02. Oktober 2013, 11:08 Uhr

Drogen, Beleidigungen, Hausverbote

Rosbach v. d. H./Friedberg (jwn). Wegen unerlaubten Besitzes und Handels mit Rauschgift sowie wegen Hausfriedensbruch und mehrfacher Beleidigung muss sich ein 26-jähriger Mann aus Rosbach derzeit vor Gericht verantworten.
02. Oktober 2013, 11:08 Uhr
(Foto: dpa)

Weil der Prozess gegen den verwirrt wirkenden Angeklagten über vier Verhandlungstage angesetzt ist, kamen am ersten Tag nur Einzelheiten zur Person zur Sprache. Sein Alter wusste der Angeklagte zwar nach längerem Nachdenken, aber auf die Frage von Richter Dr. Markus Bange, wovon er denn lebe, musste der Angeklagte passen. »Wie meinen Sie das, wovon ich lebe?« »Na, arbeiten Sie, oder womit verdienen Sie sich Ihr Geld?« »Verstehe ich immer noch nicht«, antwortete der 26-Jährige, der mit seinen verklebten Rastalocken und Kleidung im typischen Gammellook der frühen 80er Jahre irgendwie nicht mehr in die gegenwärtige Zeit passt. »Na, erhalten Sie Sozialleistungen, oder werden Sie vielleicht noch von Ihren Eltern unterstützt?«, hakte der Richter nach. Jetzt wusste er, worum es ging, und antwortete flapsig: »Richtig. Meine Eltern zahlen für mich.« Das reichte dem Richter zunächst, und so ließ er die beiden Anklagen gegen den Freigeist verlesen.

In fünf Fällen soll er entweder Rauschmittel, hauptsächlich Marihuana in Mengen zwischen fünf und 150 Gramm, besessen und gleichzeitig Jugendlichen unter 18 Jahren das Rauschgift zum Gebrauch angeboten haben – einmal sogar einem erst elfjährigen Jungen auf dem Schulhof der Kapersburgschule in Rosbach. Der hatte zunächst abgelehnt, als der Angeklagte ihm daraufhin jedoch drohte, nahm der Junge den Joint und versteckte ihn auf dem Schulgelände. Mehrfach sei der 26-Jährige später der Schulleiterin aufgefallen, als er sich auf dem Schulgelände herumdrückte und mit Kindern Kontakt suchte, obwohl schon seit Längerem dort ein Hausverbot gegen ihn ausgesprochen ist. Als die Schulleiterin ihn immer wieder des Schulhofs verwies, soll er sie als »dreckige Schlampe« beschimpft haben.

Auch in Friedberg hat er bereits auf mehreren Schulhöfen Hausverbot. Trotzdem lässt er sich dort immer wieder blicken – regelmäßig mit Joints oder unverpackten Marihuana, entweder selber rauchend oder lose im Rucksack mitgeführt.

Nach Verlesung der umfangreichen Anklageschrift mit den zwölf Anklagepunkten bat der Verteidiger um ein sogenanntes Rechtsgespräch zwischen dem Richter, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Wie der Angeklagte lauthals im Gerichtssaal verkündete, wollte der Verteidiger dem Gericht und der Staatsanwältin Vockert ein verfahrensabkürzendes Angebot unterbreiten.

Kein Deal mit Verteidigung

Der 26-Jährige würde sich danach in allen Punkten schuldig bekennen, wenn das Gericht ihn dafür lediglich zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten und zu einer Drogentherapie verurteilt. Doch das Angebot der Verteidigung wurde ausgeschlagen. Richter Bange will jetzt beim nächsten Verhandlungstag zunächst die medizinischen Gutachter zur Schuldfähigkeit des Angeklagten zu Wort kommen lassen. Dem Gericht liegen nämlich zwei Gutachten vor, die sich komplett widersprechen. Das aus dem Jahr 2007 kommt zum Ergebnis, dass der Mann schuldunfähig ist, ein neueres sieht die volle Verantwortlichkeit des Angeklagten. Erst wenn dieser Umstand geklärt ist, will das Gericht weitere Zeugen befragen.

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