Rosbach

»Viele kennen nur die Ziergärten«

Rosbach v. d. H. (sky). Wie viele Kartoffeln kann ich ernten, wenn ich im Frühjahr eine Knolle in die Erde stecke? Die Kinder der beiden Ober-Rosbacher Kindertagesstätten staunten gestern nicht schlecht, als Ernst Friedrich vom Obst- und Gartenbauverein ihnen in seinem Garten die Antwort verriet.
08. Mai 2013, 11:08 Uhr
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Auf dem Grundstück von Ernst Friedrich pflanzen die Kinder die Kartoffeln. Der Bürgermeister schaut zu.

Zweieinhalb Kilo kann die Ernte betragen. Und damit sich die Kinder darunter auch etwas vorstellen konnten, hatte er eine Küchenwaage mitgebracht.

Schon seit mehreren Jahren lädt Friedrich die Kita-Kinder im Frühjahr zu sich ein. In seinem Garten hält er extra ein kleines Beet für sie bereit, wo sie erst Kartoffeln, später Kürbisse, Tomaten oder Sonnenblumen pflanzen dürfen. Diesmal war auch Bürgermeister Thomas Alber mit dabei und bekam ebenfalls eine vorgekeimte Knolle in die Hand gedrückt, um sie in die Erde zu setzen. »Das erinnert mich an meine Kindheit und den Nutzgarten daheim«, meinte er schmunzelnd. Von den Vier- bis Fünfjährigen, die um ihn herum ungeduldig darauf warteten, ebenfalls an der Reihe zu sein, kannten sich allerdings nur wenige mit einem Gemüsegarten aus. »Die meisten kennen nur die Ziergärten mit Rasen, Büschen und Blumenbeeten«, sagte Erzieherin Natascha Sattler vom Kinderhaus Bergstraße. Friedrich weiß das. Deshalb lässt er die Kinder nicht nur Kartoffeln pflanzen, sondern erzählt ihnen auch viel vom Wachsen und Gedeihen, von der Ernte und von Umweltschutz, aber auch von der Pflege der Obstbäume, Johannisbeerbüschen oder Weinreben.

Auch die heimische Tierwelt ist ein Thema. Die Vielfalt auf seiner Scholle am Kirschenberg, wo er viele Stunden seiner Freizeit verbringt, ist groß. In den Bäumen hängen Nistkästen, ein Insektenhotel lockt Wildbienen und andere Kleintiere an. Ein paar Schritte weiter zeigt Friedrich auf eine Reihe von Büschen, die gerade ihre Blätter entfaltet haben. »Kennt Ihr diese Büsche?«, fragt er. Das eine oder andere Händchen wird ausgestreckt, um die schmalen Äste anzufassen, doch der Hobbygärtner warnt: »Vorsicht, da sind Stacheln dran!« Luisa scheint zu wissen, was da vor ihren Augen steht: »Es ist ein Kaktus«, rät sie. Knapp vorbei. Auch eine Rose ist es nicht, sondern eine Stachelbeere.

Weiter geht es zu den blühenden Apfelbäumen. Auch die Johannisbeeren, die schon reichlich Früchte angesetzt haben, ziehen die Aufmerksamkeit der kleinen Gartenbesucher auf sich. »Die kann man noch nicht essen, die sind ja noch gar nicht reif«, meint einer. Waltraud Wosch und Rose Friedrich vom Gartenbauverein sind beeindruckt. »Es ist wichtig, Kinder von klein auf mit einem Garten vertraut zu machen, denn in diesem Alter merken sie sich sehr viel. « Mitte Mai, wenn die Eisheiligen vorbei sind, wird man sich hier wieder treffen, um Kürbisse zu setzen. Mit einem Gutschein vom OGV haben die Kita-Kinder die Saat eingekauft und ziehen bereits die kleinen Pflänzchen auf der Fensterbank heran. Zur Erntezeit gibt es dann ein gemeinsames Mahl, bei dem die selbstgepflanzten Köstlichkeiten verspeist werden. Sattler wird dann zum letzten Mal dabei sein: Sie verabschiedet sich in Kürze in den wohlverdienten Ruhestand. (Foto: sky)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/rosbach/art570,81059

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