06. Juli 2012, 20:13 Uhr

Wasserfleisch und Antibiotika gibt’s hier nicht

Rosbach-Rodheim v. d. H. (sky). Der Duft von geschmolzenen Zwiebeln, frisch gebratenem Rehragout oder erntefrischen Erdbeeren aus der Region lag in der Küche von Bürgerhauswirt Uli Müller in der Luft, als er kürzlich ein gutes Dutzend Liebhaber von edlem Wildbret zu einem »Wilden Kochkurs« eingeladen hatte.
06. Juli 2012, 20:13 Uhr
Dieser Kursteilnehmerin ist der verführerische Duft des Rehragouts bereits in die Nase gestiegen. (Fotos: sky)

Veranstalter war die erst kürzlich gegründete Jägervereinigung Wetterau, deren Vorsitzender Klaus Kost sich auch um die Beschaffung des Fleisches gekümmert hatte – Reh und Wildschwein.

Schon schon dritten Mal hatten Hobbyköche bei ihrem Vereinskollegen Müller die Gelegenheit, einem Profi über die Schulter zu schauen und anschließend Tipps und Tricks für die Küche daheim mitzunehmen. »Wir Leute vom Verein haben uns diesmal allerdings etwas zurückgehalten, damit auch andere die Chance haben, frischen Wind in ihre Küche zu holen«, sagte Vereinsmitglied Inge Schomber, die sich erst zum gemeinsamen Essen mit an den Tisch gesetzt hatte.

Schon kurz nach Bekanntwerden des Veranstaltungsdatums seien alle verfügbaren Plätze ausgebucht gewesen. »Deshalb haben wir beschlossen, eine Gruppe Köche und eine Gruppe von ›Mitessern» zu bilden«, ergänzte Klaus Kost lachend. Ehepaar Zimmer aus Wöllstadt waren die einzigen, die nun schon zum zweiten Mal in der Küche standen, um diesmal ein Menü aus handgemachten Steinpilznudeln, Birnen in Balsamico oder ein Erdbeer-Tiramisu zu zaubern. »So eine Kochparty ist eine Superidee, um auch mal neue Rezepte kennenzulernen«, schwärmte die Ehefrau. Und während die einen sich beim Zwiebelschneiden die tränenden Augen rieben, andere die Bratpfannen fürs Ragout hervorholten oder im großen Kochtopf rührten, war an der Nudelmaschine Handarbeit angesagt: Zwar hatte Müller den Nudelteig schon vorbereitet, doch das Portionieren, Walzen und Schneiden blieb den Teilnehmern nicht erspart. »Beim Anbraten darf man nicht zu viel rühren, sonst verliert das Fleisch seinen Saft«, wusste der Küchenchef. Auch das Salz sollte man aus dem gleichen Grund nicht zu früh hinzufügen. »Es kommt erst hinzu, wenn das Fleisch braun ist.«

»Respekt vor der Natur«

»Wenn ich hier die Gelegenheit habe, mich von Fleisch zu ernähren, das die Natur uns liefert, dann ist das für mich eine ganz andere Sache, als wenn ich das Fleisch von Industrietieren im Supermarkt kaufen müsste«, meinte Michael Perner aus Köppern. Seit drei Jahren gehört er zu den Jägern und weiß, dass nicht alle Zeitgenossen ein freundliches Auge auf sie werfen. »Die Menschen sollten sich eher über die Viehtransporter aufregen, die den Schlachttieren Elend, Qualen und Stress bescheren«, ist seine Meinung. Mitjäger Reiner Zimmer aus Nieder-Wöllstadt pflichtete ihm bei. »Wir Jäger haben Respekt vor der Natur und schießen keineswegs alles tot, was uns vor die Flinte kommt.« Hegen und Pflegen sei eine Aufgabe der Vereinigung, die weit mehr Zeit in Anspruch nehme als die Jagd.

Für Klaus Kost steht bei all seinem Tun der Einklang mit der Natur im Vordergrund. »Der Mensch hat sich seit tausenden von Jahren von Wildbret ernährt und nur so viel gegessen, wie er ›geliefert» bekam«, sagt er. Erst die Massenviehhaltung habe eine neue Konsumhaltung geschaffen. »Die traurige Folge waren Wasserfleisch und Antibiotika in der Nahrungskette«, kritisiert er.

Zusammen mit seinen Vereinskollegen wirbt er für mehr Natur auf dem Mittagstisch – nicht nur in Sachen Fleisch. »Es gibt viel Gemüse aus hiesigem Anbau, das man lecker zubereiten kann«, ist er überzeugt. Der erntefrische Salat mit gelben Kapuziner-Blüten, blauem Borretsch oder Rote-Bete-Blättern, der am Ende des Kurses auf dem Tisch stand, gab ihm ebenso Recht wie die frisch gepflückten Rodheimer Erdbeeren oder die saftigen Birnen.

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