoll schlossen sich »Zwei Slawische Tänze« (vierhändig) von Antonin Dvorák (1841 bis 1904) an, dem damals noch fast unbekannten Komponisten, von dem ein anonymer Kritiker schrieb: »Hier ist endlich wieder ein wahres Talent und zwar ein ganz natürliches.... Keine Spur von Künstelei oder Gezwungenheit.« Mit dieser Offenheit spielten die beiden Musiker die prachtvollen Tänze, urwüchsig und kunstvoll zugleich, und erreichten so die Herzen des Publikums.

Bei dem nächsten Werk - der »Carmen-Fantasie« von Georges Bizet (1838 bis 1875) in der Bearbeitung von Sergej Zirkunow ließ sich der Pianist von den Melodien Bizets inspirieren, stellte sie als Hauptthemen zunächst vor und bearbeitete sie dann auf eine höchst kunst- und fantasievolle Weise, leitete und verband sie auf eine genialische Art mit harmonischen Klangwerten und Pattern, die stets überraschten.

Aus der »Peer Gynt Suite« von Edvard Grieg (1841 bis 1904) folgten die Sätze »Morgenstimmung«, »Anitras Tanz«, »Solvejgs Lied« und »In der Halle des Bergkönigs«, alles Sätze, die wohl bekannt sind und die Zuhörer mit ihrer nordische Tonsprache tief ansprachen. Am Schluss des Programms stand ein Großer der amerikanischen Jazzmusik, Duke Ellington (1899 bis 1974), einer der bedeutendsten amerikanischen Pianisten und Jazz-Komponisten. Sergej Zirkunow hatte von Ellington weltbekannte Themen ausgewählt, über die er improvisierte und das ganze Spektrum seiner frei schöpferischen Potenz fesselnd ausbreitete, nach jedem Stück anfeuernd gefeiert. Nach vielen Zugaben verabschiedeten sich die Künstler mit der »Verfolgungsjagd« von Dmitri Schostakowitsch.

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